Er sagt, wo's langgeht
11.03.2008 | 19:46 Uhr 2008-03-11T19:46:14+0100KARSTADT II. Der US-Architekt Kevin Roche hat die Warenpräsentation im neuen Haus gestaltet. Er kennt ihn, den globalen Kaufhaus-Kunden.
Bis Ende September sollen neben Essen drei weitere Karstadt-Häuser (u.a. Duisburg) komplett umgestaltet werden, 19 weitere Filialen werden zum größten Teil umgebaut.Wo ist die Toilette? Gute Frage. Wer die in einem Warenhaus für zweitrangigen Pipifax hält, der hat so gar nichts verstanden von dem Versuch, König Kunde beim Einkaufserlebnis den Wunsch von den Augen abzulesen. Denn wer vom Hut bis zum Schuh, von der Weltreise bis zum Schokoosterhasen, von der Bratpfanne bis zum Duft-Flakon jeden Bedarf erfüllt, der muss selbstredend den menschlichen Bedürfnissen Tribut zollen.
Also gibt es künftig bei den Karstadt-Umkleiden auch Toiletten. Und keine Umzieh-Hucken, sondern breite Kabinen, weil, so sagt Kevin Roche, die Wertschätzung des Kunden nicht da aufhören darf, wo der die Ware einmal unter den Arm geklemmt hat.
Mehr Platz! Mehr Licht! Mehr überschaubare Räume statt dieser kompletten Etagen-Tiefe! Vielleicht brauchte es diesen freundlichen Architekten aus San Francisco, um Karstadt den Spiegel vorzuhalten, was falsch läuft im Warenhaus-Alltag. Roche hat die Erfahrung, war Mitgründer der RYA Designberatung, baute FRCH Design Worldwide auf, gestaltete die Kaufhäuser von Macy's, beriet Calvin Klein und Nike, Disney und Eddie Bauer, war auf allen Kontinenten aktiv und hält den Kunden für eine globale Gestalt.
Für jemanden, dem man in Deutschland keine anderen Laufwege durchs Kaufhaus bahnen muss, als in den USA oder Korea, Italien oder Australien. Einen Zwei-Jahres-Vertrag erhielt Roche, um Karstadt seine Ideen der Warenpräsentation und der Laufwege nahezubringen. "Das war nicht immer einfach", räumt er ein, dabei hat er es doch hinbekommen, zehn Prozent mehr Platz für Kundenwege freizuräumen, obwohl nur ein Prozent an Verkaufsfläche verloren ging.
Roche verteidigt das: "Nicht durch m e h r, sondern durch b e s s e r g e s t a l t e t e Quadratmeter gibt es mehr Umsatz. Und jetzt gibt es in diesem Haus keinen schlechten Platz mehr." In der Tat verliert sich die Kundschaft nicht (mehr) in unendlicher Weite, sondern findet sich in überschaubaren Sortiments-Kategorien wieder. Externe Markenware liegt gleichberechtigt neben hauseigenen Marken, der Hintergrund bleibt weiß und damit neutral wie eine Leinwand. Kleine Zwischenwände schaffen zudem mehr Möglichkeiten, Ware zu präsentieren, der Zugang wird einfacher.
Dazu zeigen elektronische Etagenpläne und 50 Werbemonitore auf den vier Ebenen, was wo zu finden und was angesagt ist. Und? Zufrieden, Herr Roche? Der nickt und kommentiert den Einwurf, das sehe ja hier aus wie bei der US-Kette Macy's mit diesem Spruch: "Die haben insgesamt 900 Läden. Aber die wenigsten sind so gut wie dieser hier." Sieh an.SEIT 1894 AM PLATZ1894 - Theodor Althoff eröffnet sein Geschäft an der Limbecker Straße 56.
1895 - Neue, größere Geschäftsräume müssen her - an der Limbecker Straße, Ecke III. Hagen.
1903 - Auf gleichem Grundstück wird ein Kaufhaus errichtet und durch Zukäufe vergrößert.
1912 - Das damals größte westdeutsche "Provinzialwarenhaus" mit 10 000 qm Verkaufsfläche wird an der heutigen Stelle am Limbecker Platz eröffnet. Der Volksmund tauft das Haus nach Plänen von Wilhelm Kreis zur "Warenburg".
1931 - Die Verkaufsfläche steigt auf 18 400 qm.
1943/44 - Bombentreffer zerstören große Teile des Kaufhauses, doch während aller Kriegsjahre läuft der Verkauf - wenn auch notdürftig organisiert - weiter.
1948 - Das Erdgeschoss wird mit 1900 qm Verkaufsfläche "wiedereröffnet".
1950 bis 1969 - Das Haus wird Sitz der Hauptverwaltung der Karstadt AG.
1954 - Ausbau auf 9200 qm Verkaufsfläche 1959 - Erweiterung an der Friedrich-Ebert-Straße auf rund 12 000 qm 1963 - Umfirmierung in Karstadt 1970 bis 1972 - Umbau, Modernisierung und Erweiterung auf 22 000 qm.
2006 - Baubeginn Einkaufszentrum Limbecker Platz.
13. März 2008 - Eröffnung des neuen Karstadt-Hauses.
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