Das aktuelle Wetter Essen 7°C
Familien

Eltern wünschen sich mehr Zeit für Kinder

30.10.2011 | 17:40 Uhr
Eltern wünschen sich mehr Zeit für Kinder
Anna Mishin und ihr Mann Alexander würden gern mehr Zeit mit ihrem siebenjährigen Sohn Alexander verbringen. Foto: Torsten Leukert / WAZ FotoPool.

Essen. Der Familienbericht, den Experten jetzt der Bundesregierung vorlegten, zeigt: Eltern wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder, nähmen dafür auch Gehaltseinbußen hin. Nun gilt: „Wissen heißt handeln.“ Doch können Bund, Land, Kommunen überhaupt am Faktor Zeit schrauben?

Alexander Mishin, Vater zweier Kinder (7 und 17 Jahre) bezweifelt das. „Das Problem kann nur durch andere Arbeitszeiten gelöst werden.“ Den Vorschlag der Experten, Kitas länger zu öffnen, mehr Ganztagsschulen einzurichten, findet er absurd. „Es geht doch darum, dass ich mehr Zeit mit den Kindern verbringen will und nicht ein Betreuer.“ Anna und Alexander Mishin sind sich einig: Weniger Gehalt ist akzeptabel – wenn dafür unter dem Strich mehr Familienzeit herausspringt. Ob Essen eine kinderfreundliche Stadt ist? „Es gibt zu wenig Parks und Spielplätze und zu wenig Freizeitangebote für Jugendliche.“

Mehr Verständnis für Großfamilien: Michael und Heike Weidenfäller mit ihren Töchtern Rebecca (4), Katharina (7) und Christin (11).

Forderungen, die nicht über die Bundesregierung gelöst werden können, sondern nur in der Kommune. Ebenso die Forderungen von Heike und Michael Weidenfäller. Drei Kinder hat das Ehepaar (4, 7 und 11 Jahre). „Damit liegen wir über der Norm“, sagt Heike Weidenfäller, und das bedeute, dass Familienvergünstigungen oft tabu sind, gelten Ermäßigungen doch häufig nur für je zwei Erwachsene und zwei Kinder. „Für größere Familien müsste mehr getan werden.“ Noch ein Wunsch: „Ein Hallenbad mit Sportschwimmbecken, das am Tag für Familien öffnet.“

Auf ein zweites Einkommen verzichtet die Familie bewusst. „Wir haben uns für die traditionelle Rollenverteilung entschieden“, sagt Michael Weidenfäller. Er verdient das Geld, während seine Frau die Kinder betreut. „Bei drei Kindern ist das kaum anders machbar.“ Auf eine Ganztagsbetreuung wollen sie nicht setzen. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei so großen Gruppen jedes Kind individuell gefördert werden kann“, sagt Heike Weidenfäller. Auf Gehalt verzichten könnte die Familie damit nicht – obwohl auch Michael Weidenfäller gern mehr Zeit mit seinen Töchtern verbringen würde: „Aber das wird nur mit einem flexiblen Arbeitszeitmodell funktionieren.“

Nicht verheiratete Eltern finanziell entlasten: Vater Sasche Größchen mit Nina Böckler und Sohn Connor.

Sascha Größchen und seine Lebensgefährtin Nina Böckler sind seit sieben Wochen Eltern. Eineinhalb Jahre will die Mutter zu Hause bleiben, „danach werde ich wieder Geld verdienen müssen.“ Sie setzt auf Großeltern, eventuell soll eine Tagesmutter sie unterstützten. Flexible Arbeitszeiten würden sich die jungen Eltern wünschen – eine Ganztagsbetreuung streben sie für ihren Sohn zunächst nicht an. „Wichtig ist, dass wir Zeit mit ihm verbringen.“ Wünsche? „Mehr Unterstützung für unverheiratete Paare.“ Der Geburtsvorbereitungskurs etwa werde nur Ehepaaren von den Krankenkassen gezahlt.

Eltern im Zeitdruck

Seit Freitag liegt der neue Familienbericht der Bundesregierung vor. Demnach beklagen 63 Prozent der Väter und 37 der Mütter, zu wenig Zeit für ihre minderjährigen Kinder zu haben.

So sind die Bedürfnisse von Familie zu Familie verschieden. Insgesamt: Mehr Zeit für Kinder wünschen sich die Eltern. Für die Umsetzung sind Chefs gefragt, nicht die Politik.

Claudia Pospieszny

Facebook
 
Kommentare
31.10.2011
19:57
Die Zeit und das Geld
von sprichdichaus | #1

Eines ist sicher, Eintritt für Schwimmbäder könnten schon schon Familiengerechter sein, Spielplätze und Grünflächen gibt es schon , meist mehr oder weniger frequentiert doch leider schon mal mit einem längeren Fußmarsch verbunden den wiederum viele scheuen.Das man mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen möchte dürfte schon ein Traum von Generationen Eltern sein. Hinderte die 48 Stundenwoche Papa in den fünfziger Jahren daran mehr Zeit für die Kinder zu haben war aber Muttern zu Haus und kümmerte sich um den Nachwuchs . Die Zeiten haben sich gewandelt und so sind heute viele Mütter auch berufstätig da das Leben teurer geworden ist, oder hohe finanzielle Belastungen durch Eigentumserwerb oder überhöhten Lebensstandart die Haushaltskasse beuteln. Ob hier mehr finanzielle Förderung oder berufliche Freistellungen eine dauerhafte Verbesserung bringen ist anzuzweifeln - denn der Ruf nach mehr ist gewiss.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6032272/create

Umfrage
Die Stadt Essen geht konsequent gegen Schwänzer vor. Fehlen Schüler unentschuldigt, werden die Eltern oder die Schule selbst zur Kasse gebeten - mit beachtlichem Erfolg. Was halten Sie davon?

Die Stadt Essen geht konsequent gegen Schwänzer vor. Fehlen Schüler unentschuldigt, werden die Eltern oder die Schule selbst zur Kasse gebeten - mit beachtlichem Erfolg. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Kettwig von oben
Bildgalerie
aus der Luft
Essen aus der Luft
Bildgalerie
Luftbilder
Parade und     Zapfenstreich
Bildgalerie
Werdener Schützenzug
Konferenzsaal auf sechs Rädern
Bildgalerie
EVAG Alphaliner
Aus dem Ressort
Messebauer sind „‘ne besondere Sorte Mäuse“
100 Jahre Messe Essen
Am Mittwochmorgen sah es in Halle 1 noch so aus wie es in Messehallen eben aussieht: nackter Boden, kahle Wände, hohe Decken und viel Luft. 5000 Quadratmeter blanke Stellfläche. 36 Stunden später hat ein Großteil der Fläche eine wundersame Wandlung erfahren. Aus der tristen Halle ist eine bunte...
Sanha sammelt 25 Millionen an der Börse ein
Unternehmensanleihe
Erfolgreiche Anleihe: Der Essener Rohrleitungsspezialist Sanha hat bereits am ersten Tag das gesetzte Ziel erreicht. Die Platzierung des Wertpapiers brachte dem Unternehmen 25 Millionen Euro ein. Wegen der großen Nachfrage musste die Zeichnungsfrist sogar vorzeitig beendet werden.