„Eine Form von Toleranz“

„Irgendwo müssen wird doch hin!“ Das ist ein Satz, der am Donnerstagmittag häufiger fällt am Willy-Brandt-Platz. Die Sonne scheint, es ist einigermaßen warm. Gutes Wetter für ein Bier im Freien. Gut ein Dutzend Männer und Frauen aus der Trinkerszene haben sich hier versammelt, sie sitzen und stehen um den Eingang zur U-Bahn herum. Vom angedachten Alkoholverbot ist naturgemäß niemand begeistert.

„Ich halte das für Schwachsinn“, sagt Thomas S., der seinen vollen Namen nicht nennen möchte. „Man hat hier schnell den Stempel drauf und wird in eine Ecke gestellt, wo man gar nicht hingehört.“ Ärger oder Gewalt, sagt S., würden von keinem aus der Szene ausgehen. Das möchte auch Willi Spschungalla, der regelmäßig seine Zeit am Willy-Brandt-Platz verbringt, betont wissen: „Passanten werden hier niemals angemacht. Klar gibt es mal Stress untereinander, aber: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“ Von einem Alkoholverbot rund um den Handelshof hält Spschungalla wenig. „Das bringt nichts“, sagt er. „Stattdessen muss endlich etwas geschehen, dass die Leute wo hin können. Viele sind wohnungslos und haben gar keine andere Möglichkeit.“

Gespaltene Meinungen

Bei den Passanten in der Innenstadt sind die Meinungen über das Alkoholverbot gespalten. Viele finden die Idee an sich zwar überlegenswert, haben aber größere Zweifel daran, ob sich eine solche Maßnahme überhaupt so einfach umsetzen lässt. Außerdem sehen viele in dem Ansatz der Stadt nur eine Verlagerung des Problems, keine Lösung. „Die Leute würden eben woanders hingehen“, sagt Christine Wild stellvertretend für mehrere Befragte. Gestört fühlt sie sich persönlich von der Trinkerszene nicht. „Das ist für mich auch eine Form von Toleranz: Solange mich keiner angeht, gehe ich auch niemanden an.“ Ganz anders sieht das Frank Kemmerling, der sagt: „Es stinkt, überall liegen Scherben auf dem Boden.Ich bin dafür das Verbot rigoros durchzusetzen.“

Z Die Idee ist gut. Wenn man das hier so sieht, ist das kein besonders schöner Anblick für die Innenstadt. Aber die Frage ist für mich, ob ein Alkoholverbot an bestimmten Plätzen überhaupt etwas bringt. Denn dann gehen die Leute einfach hinter die nächste Ecke oder drei Straßen weiter und das Problem ist ja dadurch nicht weg.“

Z Ich komme aus Dortmund und da hat die Stadt auch versucht, ein Alkoholverbot an bekannten Treffpunkten der Trinkerszene durchzusetzen. Die sind dann einfach woanders hingegangen. Klar sieht das hier nicht schön aus, aber wie will man das schon verhindern?“

Z Ich bin dafür, das Verbot rigoros durchzusetzen. Das äußere Erscheinungsbild am Willy-Brand-Platz ist
durch die Trinker nicht so, wie es eigentlich sein sollte. Es stinkt, überall liegen Scherben auf dem
Boden. Das stört mich auch
persönlich.“

Z Eigentlich wäre ein Alkoholverbot schon eine gute Idee. Denn das
wäre mit Sicherheit besser für das
Stadtbild, wenn die Trinkerszene sich nicht mehr hier aufhält.
Wenn man zum Einkaufen oder für Erledigungen in die Innenstadt kommt, stört einen das natürlich schon. Unsicher fühle ich mich
aber nicht.“

Z An sich finde ich die Überlegungen der Stadt nicht so gut. Denn
ich habe selbst
gerne Mal ein Bier
in der Hand, wenn ich zum Feiern
in die Mupa auf der Kettwiger
Straße gehe. Mich stören die Leute von der Szene jetzt auch gar nicht so sehr. Hier vor dem Bahnhof bleibt das Problem wenigstens für jeden sichtbar.“

Z Ich glaube kaum, das
so ein Alkoholverbot überhaupt durchgesetzt werden
kann. Wenn doch, würden die Leute eben woanders trinken. Ich wurde von denen
auch noch nie angepöbelt. Das
ist für mich auch eine Form
von Toleranz: Solange mich
keiner angeht, gehe ich auch niemanden an.“

Z Das ist zwar eine super Idee, nur wird die nichts bringen.
Die Leute werden sich einfach eine andere Stelle als Treffpunkt suchen. Ich
finde das Pick-Up-Projekt einen
besseren Ansatz, man muss
den Menschen ja auch eine Perspektive bieten.“

Z Ich denke nicht, dass
es am Ende wirklich zu dem Verbot kommen wird. Ich finde die Situation mit
der Trinkerszene nicht schön,
der ganze Anblick ist nicht
schön. Ich glaube zwar schon,
dass ein solches Alkoholverbot sinnvoll ist, aber dafür benötigt
man ja auch Personal, um das zu kontrollieren.“

Z Auch ich
bin öfter bei den Leuten am Willy-Brandt-Platz. Klar
ist der Szene-Treffpunkt kein schöner Anblick für die Innenstadt, das
weiß ich auch. Aber wir werden
hier auch ständig von der einen
in die nächste Ecke geschickt. Es
muss endlich mal für einen vernünftigen Raum gesorgt werden, zu dem man hin kann.“

Z Ich komme selber regelmäßig zum Biertrinken hier hin und kenne viele Leute. Das Verbot bringt gar nichts, es muss endlich etwas geschehen, dass die Leute wo hin können. Am Bahnhof werden sie aggressiv angemacht, hier werden sie von der Polizei weggeschickt. Am Willy-Brandt-Platz finden viele wenigstens noch einen Halt