Eine Umfrage und die Schwäche des Oberbürgermeisters

Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In einer Meinungsumfrage liegen OB Reinhard Paß (SPD) und Thomas Kufen (CDU) gleich auf. Für den Herausforderer ist das kein schlechtes Omen.

Essen.. Der Herausforderer ließ gestern nicht einen Hauch von Jubelstimmung aufkommen: „Es gilt auch hier: Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Daher einfach weitermachen!“, kommentierte Thomas Kufen kühl aus dem Kurzurlaub heraus die Ergebnisse einer Forsa-Umfrage. Man darf vermuten, dass in Wahrheit ein wenig mehr Freude aufgekommen ist. Durchaus zu Recht. 31 Prozent für Reinhard Paß und 31 Prozent für Kufen – bei aller Ungenauigkeit, die auch repräsentative Umfragen immer haben, ist das für den CDU-Mann kein schlechtes Omen.

Wahl-Umfrage Umgekehrt untermauert diese Zahl, was seit Jahren zumindest als Bauchgefühl offenkundig war: Reinhard Paß hat es nicht vermocht, so etwas wie einen breiten Amtsbonus aufzubauen. Mancher mag die destruktive SPD dafür verantwortlich machen, und das war gewiss ein Faktor. Für einen OB ist aber nicht unbedingt kriegsentscheidend, ob ihn seine Partei mag. Es gibt sogar genügend Beispiele von Stadtoberhäuptern, die gerade wegen ihrer dosierten Parteiferne, ihrer Unabhängigkeit und Kraft ihrer Persönlichkeit populär bei den Bürgern wurden. Nur: Genau das ist Paß in den fast sechs OB-Jahren kaum gelungen. Dass er Skandale nicht zeitig als solche erkennen konnte oder wollte, sie vielmehr ungeschickt managte und dass seine Leistungsbilanz insgesamt mäßig ist, hat dann das Übrige getan. 31 Prozent sind so gesehen ein ehrliches Zwischenzeugnis. Wäre Paß nicht Sozialdemokrat, was in Essen aus alter Tradition immer noch mit einem Wähler-Bonus verbunden ist, fiele es womöglich noch schlechter aus.

Allerdings muss man auch Kufen attestieren, dass seine Kandidatur ganz sicher kein Selbstläufer wird. Der CDU-Ratsfraktionschef hat zwar offensichtlich Chancen, aber bis zu den 50 Prozent, die spätestens im zweiten Wahlgang nötig sind, ist es noch ein sehr weiter Weg. Da müssten noch viele über ihren Schatten springen, vor allem bei den Grünen, deren Anhänger in der Stichwahl wohl das entscheidende Gewicht in die Waagschale werfen.

Kufens Vorteil ist, dass die CDU bisher geschlossen und motiviert wirkt, dass sie ihm vor allem wohl nicht in den Rücken fallen wird. Parteien sind bei Personenwahlen wegen der grassierenden Parteiverdrossenheit eher eine Gefahr für den Kandidaten, weshalb sie auch auf Wahlplakaten kaum noch auftauchen. Dass die Bundeskanzlerin nach Essen kommt, ist andererseits für Kufen sicherlich kein Malus, zeigt vielmehr eindrucksvoll den Stellenwert, den auch die Bundes-CDU der OB-Wahl in Essen beimisst.

Nach einer Serie von Niederlagen bei OB-Wahlen, soll es hier andersherum laufen - ausgerechnet in einer alten SPD-Stadt! Nichts zeigt wohl deutlicher, dass Paß unter den Möglichkeiten geblieben ist.