Ein Volksgarten für die Steeler Bürger

Steele ist nach dem Stadtgarten im Südviertel die zweitälteste Grünanlage der Stadt: Doch im Gegensatz zum Bürgerpark Essens Mitte wurde der 1911 erbaute Steeler Stadtgarten von vorneherein als Volksgarten konzipiert. Erholung für alle Schichten der Bevölkerung hatten sich die Planer zum Ziel gesetzt. „Mit dieser Anlage hat sich die Stadt Steele ein Kleinod geschaffen, das ihr in der Folgezeit manche Besucher zuführen wird“, hieß es 1911 zur Eröffnung im Steeler Verkehrsheft.

Und so durften von Anfang an die Bürger die weiten Rasenflächen, die sich bis hinunter zur Ruhr erstreckten, benutzen - es gab Spielplätze, Liegewiesen, Minigolfanlage, dazu einen Teich mit Springbrunnen, eine Grotte, einen Rosengarten und eine Aussichtsplattform, die Kaiserhöhe genannt wurde. Springbrunnen, Grotte, Rosengarten und Kaiserhöhe sind längst verschwunden, ihr genauer Standort nicht mehr ortbar, da die Pläne aus der damaligen Zeit nicht mehr auffindbar sind.

Im dazugehörigen Steeler Saalbau (Baukosten 200 000 Mark), der damals Stadthalle genannt wurde, wurden von Beginn an Veranstaltungen und Gastronomie angeboten. Jeden Sonntag strömten die Steeler Bürger zu den beliebten Freiluftkonzerten im Pavillon.

Das Gebäude ist beherrschendes Element der Anlage, auf die die Sichtachsen im Park gelenkt werden. „Der Saalbau galt jahrzehntelang als gesellschaftlicher Mittelpunkt von Steele, Prominenz aus Politik, Musik und Sport waren hier zu Gast“, weiß Arnd Hepprich (Foto), 1. Vorsitzender des Steeler Archivs. Hepprich hat akribisch alle Dokumente und Fotos, derer er habhaft werden konnte, zusammengetragen und bereits 2006 in einer großen Ausstellung im Stadtgarten gezeigt.

Der Park selbst wurde terrassenförmig angelegt, die Hügel mit Boden- und Bergraummaterial des Deimelsbergschachtes aufgeschüttet. „Unter der Anlage befand sich einst dieser Schacht“, sagt Hepprich.

Heute wirkt der sechs Fußballfelder große Park ein wenig trostlos und verwaist, hat sich sein Erscheinungsbild deutlich verändert. Nur die Grünfläche rund um den Saalbau ist gepflegt; wer sich auf den Weg Richtung Westfalenstraße begibt, läuft über holprige und zugewucherte Wege, die rechts und links von Dickicht gesäumt werden. Auch die einstigen Sichtachsen sind zugewachsen, rund um die Sitzbänke haben Besucher achtlos ihren Müll weggeworfen. Doch allein für den Blick auf die Ruhr lohnt sich ein Besuch.