Einmal um die Stadt Essen mit dem Fahrrad

Verdeckt hinter Wiese und Wald: Essens Oststadt mit seinen Hochhäusern, von Wattenscheid-Sevinghausen aus gesehen.
Verdeckt hinter Wiese und Wald: Essens Oststadt mit seinen Hochhäusern, von Wattenscheid-Sevinghausen aus gesehen.
Foto: MS
Einladung zu einer ganz besonderen Tour: Essen, von seinen zehn Nachbarstädten aus gesehen. Teil 1: Entlang an der Grenze von Gelsenkirchen und Bochum.

Essen.. Diese Radtour beginnt mit einem Problem. Wer sich zwischendurch verfranst auf dem Weg an der Stadtgrenze entlang, wer suchend umherirrt mit dem Rad und von Passanten angesprochen wird: „Wohin wollen Sie denn?“ – Ja, was soll man da sagen? „Einmal rum um die Stadt?“ Wird man wohl für bescheuert erklärt. Also lieber: „Danke, ich komm’ schon klar.“

Diese Reise hat kein Ziel, das ist Reiz und Herausforderung zugleich. Wie man so schön sagt: Der Weg ist das Ziel. Klingt banal, ist aber besonders auf dieser Strecke sehr plausibel. Wir starten die Tour hinter Katernberg, am Revierpark Nienhausen. Radeln durch eine Grünanlage im Stadtteil Gelsenkirchen-Rotthausen, schmale Feldwege, Kleingärten mit erwartbar vielen Schalke-Fahnen. Entgegen alle Vorurteile: In Rotthausen schlummert in verwinkelten Seitenstraßen veritable Bürgerlichkeit, wir sehen Achtziger-Jahre-Traumhäuser in weißem Kalksandstein, doch die volle Härte des nördlichen Ruhrgebiets trifft den Radler dann auf der Achternbergstraße, Ecke Steeler Straße. Ja, in Rotthausen gibt es eine Steeler Straße, so wie die in Essen ist sie mit Baustellen gestraft, doch hier, zwischen Schonnebeck, Kray und Gelsenkirchen, bestimmt schonungslose Tristesse das Bild. Gründerzeitbauten, an denen augenscheinlich nie etwas getan wurde. Backsteinhäuser, die eine Kulisse für Revierfilme der Fünfziger Jahre abgeben könnten – als die Wäsche auf der Leine noch schwarz wurde.

Verkehr und Obstbäume

Als Radler kämpft man sich hier durch eine vernarbte Stadtlandschaft, Setzrisse in den Häusern, vom Bergbau, nur notdürftig verputzt, doch nur drei Ecken weiter kommt man in eine Gegend, die der „Naherholung“ dient, und dieses fürchterliche Wort wird der Schönheit der Landschaft bei weitem nicht gerecht: der Mechtenberg, scharf zwischen Kray, Bochum und Gelsenkirchen gelegen, weite Hügel und frischer Wind, grüne Auen, ein Genuss.

Die Reise geht weiter über Bochumer Gebiet, als ein Grüngürtel endet, stehen wir plötzlich vor einer Lärmschutzwand: Die A40 zerschneidet hier die Felder, die Gegend, in denen sich das Revier eigentlich gibt wie noch vor hundert Jahren, landwirtschaftlich geprägt mit alten Obstbäumen und Pferdekoppeln, doch dazwischen donnert der Verkehr. Die Tour führt ein Stück hinterm Parkplatz von „Real“ an der A40 entlang, dies ist Wattenscheid-Sevinghausen, die Surrealität der Szene, Autobahn zwischen Feldern, ist hier besonders intensiv spürbar.

Gutes Fahrrad ist gefragt

Später zeigt Bochum sich ausschließlich von seiner guten Seite, ein einziges, blühendes Rapsfeld in diesen Tagen, hinter einem Gerstenfeld sieht man die Hochhäuser der Essener Oststadt, Freisenbruch ist nicht weit. Es führt sogar direkt eine Straße hin, die in Bochum diesen Namen trägt: Freisenbruch.

Der Weg ist schmal und holprig, gute Bremsen braucht man, denn es geht steil bergab in Richtung Ruhr, in Dahlhausen passieren wir das berühmte Eisenbahnmuseum und sind schon am Fluss. Hier, im Süden, endet das ländliche Bochum, es treffen sich Hattingen und Burgaltendorf, und weil wir hier mitten im Ruhrtal sind, geht es gleich wieder steil bergauf zur nächsten Etappe: Essens Grenze zwischen Hattingen und Velbert. Lesen Sie mehr im Lauf dieser Woche!