Ein Stückchen Finnland in Bedingrade

Treffen im Wohnzimmer von Mervi Järvensivu (r.): Die Finnin erläuterte den Gästen Bräuche ihrer Heimat.
Treffen im Wohnzimmer von Mervi Järvensivu (r.): Die Finnin erläuterte den Gästen Bräuche ihrer Heimat.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mervi Järvensivu lebt seit fünf Jahren in Deutschland. Sie brachte ihren Gästen in der VHS-Reihe „Weltreise durch Wohnzimmer“ ihre Heimat näher.

Essen-Bedingrade. . Die Welt zu bereisen, ohne das eigene Land verlassen zu müssen – das klingt unmöglich. Doch die überregionale Veranstaltungsreihe „Weltreise durch Wohnzimmer“ ermöglicht in Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) genau das: Menschen, die es aus fernen Ländern ins Ruhrgebiet verschlagen hat, geben in ihren Wohnzimmern einen Einblick in die Kultur ihrer Heimatländer.

Järvensivu. Der einzige skandinavisch klingende Name sticht aus der Masse an Klingelschildern des Reihenhauses in Bedingrade hervor. Mervi Järvensivu ist gebürtige Finnin und lebt seit etwa fünf Jahren in Deutschland. Um einer Hand voll Besuchern die finnische Kultur näher zu bringen, hat Mervi Järvensivu in ihr Wohnzimmer geladen.

Die dritte Wohnzimmerweltreise

Es ist die dritte Wohnzimmerweltreise dieser Art, die von der VHS unter der Leitung von Nina Jung veranstaltet wird. Nach Iran und Kurdistan geht es nun nach Finnland. Auch dieses Mal werden sich die Kursteilnehmer nach der Veranstaltung den landeseigenen Stempel in den zuvor erhaltenen Reisepass eintragen lassen.

Mervis Järvensivu Heimatstadt Pori liegt an der Küste Finnlands, in direkter Nachbarschaft zu Schweden. Auf das Verhältnis von Finnen und Schweden angesprochen, blitzen Mervi Järvensivu Augen amüsiert auf. Eishockeyspiele zwischen den Ländern ähneln Fußballspielen zwischen Deutschen und Niederländern. Auf einmal ist Finnland ganz nah. Und es soll noch näher kommen.

Geräucherter Lachs im heimischen Grill

Als kleine Überraschung für ihre Gäste, hat Mervi Järvensivu geräucherten Lachs im heimischen Grill zubereitet. Zusammen mit Brot und gesalzener Butter, gehört geräucherter Fisch zu den Grundnahrungsmitteln der Finnen. Doch bevor es an die Verkostung geht, verschwindet Järvensivu noch einmal kurz. Mit einem verschmitzten Lächeln holt sie eine Flasche original finnischen Wodka hervor. Diese glasklaren 40 Prozent sind nichts für schwache Nerven oder Mägen. Laut Järvensivu gehört auch das zu den typisch finnischen Gepflogenheiten: Zum Essen gehöre Bier oder Wodka, mit Wasser wasche man sich in Finnland nur die Hände. Unter lautem Gelächter und Kippis!-Rufen, finnisch für „Prost“, bedienen sich die Teilnehmer. Geduldig beantwortet Järvensivu viele Fragen zur finnischen Lebensart.

Gegen 18 Uhr endet die kleine Weltreise. Zum Abschluss zeigt Järvensivu noch ihr landestypisches Hobby: Aus hauchdünnen Fäden klöppelt sie feinste Spitzenapplikationen. Sie deutet vorsichtig auf einen filigranen Storch, der ein blaues Bündel trägt. Das zarte Gebilde soll später eine typisch finnische Torte für eine Taufe verzieren. Schnell wird noch der Reisepass abgestempelt und dann geht es mit einem letzten „Kippis!“ durch die Haustür zurück nach Deutschland.