Ein Tscheche, ganz amerikanisch

Bevor Generalmusikdirektor Tomáš Netopil die Saison mit einem tschechischen Programm abschließt, gab er sich jetzt im vorletzten Konzert ganz amerikanisch. Sehr zur Freude des Publikums brachten die Essener Philharmoniker effektvolle Standardwerke von Bernstein bis Gershwin zu Gehör.

Selbst Trauermusik hinterließ in diesem bunten Strauß auf ihre Weise einen tiefen Eindruck: Samuel Barbers Streicher-Adagio fand in seinem weitgezirkelten Melos, das sich bis zum schmerzvollen Höhepunkt aufbäumt und zusammensinkt, zu konzentriertem Ausdruck.

Der Bläserapparat des Orchesters empfahl sich an diesem Abend nicht nur in der programmatischen Suite „ Appalachian Spring“, wusste hier aber federführend das Farbraffinement von Aaron Copland – mal schwebend zart, mal rhythmisch vital – facettenreich und leuchtkräftig auszuspielen. Der satte Wohlklang.

Bernsteins Sinfonische Tänze als dramatisches Destillat aus der „West Side Story“ gaben sich zur Eröffnung weder besonders glutvoll noch entfesselt, punkteten aber durch trocken-brillante Darstellung. Und dass Netopil den „Amerikaner in Paris“ als Knaller noch kurzfristig ans Programmende verlegt hat, war taktisch verständlich. Das übermütig-kecke Treiben samt Pariser Taxihupen und dem melancholischen Bluesthema in der Trompete (glänzend: Horst Westermann!) war eigentlich Broadway pur und riss zu begeisterten Bravorufen hin.