Ein Stück Portugal in Rüttenscheid

Kommen zum Teil seit ihrer Kindheit ins portugiesische Kulturzentrum in der Villa Rü: José João, Luis Gaspar, Toni Girgardo und Antonio Rodrigues (v.l.)
Kommen zum Teil seit ihrer Kindheit ins portugiesische Kulturzentrum in der Villa Rü: José João, Luis Gaspar, Toni Girgardo und Antonio Rodrigues (v.l.)
Foto: WAZ
Seit 1983 ist das Centro Português de Essen im Bürgerzentrum Villa Rü zu Hause. Die Mitglieder pflegen ihre Liebe zur Heimat – und freuen sich über Besuch.

Essen-Rüttenscheid..  Der köstliche Duft von Bitoque – der portugiesischen Variante des deftigen Gerichts „Strammer Max“ steigt dem Besucher schon im Flur der Villa Rü in die Nase. Wer die Tür zum Vereinsraum des Portugiesischen Kulturvereins öffnet, den überkommen schon im ersten Moment Urlaubsgefühle: Ein paar ältere Herrschaften kloppen ein paar Karten am Tisch, Kinder wuseln durcheinander, auf dem Flachbildfernseher an der Wand läuft portugiesisches Fernsehen – Fußball natürlich.

Das Centro Português de Essen, wie es in Landessprache heißt, gehört zu den ältesten Mietern des Bürgerzentrums Villa Rü. Seit 1983 kommen Portugiesen aus Essen dort zusammen, um ihre Heimatliebe zu pflegen – mit portugiesischen Produkten, Gesprächen in der Muttersprache und dem Austausch untereinander. Den Verein selbst gibt es dabei schon länger. „Unsere Väter haben 1969 den Grundstein gelegt und den Verein 1974 eingetragen“, sagt José João, der den Verein gemeinsam mit Antonio Rodrigues, Luis Gaspar und Toni Gingardo heute weiterführt.

„Das ist für mich wie ein Kurzurlaub“

Veranstaltungen und Kontakt zum Verein

Früher gab es sogar einen eigenen Fußballverein, unzählige Pokale an der Wand zeugen von vergangenen Erfolgen. Dafür mangele es nun an Nachwuchs, erklärt João: „Portugiesen sind mit etwa 400 Menschen unter den Migranten in Essen eine Minderheit.“ 40 Mitglieder zählt der Verein aktuell noch, darunter auch Deutsche wie Josef Wolters, der fast jeden Samstag aus Werden zu den wöchentlichen Treffen nach Rüttenscheid fährt. „Das ist für mich wie ein Kurzurlaub“, erklärt der Rentner, der gleichzeitig Mitglied der deutsch-portugiesischen Gesellschaft ist. Nach einem Urlaub dort sei es um ihn geschehen gewesen, er verlor sein Herz an Land und Leute, erzählt Wolters: „Die Portugiesen sind fantastische Gastgeber.“

Das beweisen auch die Mitglieder des portugiesischen Kulturzentrums in der Villa Rü: Zum letzten Garnelen-Abend kamen rund 130 Personen, Hobby-Koch Luis Gaspar grillte 55 Kilogramm des – natürlich mit viel Knoblauch marinierten – Meeresgetiers. „Wir freuen uns immer über Besuch“, wirbt auch Antonio Rodrigues, der wie viele seiner Mitstreiter portugiesische und deutsche Mentalität in sich vereint hat. „Im Urlaub musste ich meinen portugiesischen Pass verlängern – da sind die Portugiesen doch sehr gelassen, da merkt man seine deutsche Ungeduld“, sagt Rodrigues und lacht.