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NRZ-Bürgerbarometer 2012

Einzelhandel hat keine Angst vor dem Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen

13.10.2012 | 10:00 Uhr
Einzelhandel hat keine Angst vor dem Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen
Foto: Frank Vinken

Essen.   Beim NRZ-Bürgerbarometer äußern 45 %, das Einkaufszentrum Limbecker Platz wirke negativ auf die Innenstadt. Klingt viel, doch vor zwei Jahren lag der Wert deutlich höher – und auch die Kaufmannschaft gibt Entwarnung. Aber es gibt einen Verlierer der Innenstadtentwicklung: der Einzelhandel in den Stadtteilen.

Der böse Riese gegen die schutzlosen Kleinen? Die ganze Wucht des Kapitals gegen aufopferungsvolle Krämer? Wenn es um die Auswirkungen des riesigen Einkaufszentrums am Limbecker Platz geht, bringen sie beim Center gern die Tüten gegen die Mythen in Stellung: Auf der Kettwiger Straße, so heißt es dann, sieht man genügend Passanten mit Plastiktüten von Karstadt, und im Kauf-Koloss ebenso viele Leute mit den Papiertaschen von Primark . Der Austausch zwischen Center und City, er funktioniere also. „Wo liegt das Problem?“

Es gibt eines. Der Shopping-Tempel und seine Folgen – das ist in der öffentlichen Wahrnehmung offenbar auch drei Jahre nach der Eröffnung des Kauf-Kolosses in seiner vollen Ausdehnung ein ewiger Kampf zwischen Verstand und Gefühl. „Wie hat sich das Einkaufszentrum Ihrer Meinung nach auf die übrige Innenstadt ausgewirkt?“ – So fragte die NRZ in ihrem repräsentativen Bürgerbarometer 521 zufällig ausgewählte Essener Bürger, und die Antwort hält eine gute und eine schlechte Nachricht parat, egal, auf welcher (Meinungs-)Seite man steht.

City und Center
City und Center

Rund 700 Geschäfte zählt die Essener Innenstadt, etwa 200 davon finden sich im Einkaufszentrum am Limbecker Platz, das im März 2008 ungefähr zur Hälfte und im Oktober 2009 dann komplett öffnete.

Umsatzzahlen gibt Betreiber ECE nicht preis, mehr als ein „Wir sind zufrieden“, lässt sich Center-Managerin Victoria Esser nicht entlocken. Im Jahresschnitt zählt der Kauf-Gigant 50.000 Besucher pro Tag, den Rekord bescherte der zweite Adventssamstag 2011 mit 110.000 Besuchern.

Die Verkaufsfläche von 73.928 Quadratmetern ist derzeit zu 100 Prozent ausgebucht, die Mieterträge liegen bei rund 22,5 Millionen Euro im Jahr.

Eigentümer des Centers ist neben dem Hamburger Projektentwickler und Center-Betreiber ECE zu mittlerweile 85 Prozent der Immobilienfonds „UniImmo: Europa“ bzw. dessen Anteilseigner. Dieser Anteil macht 2,12 Prozent des Fondsvermögens in Höhe von 7,78 Milliarden Euro aus, zu dem Bürokomplexe und Einkaufszentren zwischen Barcelona und Washington, Kuala Lumpur und London gehören. Mittendrin: Essen.

Denn immerhin 45 Prozent der Befragten halten die Auswirkungen des Centers für „eher“ oder sogar „sehr negativ“ (siehe Balkendiagramm). Dagegen stehen 22 Prozent, die „eher“ oder „sehr positive“ Auswirkungen erkannt haben wollen. 28 Prozent zucken mit den Achseln („weiß nicht“) oder sehen „keine Auswirkungen“. Dabei äußern übrigens mehr Frauen als Männer harsche Kritik und eher ältere als jüngere Kunden. Seine besondere Spannung bezieht dieses Ergebnis aber vor allem, wenn man es mit dem NRZ-Bürgerbarometer von vor zweieinhalb Jahren vergleicht. Wenige Monate nach der Kompletteröffnung hatten damals noch 73 Prozent der Befragten negative Auswirkungen erwartet. Alles halb so wild also? Erweist sich der Einkaufs-Gigant am nordwestlichen Rand der Innenstadt als eine Art Scheinriese wie bei Jim Knopf – ein angsteinflößender Koloss, der umso weniger groß und bedrohlich wirkt, je näher man ihm kommt?

„Ich habe ein gutes Gefühl“

Jürgen Bessel jedenfalls fühlt sich durch die bemerkenswert deutlich geschrumpfte Kritik am Kauf-Tempel „sehr bestätigt“: „Ich habe immer gesagt: Das Einkaufszentrum wird die Innenstadt aufwerten und deshalb ein Gewinn für Essen sein“, betont der Vorsitzende des hiesigen Einzelhandelsverbandes – und kann sich noch gut daran erinnern, „wie ich für solche Äußerungen früher verbal verprügelt worden bin“.

Dabei verkennt Bessel keineswegs die Durststrecke, die vor allem die Kaufmannschaft auf der Kettwiger Straße hinter sich gebracht hat: Da gab es eine deutliche Delle, keine Frage, und „die Kettwiger hat noch immer ein Problem“. Aber die Zahl der Telefon- oder Billigläden nehme inzwischen wieder deutlich ab, die der Fachgeschäfte zu. „Ich habe ein gutes Gefühl.“

Schützenhilfe bekommt der Chef der Kaufmannschaft aus der Szene der Immobilienmakler wie etwa von der Engel & Völkers Commercial GmbH: Die Haupteinkaufsstraßen der Essener Innenstadt, so schreiben die Hamburger dieser Tage aus Anlass ihrer jüngsten Frequenzzählung, hätten in den vergangenen Jahren „ein wenig ihres ehemals glanzvollen Erscheinungsbildes verloren“. Doch im Nachgang sei festzuhalten, dass sie „nicht zuletzt Dank des neuen Shopping-Centers eine neue Attraktivität gewonnen haben“. Für zahlreiche Besucher dort gehöre ein Abstecher in die Innenstadt „mittlerweile zum Shopping-Erlebnis“, auch und gerade bei den jungen Leuten.

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Kommentare
16.10.2012
10:53
EinkaufsstadtWo | #1 (...)...Ich rede mir die Welt, wie sie mir gefällt....(...)
von michelino | #5

Wer um Glashaus sitzt. Es ist völlig egal, im welchen Preissegment die Geschäfte ihre Ware anbieten oder wann sie eröffnet haben. Fakt ist, daß viele...
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2012-10-13 10:00
Limbecker Platz, Einkaufszentrum, Essen, Einzelhandel, NRZ-Bürgerbarometer
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