Englisch-Kurs lernt seit 25 Jahren gemeinsam in Essen

Zum 25-jährigen Jubiläum fährt der Englischkurs um Christine Preu (2. von links) ins Theater.
Zum 25-jährigen Jubiläum fährt der Englischkurs um Christine Preu (2. von links) ins Theater.
Foto: Preu
Was wir bereits wissen
Für zehn Krayer Bürger ist ihr Fremdsprachen-Kurs mehr als nur Grammatik und Vokabeln

Essen.. „Sorry, I do not understand German“, klärt Christine Preu (65) ihre Kursteilnehmer auf. Das ist natürlich eine glatte Lüge – die Schottin spricht sogar sehr gut Deutsch. Das wissen auch die zehn Englisch-Schüler, immerhin belegen sie den Englisch Kurs bereits seit 25 Jahren. Aber so gibt Preu ihren Teilnehmern zu verstehen, dass sie Englisch sprechen sollen.

Als Anfänger kamen zehn Personen vor 25 Jahren in den Kurs des katholischen Bildungswerkes. „Mein Sohn hat damals die Schule gewechselt und ich nahm das zum Anlass, Englisch zu lernen“, sagt Dagmar Heiderich (66). Sie ist seit anfang an dabei – wie zwei weitere Frauen. Es gab auch ein wenig Fluktuation unter den Teilnehmern, aber das sei kein Problem für Neulinge. „Ich habe mich von anfang an willkommen gefühlt. Man wird integriert“, sagt Petra Bonhaus, die nun auch schon seit zehn Jahren dabei ist. Monika Wecking (69) konnte den Kurs nicht ganz vergessen: „Ich hab zehn Jahre ausgesetzt, da ich gearbeitet habe. Dann ging ich in Rente und bin jetzt wieder mit vollem Eifer dabei.“ Sie wollte ihre freie Zeit sinnvoll nutzen und ihr Englisch verbessern. Dafür kam für sie nur ihre alte Gruppe in Frage.

Mehr als nur Grammatik pauken

Denn der Kurs ist mehr als nur Grammatik pauken. Die anderen Teilnehmer sind zu guten Freunden geworden. „Wenn jemand nicht zum Lernen kommt, fragen wir auch nach, ob es Probleme gibt und wie wir helfen können“, erklärt Heiderich. Auch Petra Bonhaus (62) schätzt die gute Stimmung und den Zusammenhalt: „Wenn jemand im Krankenhaus liegt, kaufen wir für die Heimkehr der Person ein“, erklärt Bonhaus.

Der besondere Zusammenhalt entstand durch die vielen gemeinsamen Reisen – so ging es zuerst auf Wochenend-Touren nach Riedberg oder Stockum. „Dann hat uns Christine gesagt, wenn wir fünf Jahre durchhalten, fahren wir nach London – und hat nach fünf Jahren Wort gehalten“, sagt Gabriele Hahn (63). Es folgten viele weitere Reisen, unter anderem nach New York und zum ersten Referendung nach Schottland. „Wir haben Tony Blair gesehen, als verkündet wurde, dass es ein schottisches Parlament geben wird“, nennt Christine Preu ein Highlight aus 25 Jahren. Sie unterrichtet mehrere Kurse, aber dieser ist ihr besonders ans Herz gewachsen. „Die Teilnehmer sind zu Freunden geworden. Daher habe ich nie ans Aufhören gedacht“, erklärt Preu.

Zum Referendum nach Schottland

Jetzt sprechen die Teilnehmer alle auf B2 Niveau – gut genug, um im Alltag zurecht zu kommen. Aber immer noch nicht perfekt „Man lernt ja immer hinzu“, erklärt die Kursleiterin. „Außerdem kommt es darauf ja nicht an“, sagt Gabriele Hahn. Wichtiger sei eine gute Stimmung im Kurs. So bräuchte niemand Angst haben, belächelt zu werden, wenn er etwas nicht versteht oder falsch ausspricht. Hahn möchte sich einfach nur verständigen können – und das gelingt ihr auch mit perfektem Oxford-Englisch Akzent.

Gefeiert wird das Jubiläum aber nicht nur mit einem Sekt-Frühstück, es geht außerdem ins Theater – Shakespeare natürlich – und mit den Ehemaligen Essen. Und die nächste Reise? „Vielleicht nach London...“ schlägt eine Teilnehmerin vor.