Eine Oper zum Umarmen

Initiatorin Barbara Metzdorf (re.) sucht eine Nachfolger/in für das ehrenamtliche Projekt.
Initiatorin Barbara Metzdorf (re.) sucht eine Nachfolger/in für das ehrenamtliche Projekt.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das stimmstarke „Opermobil“ bringt sein Publikum zum Singen und Tanzen. Jetzt sucht die ehrenamtliche Truppe einen Nachfolger für Initiatorin Barbara Metzdorf.

Essen.. Wo immer sie auftreten, begeistern sie ihr Publikum – und das ist ein ganz besonderes. Denn die ehrenamtlichen Sänger und Sängerinnen, die sich unter dem Namen „Opermobil“ zusammengefunden haben, singen für Menschen mit Demenz. Aber nicht nur das: „Wir machen eigentlich eine Musiktherapie für Demente“, erklärt Barbara Metzdorf, „mit der Intention, unser Publikum zum Mitsingen zu bewegen.“

Metzdorf ist ausgebildete Sängerin, Psychologin und diejenige, die das ungewöhnliche Projekt vor vier Jahren ins Leben gerufen hat. „Als Sängerin hatte ich bereits über 100 Konzerte vor dementen Menschen gegeben und wusste daher, wie Lieder, die sie noch aus der Kindheit kennen, auf sie wirken.“ In der Rüttenscheider Awo-Gruppe traf sie auf stimmstarke Mitstreiter - allesamt Laien - und erarbeitete ein spezielles Programm: Metzdorf verkürzte Opernklassiker wie die Zauberflöte oder Hänsel und Gretel auf eine Stunde - die maximale Konzentrationsdauer für demente Menschen - und reicherte sie mit Volksliedern an. Schon der erste Auftritt in einem Pflegeheim war ein großer Erfolg: „Wir waren total berührt davon, wie die Menschen aus sich herausgegangen sind und mitgesungen und getanzt haben“, erinnert sich Bassbariton Peter Weber und erzählt von älteren Damen, die ihn nach einer Vorstellung schon mal vor Freude umarmen und nicht mehr loslassen wollen.

Ohne Nachfolger droht die Auflösung

„Diese Reaktion der Menschen macht auch uns glücklich“, bestätigt Marie Tattenberg, mit 16 Jahren das Küken der insgesamt 13-köpfigen Truppe. Wie selbstverständlich singen hier mehrere Generationen zusammen: Die älteste ist Ingeburg Gommans, der man die 84 Lebensjahre allerdings nicht ansieht. „Wir sind total autonom“ sagt sie „wir kümmern uns auch um das Bühnenbild, die Kostüme, die Requisite und die Maske.“ Für ihre Aufführungen lässt sich das „Opermobil“ zwar nicht bezahlen, „aber wir müssen unseren Musikern ein Honorar geben“, so Metzdorf. Noch habe man keinen Pianisten gefunden der, wie sie, ehrenamtlich zu den Vorstellungen, die vornehmlich in Altenheimen stattfinden, mitkommt.

Aber die Truppe drückt derzeit ein größeres Problem: Urheberin Barbara Metzdorf muss aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden und sucht für ihr Singprojekt einen Nachfolger. „Toll wäre es, wenn wir jemanden finden, der musikalisch vorgebildet ist und sich vielleicht auch mit dementen Menschen auskennt.“ Der- oder diejenige müsste auch die Regie übernehmen und die Acquise für weitere Auftritte. Zwei Pflegeheime haben bereits nachgefragt. Eine Zusage konnte „Opermobil“ noch nicht geben: „Das geht erst, wenn wir einen neuen Leiter haben, der die Organisation übernimmt. Wenn es uns aber nicht gelingt, jemanden zu finden, werden wir uns auflösen statt Menschen mit Demenz glücklich zu machen“, fürchtet Peter Weber.