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Entsorgungsbetriebe Essen investieren eine halbe Million Euro in den Winterdienst

26.10.2012 | 19:04 Uhr
Entsorgungsbetriebe Essen investieren eine halbe Million Euro in den Winterdienst
Die neue Salzlagerhalle der EBE an der Pferdebahnstraße: Rund 3.800 Tonnen Salz lagern hier für den aufziehenden Winter.Foto: Armin Thiemer

Essen.   Die Entsorgungsbetriebe Essen haben eine halbe Million Euro in den Winterdienst investiert: für 6.000 Tonnen Salz, eine neue Lagerhalle, diverse Sole-Tanks – und ein modernes elektronisches Streuplan-Pilotsystem. Durch diesen Winterschlachtplan soll Essen für den Winter gerüstet sein.

Essen kennt die Ruhrhöhen, die Schurenbachhalde im Norden – neuerdings gibt es dazu den 3800-Tonnen-Salzberg an der Pferdebahn. Das hat vor allem mit dem ungewohnt schnee- und frostreichen Jahreswechsel vor zwei Jahren zu tun, der den Winterdienst der Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) rasch an seine Grenzen führte und sämtliche Salzvorräte deutlich schneller schmelzen ließ als die Schnee- und Eisdecken auf Essens Straßen. Das soll der städtischen Tochter nicht wieder passieren: Und so präsentierten gestern EBE-Chef Klaus Kunze und Essens OB Reinhard Paß den kompletten Winterschlachtplan für den Fall, dass es in Essen in diesem Winter tatsächlich nennenswert schneien sollte. Es ist ein Masterplan, der die EBE immerhin rund eine halbe Million Euro gekostet hat, um im Ernstfall, nein, nicht jede Flocke persönlich zu betreuen, aber ihr doch erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken.

200 Mitarbeiter und 24 Fahrzeuge

Über 200 Mitarbeiter und 24 Fahrzeuge stehen für die in 34 Streuplänen aufgeteilten 1.177 Fahrkilometer der wichtigen A-Routen und der 293 Fahrkilometer der etwas weniger wichtigen B-Routen zur Verfügung. Dabei können sie auf die 3.800 Tonnen in der Salzhalle, dazu 1200 Tonnen Salz in den Silos an der Pferdebahn, 500 Tonnen an der Elisenstraße und 150 weitere in Werden zurückgreifen. Rund 110.000 Liter Sole warten zudem in den Tanks an der EBE-Zentrale, weitere 30.000 in Werden, wo dieser Tage der letzte Silo aufgestellt wird.

Damit nicht genug, setzt die EBE mit einem „elektronischen Pilot“ neue Maßstäbe: Ein akustisches Routenführungssystem, „Autologic“ genannt, führt künftig den Fahrer über die Streu-Strecke und regelt automatisch den Salz- oder Soleeinsatz, die Streu-Breite und -Menge. Die lästige Einstellarbeit per Hand wird überflüssig. Die Technik hat sich in Holland bewährt, extra für den Einsatz in Essen ist die EBE im Sommer alle Streupläne abgefahren und hat sie über GPS-Koordinaten metergenau ins System eingegeben. Der Routenverlauf wird dem Fahrer über einen kleinen Monitor angezeigt, das bringt erhebliche Erleichterung für den EBE-Mann, der bisher auf die gedruckten Pläne auf dem Beifahrersitz schielen musste, sich nun voll auf Straßenbelag und Verkehr konzentrieren kann.

Chipkarte „Winterlogic“

Dazu dokumentiert die Chipkarte „Winterlogic“ sämtliche gefahrenen Kilometer und gestreuten Salzmengen, um im Frühjahr mit der Stadt grammgenau abrechnen zu können. Es dürfte aber auch die Beweisführung erleichtern, sollte ein Bürger klagen, bei ihm sei nicht gestreut worden. Bei der Winterdienstvorbereitung eigentlich fast unmöglich.

Hans-Karl Reintjens



Kommentare
27.10.2012
01:33
Reiner Alibiaktivismus
von Seraquael | #5

Wenn dann nach dem nächsten strengen Winter die Bürger wieder aufzeigen, dass statt vernünftig geräumt wieder nur Sole versprüht wurde und außer den Einfahrten der Bessergestellten in Stadtwald und Kettwig keine B-Strecken abgearbeitet wurden und die Leute im Norden wieder Schlittschuh oder Langlaufski fahren mussten (ich bin vor zwei Jahren in Stoppenberg ohne Schneeschuhe nicht mal die Essener Straße hochgekommen, die Tram hatte schon Am Freistein schlapp gemacht) kann die EBE wenigstens sagen sie hätten alles menschenmögliche getan.

Und die Stadt hat nach der ungerechtfertigten weil ohne vernünftige Gegenleistung gestellten saftigen Rechung eine Ausrede die Räumungsabgabe für alle bei denen mal wieder nichts passiert ist kräftig zu erhöhen. Denn geschickterweise steht ja in der Stadtverordnung: Man muss zwar zahlen aber ein Anrecht auf Räumung hat man nicht.

Dat ham se aba mal wieda geschickt eingefädelt.

26.10.2012
21:34
Entsorgungsbetriebe Essen investieren eine halbe Million Euro in den Winterdienst
von Formeleins | #4

Die Fahrer können nicht mit scharfer Kante fahren, da die Räumschilder aus Plastik sind, damit 10 Gramm mehr Salz mitgenommen werden können. Anstatt sich in Holland kundig zu machen, hätte man lieber mal dahin fahren sollen, wo richtig Schnee liegt.

26.10.2012
21:00
Entsorgungsbetriebe Essen investieren eine halbe Million Euro in den Winterdienst
von sidewinderdxii | #3

Wenn die EBE, die Fahrer mal dazu anhalten würde, statt die Straße nur zu pökeln auch den Räumschild zu benutzen, würde weniger Salz benötigt werden. Aber nein, stattdessen wird Tonnenweise Salz auf die Straßen geschüttet und sich nachher gewundert, wo die dicke Eisschicht herkommt. Den Fahrern, mache ich da keinen Vorwurf, es sind die Entscheider, die zugunsten des Lärmschutzes, anordnen den Räumschild nicht zu benutzen.

26.10.2012
20:59
Entsorgungsbetriebe Essen investieren eine halbe Million Euro in den Winterdienst
von alex111 | #2

Beim letzten Winter hatten wir ja Glück gehabt das er so milde gewesen ist, denn das Salz war letztes Jahr total verklumpt, so dass es gar nicht durch den Streuwagen auf die Straßen gelangt wäre. Weil Geiz ist ja Geil, oder zu früh vom falschen Lieferanten gekauft?

26.10.2012
19:18
Eine Halle für einen Salzberg
von ralfh2 | #1

Die immensen Salzkäufe, bedingt durch den schneereichen Winter vor zwei Jahre, führten zu einer Erhöhung der Grundbesitzabgaben. Winterdienst A für 2011 18,75, für 2012 58,35. Ich hatte mich eigentlich schon auf eine Senkung für die nächste Veranlagung gefreut, da die Salzlager übervoll sind. Stattdessen wird, nur um bloss nicht die Gebühren zu senken, wieder in irgendetwas investiert. Es würde mich nicht wundern wenn diese Investitionen zu einer erneuteten Erhöhung der Grundbesitzabgaben führen würden.

1 Antwort
Bürger
von Erbeck1 | #1-1

Der Bürger ist allgemein viel zu ruhig und hinterfragt zu wenig . Diese Paniknummer beruht in der Tat wohl auf 2010/11 und das gilt auch für viele Privathaushalte mit den Räumnummern .

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