Ein Linker gegen die Spaltung der Stadt
23.08.2009 | 06:00 Uhr 2009-08-23T06:00:00+0200Essen. Für die Linke bewirbt sich der parteilose Hans Peter Leymann-Kurtz als Essener Oberbürgermeister. Der Kandidat schätzt an sich selbst vor allem seine Zuverlässigkeit. Politisch geht es Leymann-Kurtz vor allem darum, die weitere soziale Spaltung der Stadt zu verhindert.
Hans Peter Leymann-Kurtz (45) soll als parteiloser Kandidat der Partei „Die Linke” Aufmerksamkeit über die engeren Zirkel hinaus sichern.
Der diplomierte Sozialarbeiter ist in der Essener Kommunalpolitik kein unbeschriebenes Blatt. Er engagierte sich für die Grünen, war zeitweilig sogar Bürgermeister und machte sich immer wieder für Bürgerinitiativen stark. Die Linken bildeten gemeinsam mit der der DKP und der Initiative „Auf” eine Fraktion im Stadtrat und machten dort durchaus auf sich aufmerksam. tobi
Wenn Sie auf Ihre bisherige politische Laufbahn zurückblicken - was war Ihr größter politischer Fehler?
Hans Peter Leymann-Kurtz: Ich bin ja schon sehr lange politisch aktiv. Bis vor zehn Jahren für die Grünen. Ausgetreten bin ich wegen der Zustimmung zum Kosovo-Krieg. Mein größter Fehler war, damals vielleicht nicht intensiv genug innerparteilich gegen diesen Kriegseinsatz gekämpft zu haben.
Wenn Sie Oberbürgermeister werden: Was ist Essens drängendstes Problem, welche Baustelle würden Sie als erstes angehen?
Leymann-Kurtz: Die erste und die letzte Baustelle wäre für mich ohne Frage, die Spaltung der Stadt zu überwinden zu versuchen. Die Spaltung in Nord-Süd, die Spaltung in Arm-Reich, die Spaltung in ältere und junge Leute, Spaltung in Menschen mit Migrationshintergrund und ohne Migrationshintergrund. Diese Spaltungstendenzen gefährden unser Gemeinwesen ganz massiv.
Warum würden Sie sich wählen?
Leymann-Kurtz: Ich halte mich für zuverlässig. Wenn ich für eine Überzeugung eintrete, dann können sich Wähler auf mich verlassen. Ich bin sozial orientiert und sehe aus dem Blickwinkel der "einfachen normalen Menschen". Ich glaube, das wäre für mich auch der Hauptgrund, warum ich mich wählen würde.
21:26
Der Herr ist einfach nur peinlich.
Wenn er denn schon nicht den Kosovo-Krieg verhindern konnte,
warum ist er in einem Interview als OB-Kandidat nicht in der Lage,
zwei zusammenhängende Sätze ohne Versprecher zu formulieren?
22:31
Liebe MitverfasserInnen,
ich finde es prima, wie kontrovers die Militärinventionen im ehemaligen Jugoslawien diskutiert werden - deshalb möchte auch ich meinen Senf dazu abgeben.
Wie bei so vielen anderen Konflikten / Kriegen auch, gab es bei den Kriegen zwischen den Nachfolgestaaten Jugoslawiens massive wirtschaftliche Interessen. Die Abspaltung der wohlhabenderen Teilrepubliken (insbesondere Sloweniens) hat - wie in vielen anderen Fällen auch) die Nationalisten gestärkt. Dies war zu einem relativ frühen Zeitpunkt absehbar und ist - wie u. a. Ludger Vollmer, der spätere Staatssekretär von Fischer - auch im Außenausschuss intensiv diskutiert worden. Wirtschaftliche Hilfen zu einem früheren Zeitpunkt hätten höchstwahrscheinlich ein derartiges Hochkommen der Nationalismen verhindert - und wären unterm Strich sicher auch billiger als alle Militäreinsätze gewesen. Leider gab es insbesondere innerhalb der EU zu viele und zu unterschiedliche Interessen (traditionelle Bündnisse mit den einzelnen Teilrepubliken), um hier gemeinsam zu handeln. Denken wir nur an die vorschnelle und einseitge Anerkennung Sloweniens und Kroatiens durch die BR Deutschland durch Genscher.
