Ein Spielort der Künste mitten in Borbeck

Borbeck..  Es war zur Mitte der 1990er Jahre, als es für die Zukunft des Schloss Borbeck nicht gerade gut aussah. Haupt- und Nebengebäude waren heruntergewirtschaftet, im Raum stand der Verkauf an einen privaten Investor. Heute, fast ein Vierteljahrhundert später, hat sich das weitgehend sanierte Ensemble zu einem der Hauptstandorte der Essener Kultur entwickelt.

Väter hat so eine Entwicklung einige – denen wird man aber sicherlich nicht unrecht tun, wenn man den Wendepunkt der jüngeren Schlossgeschichte mit zwei Namen verknüpft: dem des Hausleiters Bernd Mengede und dem des damaligen Essener Kulturdezernenten Oliver Scheytt. Gemeinsam entwickelten sie ein Sanierungs- und Betriebsmodell, das die Zukunft garantieren sollte.

„Nach einem ersten Bauabschnitt konnten wir im Jahr 2000 mit unserem Kulturprogramm starten“, berichtet Bernd Mengede. Im sanierten Schlosssaal begann man mit zwei von drei Musikreihen, die auch heute noch das Kulturprogramm an der Schloßstraße prägen, dem Jazz und der Kammermusik. Schon früh kooperierte man mit dem Westdeutschen Rundfunk, der fortan jedes Jahr im Schloss die WDR Big Band und andere vor Publikum aufspielen lässt, Sendungen aufzeichnet oder Tonträger produziert. Im Wirtschaftsgebäude richteten die Verantwortlichen die „Städtische Galerie im Schloss Borbeck“ ein. Auf 110 Quadratmetern präsentierten seitdem zahlreiche regionale und überregionale Künstler ihre Malerei, Grafik, Fotografie oder Installationen. „Einen großen Schub brachte unserem Kulturprogramm die Renovierung des großen Residenzsaals im Jahr 2005“, ,markiert Mengede den zweiten Entwicklungsschritt im Schloss. Im zwölf Meter hohen Saal sparte man nicht, holte mit der renommierten Düsseldorfer Akustikfirma Peutz einen internationalen Spezialisten ins Haus, der auch schon den Sound in der Londoner Royal Albert Hall oder der Düsseldorfer Tonhalle kreiert hat. Mit der Sparte Alte Musik schufen Mengede und Co das dritte musikalische Standbein. Und mauserten sich weiter zu einem Spielort, der für deutschlandweit und auch international bekannte Künstler attraktiv wurde. Natürlich die WDR Big Band, die Gambistin Hille Perl, Jazzer Charlie Mariano oder das Freiburger Barockorchester sind zwar einer breiten Öffentlichkeit weniger bekannt, dafür aber in ihrer Sparte international ein Begriff. Mit der Sanierung des Wirtschaftsgebäudes im Jahr 2010, dem 3. Bauabschnitt im Schloss-Ensemble, konnte man räumlich und inhaltlich noch einmal zulegen.

Im Schnitt 14 Konzerte und fünf Ausstellungen nur vom Kulturzentrum Schloss Borbeck und geschätzte 40 Sonderkonzerte von anderen laufen nun pro Jahr an der Schloßstraße. Das stemmt der städtische Betrieb nicht allein. „Wir können so ein Musik- und Kunstprogramm nur durch Kooperationen auf die Beine stellen“, stellt Bernd Mengede klar. Zum WDR kamen der Deutschlandfunk, die Kulturstiftung NRW, das deutsch-französische Kulturzen-trum und viele mehr. Das zweite Standbein neben den Kooperationen sind die Ehrenamtlichen des Fördervereins und der Stiftung Schloss Borbeck. Sie bereichern das Programm u.a. mit drei Zusatzveranstaltungen im Jahr, etwa der Reihe „Muse & Menü“ mit Folkwang-Künstlern und Drei-Gänge-Menü.

„Nebenbei“ entwickelte man im Schloss seit 2005 auch noch die Dauerausstellung „Schloss Borbeck und die Fürst-Äbtissinnen“ mit Leihgaben der Domschatzkammer und anderer Museen.

Rund 70 000 Menschen, schätzt Mengede, kommen pro Jahr, eingerechnet allerdings die Besucher der 600 standesamtlichen sowie kirchlichen Trauungen in der nachgebauten Schlosskapelle. Mitte der 1990er Jahre hätte man davon sicher nicht einmal zu träumen gewagt.