Elvis kam bis Rüttenscheid

Glückliche Margrit! Da stand sie nun in der Schlange vor der Grugahallen-Kasse, zückte ihre sechs D-Mark aus der Tasche und hielt wenig später ihr Show-Ticket für die zweite Löwen-Verleihung von RTL in der Hand.

Auf wen sie sich wohl am meisten freute? Auf die Nilsen Brothers und „Tom Dooley“? Auf Cornelia Froboess und ihr „I love you Baby“? Oder auf Peter Kraus, diesen blonden Rock’n’Roll-Feger, der sich kieksend dem „Sugar Baby“ an den Hals warf?

So oder so, der schmale Kerl, der ihr da neben dem Schmetterlingsbau ins Auge fiel, stahl sowieso allen die Show und seinen Nachahmern gleich dreimal: ER war da. Elvis Presley. „The King“. Vorbild für alle Hüftwackler und Oberlippen-Hochzieher auf diesem Planeten und eigentlich gekommen, um zu beobachten, welche Publikums-Aufnahmen der Filmproduktionsfirma Paramount da wohl gelangen, um sie hernach in den Film „G.I. Blues“ einzubauen.

Blöd nur: Elvis hatte sich um einen Tag vertan, kam zu den Bühnen-Proben, statt zur eigentlich Show am 30. April, und die fand naturgemäß ohne kreischenden Jubel statt. Also zog der uniformierte Rock’n’Roller, der mit Fahrer in Rüttenscheid aufgekreuzt war, unverrichteter Dinge wieder ab – natürlich nicht, ohne Margrit und einige andere mit einem Autogramm zu bedenken. Heute würde man wohl ein „Selfie“ mit dem Smartphone machen, dann gäbe es – mit der Grugahalle im Hintergrund – den unumstößlichen Fotobeweis von Elvis in Essen, bei dem Oskar Hentschel leider passen muss: „Nein, einen 100-prozentigen Beleg können wir leider nicht beibringen.“

An der Echtheit des Autogramms aber, bei dem auf der Vorderseite noch der Name von Elvis’ Fahrer prangt und auf der Rückseite Ort und Datum – hat der 68-jährige Gelsenkirchener Elvis-Experte, der mit zwei Mitstreitern zu d e n deutschen Kennern des „King“ gehört, keinen Zweifel.

Das ist deshalb nicht unwichtig, weil Unterschrift nicht Unterschrift ist: Es gibt Sekretärinnen-Unterschriften und Fahrer-Unterschriften, selbstgemachte und solche per Stempel, aber die Essener Signatur ist echt Elvisschen Ursprungs, „das ist verbrieft“, sagt Hentschel, und wen es denn für die Revier-Geschichtsschreibung interessiert: Es ist aus keiner anderen Ruhrgebiets-Stadt überliefert, dass Elvis dort Station gemacht hätte.

Wer das Dokument mal in Natura sehen will, hat dazu womöglich in absehbarer Zeit Gelegenheit: Mit einer umfangreichen Ausstellung von Elvis-Memorabilia wollen Hentschel und Co. demnächst nach Düsseldorf, Gronau, Hannover und Breda, anschließend in Essen Station machen.

Dass man bis dahin noch ein Foto aufspürt, mag Hentschel gar nicht ausschließen: Gerade der Rummel rund um Elvis 80. Geburtstag hat die Sammler in Kontakt mit vielen Fans gebracht. Und da gilt: „Man soll nie nie sagen...“