Ein Ort der Ruhe und für das Gebet

Kettwig..  Theresa Zonta zündet eine Kerze an und stellt sie vor die Figur des gekreuzigten Jesus. Das macht die 75-Jährige immer, wenn sie an der kleinen Kapelle Maria im Maien vorbeikommt. Und Theresa Zonta kommt oft an diesen Ort. Sie ist eine der Freiwilligen, die sich gemeinsam mit dem Küster um die Pflege und den Erhalt der Kapelle kümmern.

Theresa Zonta macht in der Kapelle sauber, sie wischt Staub, kümmert sich um den Blumenschmuck. Warum sie das tut? „Ich bin gläubige Christin, ich tue das zu Ehren der Mutter Gottes“, sagt sie. „Für mich ist die Kapelle ein Ort der Ruhe, ein Ort, an dem ich bete.“

Dass es die kleine Kapelle an der Pierburg gibt, geht zurück auf ein Treffen, das am 4. August 1929 stattfand. Mehrere an der Pierburg ansässige Familien setzten sich damals zusammen, um über den Bau einer Kapelle in ihrer Nachbarschaft zu diskutieren. Ihnen war der Weg zur Gemeindekirche St. Peter zu weit.

Kollekte für den Bau der Kapelle

Der Wunsch, eine Kapelle zu bauen, war also da. Es mangelte jedoch an Geld. Man fasste den Plan, einen Stifter für das Grundstück zu suchen und beim Bau ausschließlich auf heimische Materialien zu setzen. Planung, Bauleitung und Materialtransport sollten nichts kosten. Es wurde also ein Verein gegründet, die Mitglieder sammelten Geld. Und was sonntags im Klingelbeutel landete, wurde ebenfalls für den Kapellen-Bau an die Seite gelegt.

Legendär ist der 23. August 1931. An diesem Tag wurde in allen Kirchen des Erzbistums Köln, zu dem die Kapelle auch heute noch gehört, eine Kollekte für die Kettwiger Kapelle gehalten.

Trotz zwischenzeitlicher Finanzprobleme konnte die Kapelle Maria im Maien am 22. Mai 1932 geweiht werden. Bei seiner Festpredigt sagt Dechant Oster: „Von hier aus mögen der Heiland und seine Mutter ihre schützende Hand ausstrecken über Kettwig und die ganze Umgebung durch Jahrzehnte und Jahrhunderte“.

1977 wurde die Kirche St. Matthias in Auf der Höhe geweiht. Dadurch verkürzte sich für die Pierburger der Weg zur nächsten Kirche. Doch die Kapelle blieb bestehen. Seit Jahren ist sie auch als Hochzeitskirche sehr beliebt.

Etwa 20 Trauungen pro Jahr finden in der kleinen Kapelle statt, die bis zu 60 Hochzeitsgästen Platz bietet. „Für viele Menschen ist die Kapelle ein besonderer Ort“, sagt Pfarrer Sven Goldhammer (45). Seit fast fünf Jahren ist er in der Gemeinde tätig – und unzählige Male hat er bereits neugierige Besucher in die Kapelle eingelassen. „Oft kommen auch Menschen hierher zurück, die an diesem Ort geheiratet haben.“

Pfarrer Goldhammer ist dankbar für das Engagement der Ehrenamtlichen, die sich um die Kapelle kümmern. Und dann erzählt er von seinen Helfern: von Frau Schulte-Beckendorf, Frau Hilfing, Frau Stecker, Frau Kazimirek und der Familie Kammesheidt, die sich bei der Pflege des Außengeländes einbringt. „Ohne ihre Hilfe ginge das hier alles nicht“, sagt Goldhammer.