Eine Opern-Regisseurin mit der Kraft der Überzeugung

Mariame Clément, Regisseurin, inszeniertam Essener Aalto-Musiktheater
Mariame Clément, Regisseurin, inszeniertam Essener Aalto-Musiktheater
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mariame Clémenthat als Opernregisseurin eine außergewöhnliche Karriere gemacht. Nun inszeniertsie György Ligetis „Le Grand Macabre“ am Aalto.

Essen.. Sie gehört zu den wenigen Frauen, die sich in der Opernwelt als Regisseurin durchsetzen konnten. Mariame Clément, geboren in Paris mit französisch-persischen Wurzeln, brachte in zehn Jahren 25 Produktionen auf europäische Bühnen und ist bis 2018 ausgebucht, Debüt im Londoner Covent Garden inklusive. „Die Liebe zur Oper“ nennt sie als ersten Grund für ihre Karriere. Dass sie stets perfekt vorbereitet ist, kommt hinzu, selbst wenn eine Partitur wie bei Ligetis „Le Grand Macabre“ gefühlte fünf Kilo wiegt. Redakteurin Dagmar Schwalm sprach mit der 41-Jährigen anlässlich ihrer ersten Essener Inszenierung.

Frau Clément, wann haben Sie zum ersten Mal eine Oper gesehen?

Mariame Clément: Ich war vier Jahre. Es war ein Doppelabend mit Werken von Ravel und Strawinsky. „Oedipus Rex“ beeindruckte mich sehr. Ich bin ein Einzelkind und meine Eltern schleppten mich immer mit in die Oper.

Dennoch haben Sie die Opernregie auf Umwegen entdeckt.

Clément: Ich hatte Gesangsunterricht, spreche viele Sprachen, studierte Literatur und Kunstgeschichte, ohne zu wissen, was ich damit anfangen sollte – bis ich an der Berliner Staatsoper hospitierte. Irgendwann machte alles einen Sinn.

Sie sind über Assistenzen in den Beruf gekommen. War es kein Problem als Frau Fuß zu fassen?

Clément: Ich hatte das große Glück, in Lausanne den ersten Schritt machen zu können und traf im richtigen Moment die richtigen Leute.

Wie erklären Sie Ihren dauerhaften Erfolg?

Clément: Meine Arbeiten sind schon sehr durchdacht und ich habe mit meiner Bühnenbildnerin Julia Hansen eine Partnerin gefunden, mit der sich Bühne und Regie organisch zusammenfügen. Wir haben diese Karriere zusammen gebaut. Und: Ich liebe die Oper. Wie in jeder großen Liebesbeziehung gibt es Zweifel, aber ich komme immer wieder zurück.

Warum setzen sich nur wenige Frauen im Musiktheater durch?

Clément: Es ist eine Männerwelt, und es hat mit Macht zu tun. Mich interessiert Macht nicht. Ich komme mit Dirigenten gut klar. Ich respektiere die Sänger. Ich schreie nicht bei den Proben und kriege trotzdem, was ich will. Ich glaube an die Kraft der Überzeugung.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Aalto-Theater?

Clément: (Intendant) Hein Mulders hatte schon etwas von mir gesehen. Trotzdem haben meine Bühnenbildnerin und ich uns gefragt, warum hat er uns dieses Stück gegeben? Er sagte: wegen des Humors. Dieses Stück verlangt Leichtigkeit, sonst kann es extrem schwer und bedeutungsschwanger sein. Ich finde diesen Wechsel sehr spannend.

Kurz nach Probenbeginn fand in Paris der Terroranschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ statt. Wie haben Sie sich gefühlt?

Clément: Es waren Zeichner, die ich seit meiner Kindheit kenne. Wenn ich nicht geprobt habe, war ich wie im Schock. Auch wegen der geografischen Nähe. Meine Eltern wohnen 200 Meter entfernt und hatten gerade meine Tochter von der Schule abgeholt. Ein paar Tage später bin ich bei der großen Demonstration mitgegangen aus Trauer um diese Karikaturisten und für Meinungsfreiheit und Toleranz.

Hatte das Ereignis Einfluss auf Ihre Inszenierung?

Clément: Nein, ich hatte schon lange vorher ein festes Bild.