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Einsatz in China
20.11.2009 | 15:42 Uhr 2009-11-20T15:42:00+0100Professor Dr. Wolfgang Senf engagiert sich im Erdbebengebiet Sichuan für traumatisierte Menschen.
Leben möchte Prof. Dr. Wolfgang nicht im „Land des Lächelns”, dennoch engagiert er sich seit Jahren leidenschaftlich für die Deutsch-Chinesische Akademie für Psychotherapie. Der Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum, reist immer wieder nach China, um hier Diagnostik und Therapien für traumatisierte Menschen aufzubauen.
Ein Augenblick veränderte ihr Leben: Im Mai vergangenen Jahres verwüstete ein schweres Erdbeben die chinesische Provinz Sichuan rund 1500 Kilometer südwestlich von Peking, brachte ganze Straßenzüge, Fabriken und Schulen zum Einsturz. Die Trümmer begruben rund 69 000 Menschen, verletzten 374 000 schwer und machten über 5,8 Millionen obdachlos.
„Noch heute leiden viele der Opfer und Helfer unter teilweise schweren psychischen Störungen durch das Erlebte”, weiß Senf und erzählt von einer Ärztin, die nach dem Erdbeben viele Amputationen durchführen musste. „Die schrecklichen Bilder verfolgen sie bis heute in ihrem Alltag.” Dann ist da die schwangere Mutter, die ihren 18-jährigen Sohn durch das Beben verlor und seither von schweren Schuldgefühlen geplagt wird. So könnte der Mediziner die Beschreibung unzähliger Schicksale fortführen.
„Es ist wichtig, diese schweren seelischen Verletzungen zu erkennen und zu behandeln”, so Senf. Dabei hilft seit Monaten die deutsch-chinesische Kooperation. Bereits ein Jahr vor dem Beben wurden Diagnostik und Behandlung von Trauma-Folgestörungen am 2006 neugegründeten „Wuhan Hospital for Psychotherapy” in Zusammenarbeit mit der Essener Klinik etabliert. Nach dem Beben wurde in der Region selbst ein „Trauma-Zentrum” aufgebaut, in dem chinesische Therapeuten den betroffenen Menschen bis heute helfen.
Wichtigste Grundlage der Diagnostik ist dabei das so genannte „Essener Trauma-Inventar” (ETI) - ein inzwischen in zehn Sprachen übersetzter Fragebogen, in dem sich die Patienten mit ihren Erlebnissen auseinander setzen. Die verschiedenen Symptome werden so erfasst und der Grad der Traumatisierung festgestellt, so dass eine Therapie eingeleitet werden kann. „In einem Forschungsprojekt haben wir die Daten von 1500 Probanden ausgewertet und festgestellt, dass rund 50 Prozent der Betroffenen zumindest eine partielle Trauma-Störung durch das Beben haben", erklärt Senf. Depressive Zustände, Schlafstörungen, Empfindlichkeit gegenüber Erschütterungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit seien die Folgen - und das bis heute.
Das Engagement des Mediziners beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Hilfe für die traumatisierten Opfer des Erdbebens. „Ziel ist grundsätzlich, die moderne Psychotherapie in China zu etablieren”, so Senf. „Denn Krankheiten wie Bulimie, Depressionen oder Schmerzsyndrome wurden als solche bislang nicht anerkannt und auch nicht als behandlungsbedürftig angesehen.” Inzwischen habe man durch das Kooperationsprojekt aber schon viel erreicht. Senf: „Es ist ein Wandel in den bestehenden Strukturen zu beobachten und psychische Erkrankungen werden zunehmend angemessen behandelt."
Erkenntnis aus Forschungsarbeit
„Um eine schwere psychischen Belastung zu überwinden, ist soziale Unterstützung durch Freunde und Angehörige wichtig, sowie ein gesundes Selbstgefühl”, stellt Prof. Wolfgang Senf fest.
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