Erfolgsgeschichte mit langem Atem

Klaus Schönlebe gehört seit 44 Jahren zu den Essener Philharmonikern. Am Sonntag spielt er seine letzte Aufführung.Foto:Michael Korte
Klaus Schönlebe gehört seit 44 Jahren zu den Essener Philharmonikern. Am Sonntag spielt er seine letzte Aufführung.Foto:Michael Korte
Was wir bereits wissen
Klaus Schönlebe verlässt nach 44 Jahren die Essener Philharmoniker. Flötist freut sich über das Erreichte: „Wertschätzung für das  Orchester  ist  groß“

Essen.. Sein letzter Arbeitstag wird auch der letzte Dienst der Spielzeit sein, das hat sich Klaus Schönlebe so gewünscht. Sonntagabend steht noch einmal „Falstaff“ auf dem Programm. „Ein gutes, ein passendes Stück“, freut sich Schönlebe. Auch für einen Berufsmusiker ist schließlich nicht jeder Arbeitstag Wunschkonzert. Und trotzdem hätte sich Schönlebe keinen besseren Beruf vorstellen können. Seit 44 Jahren. Wenn Essens dienstältester Philharmoniker nach dieser Spielzeit also in den Ruhestand geht, verabschiedet sich damit auch jemand, der die Entwicklung des Orchesters und seiner wechselnden Spielstätten so lange und intensiv verfolgt hat wie wenige.

Es hat Höhen und Tiefen gegeben in 44 Jahren, aber es gibt zum Abschied wohl kein besseres Resümee als dieses: „Ich gehe weg und alles ist besser als zuvor. Diese Entwicklung ist der schönste Erfolg.“

„Die Wertschätzung für das Orchester ist heute eine andere“

An seinen ersten Arbeitstag kann sich der Flötist noch gut erinnern. „Es war der 3. November 1971, eine Probe zu „Fra Diavolo, das kannte ich Gott sei Dank“. Und dann fallen Schönlebe, der mehr als 20 Jahre zum Orchestervorstand gehörte, viele Geschichten und Anekdoten ein, die nicht immer nur von der Suche nach Einklang und Harmonie erzählen, sondern auch von politischen (Orchester-)Grabenkämpfen, von einschneidenden Struktur-Veränderungen und historischen Momenten wie der Einweihung des Aalto-Theaters in den 80ern und dem Umbau des Saalbaus zur neuen Philharmonie: „Dieses Ensemble ist doch einmalig, ein Traum.“

Das Engagement habe sich gelohnt, findet Schönlebe: „Die Wertschätzung für das Orchester ist heute eine andere. Die Essener Philharmoniker sind eine anerkannte Institution.“ Gerade in so einem Beruf sei das Gefühl, für die Stadt, die Allgemeinheit bedeutend zu sein, wichtig. „Deshalb wollte ich auch immer in ein A-Orchester“, lächelt der 65-Jährige: „Entweder richtig oder gar nicht.“

„Die Lokomotive läuft ja noch“

Schon sein Vater war Berufsmusiker im Solinger Orchester, Schönlebe hat in Köln studiert und schon vor dem Examen bei den Essener Philharmoniker begonnen. Es wurde eine Anstellung auf Lebenszeit, aber keine, bei der man sich auf seine Erfahrung zurückziehen kann: „Man lernt bis zum letzten Tag“, sagt Schönlebe. Vor kurzem hat er sich alte Aufnahmen angehört. Bruckners 8. Sinfonie als WDR-Konzert. Keine schlechte Einspielung und doch hat er festgestellt: „Mit dem damaligen Stil würde ich heute rausfallen.“

Die neuen Anforderungen, die Anspannung, das Auf-den-Punkt-Präsentsein, das empfindet Schönlebe bis heute immer noch positiv. Deshalb ist in den vergangenen Wochen schon mal Wehmut aufgekommen, „wenn das Stück toll ist, die Aufführung und die Resonanz des Publikums. Weil die Lokomotive ja noch läuft.“

Den Motor wird er umstellen müssen. Schon seit ein paar Jahren greift der fingerfertige Musiker in der Freizeit zu anderem Werkzeug und restauriert Oldtimer. So wird Schönlebe in Zukunft wohl eher Blaumann statt Frack tragen, ein nostalgischer Freizeit-Musiker will er nicht werden. „Mit den Kollegen hatte ich immer die Gewähr, alles rauszuholen. Wenn Sie das als Hobby machen, ist der Druck raus. Dann, hat Schönlebe beschlossen „stehe ich lieber in der Werkstatt statt schlechte Flöten-Mucke zu machen.“