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Ein Meister der Bambusflöte

26.01.2013 | 15:00 Uhr
Ein Meister der Bambusflöte
Die Shakuhachi, traditionelle japanische Bambus-Flöten.Foto: Sebastian Konopka

Essen. Michael Müller spielt das japanische Instrument so erfolgreich, dass ihm jetzt ein seltener Titel verliehen wird. In seiner Stilrichtung ist er der einzige Europäer mit Lehr-Lizenz.

Gitarre, Schlagzeug, Bambusflöte, so verlief der musikalische Werdegang von Michael Müller. Während er auf dem Saiten- und Schlaginstrument gern Hardrock spielt, erklingen auf der Shakuhachi, der japanischen Bambusflöte, eher windige bis rauschige Töne und ein samtiger Klang, beschreibt der 53-jährige Stoppenberger, der sich darauf erst Volksstücke und Kinderlieder, dann die japanische Kammermusik aus dem 16. Jahrhundert erarbeitet hat.

Fast nur Japaner erlaubt

Michael Müller spielt heute Zen-Musik aus der buddhistischen Tradition und das so gut, dass er an diesem Sonntag den Titel Neu-Meister verliehen bekommt. Allerdings in New York beim Treffen der Großmeister, zu denen fast ausschließlich Japaner gehören. Und nur ganz wenige Musiker aus anderen Ländern wie der Lehrer von Müller, der aus Amerika stammt. Der Stoppenberger wird nun der einzige europäische Meister mit Lehr-Lizenz für diesen Stil sein. An der Verleihung wird er nicht teilnehmen können, was ihn traurig stimmt, aber gleichzeitig erleichtert: Wenn in Anwesenheit so vieler Großmeister sein Name fällt, der zudem um einen japanischen Künstlernamen ergänzt wird, „wäre ich ganz schön aufgeregt.“

Siebeneinhalb Jahre hat Michael Müller geübt, um die Flöte auf diesem hohen Niveau spielen zu können. Seine Liebe zu Asien existiert bereits viel länger. Er war 15, als ein Pater ihn in der Pfarrei St. Ignatius in die Zen-Meditation einführte. „Könnte was für mich sein“, spürte Müller schnell, der nun auch seit vielen Jahren die asiatische Kampfkunst Tai Chi ausübt. Die japanische Heilkunst Reiki hingegen nutzt er nur für den Hausgebrauch.

Flötenspielen, um den Alltag zu vergessen

Der Reiki-Raum mit Räucherkerzen-Duft befindet sich im Dachgeschoss. Zum Flöten-Spiel hat die Familie den 53-Jährigen in den Keller verbannt, wo er sein Studio eingerichtet hat. Ein bis zwei Stunden täglich schaltet er dort unten auch vom stressigen Job ab. Der Wirtschaftsinformatiker arbeitet bei der Messe Essen. Als Leiter der Informationstechnik verantwortet er die Netzwerke, die Computer- und die Telefontechnik. „Ich nehme viel Arbeit mit nach Hause“, sagt er. Mit der Musik kann er loslassen. „Das Einssein mit der Flöte und der Musik ist echte Faszination und gleichzeitig Meditation, dann nehme ich nur noch den Ton wahr.“

Bis der erste Ton allerdings erklang, war es ein „oft beschwerlicher Bambuspfad“. Der führte von der ersten Ahorn-Flöte aus dem Internet („Es war grausam“) über die zweite („noch schlimmer“) bis zur 100 Jahre alten und 5000 Dollar teuren Shakuhachi aus Bambus. Dazwischen hätte er fast aufgegeben. Dann brachten ihm seine Frau und seine Schwiegermutter ein Buch vom Wühltisch mit, das den Titel „Ich ging den Weg der Zen-Flöte“ trug. „Ich habe es sofort gelesen und war infiziert“, erinnert er sich.

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