Ein Mann des Miteinanders

Foto: Funke Foto Services

Mit einem feierlichen Akt in der Schul-Aula werden sie ihn heute verabschieden, und den meisten ist mulmig dabei zumute. Das liegt nicht nur daran, dass offen ist, wer im neuen Schuljahr dauerhaft die Leitung des Maria-Wächtler-Gymnasiums übernehmen wird. Sondern auch, weil die Schule mit Elmar Prinz einen Chef verliert, der stadtweit als ausgesprochen umgänglich und als konsensorientiert gilt. Die Schule verabschiedet ihren Leiter, und die Direktorenkonferenz der Essener Gymnasial- und Gesamtschulleiter verliert ihren Vorsitzenden. Immerhin: Für das informelle Gremium ist die Nachfolge schon geregelt.

Prinz, aufgewachsen in Gelsenkirchen, ging nach der Volksschule auf ein Recklinghäuser Aufbaugymnasium, „täglich 17 Kilometer mit dem Fahrrad hin und auch wieder zurück, bei Wind und Wetter.“ Er erlebte Schule in einer Zeit, „die geprägt war von Hierarchie und Autorität.“ Die Lehrer saßen, nach Dienstrang geordnet, in unterschiedlichen Zimmern, doch für den jungen Elmar Prinz war klar: „Ich wollte immer was mit Menschen machen.“ Und: Von Schule hatte er eine andere Vorstellung.

Er begann an der jungen Gesamthochschule Essen ein Pädagogik-Studium, „doch das erschien mir schnell als konzeptionell zu wenig ausgereift.“ Er sattelte um auf Lehramt, Sport und Deutsch, kam Anfang der Achtziger Jahre zum Burggymnasium und wurde im Jahr 2004 Leiter des Maria-Wächtler-Gymnasiums.

Es sind durchaus bedeutungsvolle Entscheidungen, die in Prinz’ Amtszeit fallen – seit 2009 ist die Schule eine Ganztagsschule, man reagierte auf die veränderten Bedingungen durch die verkürzte Schulzeit („G8“). „Das war“, sagt Prinz heute, „eine nicht leichte, aber richtige Entscheidung.“ Ein Gymnasium, findet Prinz, müsse heute mehr denn je soziale Kompetenz vermitteln, „das Miteinander vorleben“. Der Ganztag brachte neue pädagogische Impulse, zuletzt verlieh sich die Schule ein gemeinsames Leitbild. Auch hinter den Hausaufgaben stehen Fragezeichen, ein „Lernzeit“-Konzept wurde ersonnen, soll noch weiterentwickelt werden.

2011 eröffnete, nach einigen Turbulenzen, ein gemeinsames Mensagebäude für die Schulen im Stadtteil. Doch es sind weniger die großen Schlaglichter, die Prinz in den Sinn kommen, wenn er zurückblickt. Ganz wichtig ist ihm dagegen: „Ich habe dafür gesorgt, dass jeder Schüler der bilingualen Klassen verpflichtend am Austausch mit unserer Partnerschule in Rotterdam teilnimmt.“ „Jeder Schüler“, betont Prinz, „soll Austauscherfahrung sammeln.“ Die Herausforderung bewältigen, für eine Woche in einer fremden Familie zu leben.

Er geht zwei Jahre früher als nötig, „weil ich mehr Zeit für meine Enkel haben will.“ Prinz’ ältester Sohn (35) hat zwei Söhne, die sind erst drei und eins. Der Schule wünscht er, „dass sie den pädagogischen Weg des Miteinanders konsequent weitergeht.“ Wenn Schule und Eltern gemeinsam an Herausforderungen arbeiten können, vor allem dann, wenn Schüler mal schwierig sind, „dann wird das was. Garantiert. Man braucht nur etwas Geduld.“