Ich bin durchaus kein Pazifist, aber Militärinterventionen sind selten von Erfolg gekrönt - und wären bei einer weitsichtigeren Außenpolitik auch oft schlicht unnötig. Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe z. B. der vietnamesische Einmarsch in das Kambodscha Pol Pots.
Im Ergebnis sind fast sämtliche Nachfolgestaaten Jugoslawiens durch diese Kriege geschwächt und mit Serbien (einem traditionellen Verbündeten Russland) hat man einen prima Bösewicht aufgebaut.
14:15
Lieber Knut,
ach hätte doch der Scharping damals in Bosnien schon einen Hufeisenplan aus dem Hut gezaubert, Srebrenica wäre uns erspart geblieben.
13:56
Lieber Cetin,
falls Du damit den offenkundig gefälschten Hufeisenplan, den Scharping damals vorgestellt hat, so bist Du einer Fälschung aufgesessen.
13:12
Lieber Knut!
Doch, das NATO-Bombardement hat einen Völkermord in Kosovo verhindert. Und wie Erwin schreibt, hätte ein militärisches Eingreifen auch den Völkermord in Srebrenica verhindert.
12:56
Es ist wohl unbestreitbar, dass der Genozid im Ex-Jugoslawien nur durch das Nicht-Eingreifen der niederländischen Schutztruppe möglich gemacht wurde. Aber diese Fehleinschätzung reiht sich in die lange Geschichte von Irrtümern der politischen Kräfte ein. Appeasement-Politik ermöglicht oftmals die aggresive Strategie der Kriegstreiber.
Herr Leymann-Kurtz, ich finde es konsequent und nachvollziehbar, dass sie die Zustimmung zum Kosovo-Krieg als Auslöser für ihren Parteiaustritt genommen haben.
Aber informieren Sie sich bitte mal bei seriösen Historikern über die Hintergründe zum Kosovo-Krieg.
Einer Fehleinschätzung zu erliegen ist keine Schande, aber starr an falschen Behauptungen festzuhalten, um damit seine allgemein Haltung gegen Krieg zu untermauern, bedeutet für mich, dass Sie noch etwas dazulernen können.
Diese Größe sollten Sie doch besitzen, oder nicht?
12:02
Lieber Cetin,
wie Du weißt, hat kein NATO-Bombardement einen Genozid verhindert, nicht im ehemaligen Jugoslawien, nicht in Afrika und auch sonst nirgendwo. Ich glaube der Begründung für das NATO-Bombardement auf Jugoslawien nicht. Aber ich leugne auch keinen Massenmord.
10:59
Auf Bundesebene regierten SPD und Grüne gemeinsam von 1998 bis 2005, können Sie mir soweit zustimmen?
Einführung der Praxisgebühr war 2004, die Studiengebühren wurden gar schon in den 90ern eingeführt. Gegen etwas zu sein und es dann doch zu tun, ist verlogen. Und damit meine ich jetzt nicht den Kosovo-Krieg, für den die dortige Bevölkerung dankbar ist und im Gegensatz zu Irak und Afghanistan kein einziger NATO-Soldat Opfer eines Anschlages wurde, auch wenn jemand wie Sie diesen Unterschied verleugnet, genauso wie Völkermorde, Stichwort Srebrenica.
Auch ich bin aus der Partei ausgetreten, aber aus anderen Gründen wie Sie, im Gegensatz zu Ihnen leugne ich keine Völkermorde und sehe die alltäglichen (!) Probleme der Ärmsten der Armen in Deutschland.
10:12
Lieber anonyme/r Herr/Frau Maksuti,
zu ihrer Orientierung: Im März 1999- also vor über zehn Jahren - habe ich die Partei B90/Die Grünen verlassen.
Praxisgebühr und Studiengebühren, aber auch Agenda 2010 waren damals noch kein Thema.
Im Übrigen - und auch hier sind sie beschränkt informiert - waren und sind die Grünen NICHT pro Studiengebühren. Soviel Genauigkeit muss schon sein.
MfG
Hans Peter Leymann-Kurtz
09:22
Statt gegen den Kosovo-Krieg hätte er sich mal lieber gegen die Praxisgebühr und Studiengebühr eingesetzt als Grüner. Das war der Grund für meinen Austritt, nicht der Kosovo-Krieg.
Hans Peter ist nur ein Populist, der auf Stimmenfang aus ist mit seiner Kosovo-Polemik und nicht auf die wahren Bedürftigen im Lande hört.