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Ein Stück Schutzwall im Vorgarten

06.08.2009 | 19:26 Uhr
Ein Stück Schutzwall im Vorgarten

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten – mal abgesehen von der Maklerfirma RKI in Rüttenscheid

Immobilien aller Art sind ihr tägliches Geschäft. An der jüngsten Neuerwerbung aber gibt es für Rene´ Rößler und Rolf-Peter Korzmann nichts zu sanieren, nichts weiterzuverkaufen, nichts zu gewinnen: Das 1,20 Meter breite und 3,80 Meter hohe Betonteil, das sich die beiden Eigner der Rüttenscheider Firma RKI da gestern per Lkw-Kran in den Vorgarten der Alfredstraße 71 hieven ließen, ist für sie so eine Art Kunst am Bau – und bestes Beispiel dafür, dass auch für die Ewigkeit gedachte Immobilien schon nach drei Jahrzehnten abgängig sind.

Denn bei dem 2,8 Tonnen schweren Bauteil handelt es sich um ein Originalstück der Berliner Mauer, 120 laufende Zentimeter jenes über 167 Kilometer langen „antifaschistischen Schutzwalls”, der 28 Jahre lang zwischen Checkpoint Charlie und Potsdamer Platz die Berliner hüben von den Berlinern drüben trennte.

Versteigert zum Startpreis

von 2000 Euro

Im Juni 1990, nach dem Mauerfall, kaufte die LPG Pflanzenproduktion Breesen im Kreis Altentreptow den Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik dieses Stück Mauer und 199 weitere Winkelstützelemente vom Typ UL 12.41 ab. Die meisten wurden verbaut, drei Stücke aber blieben ungenutzt und wurden jetzt im Juni bei einer Auktion im Kölner Hilton angeboten. Zum Startpreis von gerade mal 2000 Euro.

Rößler und Korzmann schlugen zu, ersteigerten zwischen allerlei Grundstücken und Häusern ihr Segment vom „Eisernen Vorhang” und platzierten es gestern Nachmittag vor ihre Büroadresse, ein Jugendstilhaus an der Alfred- Ecke Eduardstraße. Insgesamt 10 000 Euro kostet sie die Aktion, die das Immobilien-Duo einerseits als seinen Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr 2010 verstanden wissen will, andererseits als so eine Art politisches Mahnmal, das demnächst durch eine Gedenktafel ergänzt wird.

Ob die Graffiti auf ihrem Mauerstück ebenso authentisch sind wie das Mauerstück selbst, dafür haben Rößler und Korzmann (im Gegensatz zum Betonteil selbst) keinen Nachweis. Fest steht nur, dass das Motiv – vom Peace-Zeichen über die US-Dollar-Münze bis zu den Friedenstauben mal im entsprechenden Mauerabschnitt vorhanden war.

Und für die beiden Immobilien-Experten ist das Objekt schützenswert genug, dass sie noch gestern einen Graffiti-Schutz auftragen ließen. Ein Wisch – und die Parole ist weg.

zum Bild: Passend zum 20. Jahrestag des Mauerfalls holen die beiden Immobilienkaufleute Rolf-Peter Korzmann und Rene´ Rößler ein Teilstück der Berliner Mauer nach Essen. Es steht künftig im Vorgarten ihres RKI-Büros an der Alfredstraße 71 in Rüttenscheid.  Foto: Arnold Rennemeyer

WOLFGANG KINTSCHER

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Kommentare
09.08.2009
15:55
Ein Stück Schutzwall im Vorgarten
von auweraue | #2

Das Geld hätte sich auch gut im Pflegeheim oder in einer Kindertagesstätte anlegen lassen. Aber vielleicht fällt ja beim nächsten Immobilienverkauf dafür etwas ab.

07.08.2009
12:51
Ein Stück Schutzwall im Vorgarten
von dagla | #1

Die Mauer hätte sich auch gut auf dem Berliner Platz gemacht neben dem Bären.

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