Das aktuelle Wetter Essen 10°C
Kunst

Ein Künstler-Haus in Essen reicht nicht aus

08.01.2012 | 15:57 Uhr
Ein Künstler-Haus in Essen reicht nicht aus
Im Gebäude, das früher „RTL West“ beherbergte, gibt es nun Raum für Künstler.

Essen.  Die Resonanz auf Essens neues Angebot für Künstler übertrifft alle Erwartungen. In der Umgebung des künftigen Atelier-Hauses an der Schützenbahn könnten in naher Zukunft weitere Werkstätten für freie Kulturschaffende entstehen.

Die Stadt plant konkret, das Angebot an Ateliers für freie Künstler in der Nord-City deutlich auszuweiten. In der Umgebung des künftigen Atelier-Hauses an der Schützenbahn , das derzeit in einem leer stehenden Bürogebäude eingerichtet wird, könnten in naher Zukunft weitere Werkstätten für freie Kulturschaffende entstehen. „Wir führen bereits Gespräche“, berichtet Alfons Wafner vom Kulturbüro der Stadt.

Für das künftige Atelier-Haus an der Schützenbahn liegen 60 Bewerbungen von Künstlern vor. Auch Vertreter kultureller Einrichtungen hätten bereits angeklopft, berichtet Wafner, es gehe um langfristige Kooperationen. „Das alles zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ 60 000 Euro investiert die Stadt in den kommenden drei Jahren in die Immobilie und ermöglicht so interessierten Künstlern ein preiswertes Domizil, das 2,50 Euro pro Quadratmeter und Monat kostet. Die ersten Kandidaten besichtigten bereits die Räume, heißt es.

„Kunsthaus Essen“ übernahm Trägerschaft

Künstler der Initiative „Freiraum “ hatten im Sommer 2010 das leer stehende DGB-Haus an der Schützenbahn besetzt . Sie machten damit auf den Missstand aufmerksam, dass günstiger Raum für freie Künstler fehlt . Kulturdezernent Andreas Bomheuer nahm sich daraufhin der Sache an. Im Herbst 2011 zeichnete sich dann die Lösung ab: Bezogen wird jetzt das Gebäude, das früher „RTL West“ beherbergte.

Die offizielle Trägerschaft hat der Verein „Kunsthaus Essen“ übernommen. Der Verein betreibt seit den Achtziger Jahren sein Domizil an der Rübezahlstraße in Rellinghausen. „Kunsthaus Essen “ ist offizieller Mieter des neuen Atelierhauses. „Der Verein greift inhaltlich nicht ein“, versichert Johannes Gramm, der Vorsitzende.

"Freiraum"-Künstler fühlen sich ausgeschlossen

Die Künstler, die sich bei „Freiraum“ versammeln, fühlen sich trotzdem ausgeschlossen – und lehnten in dieser Woche die Immobilie endgültig ab. Es ist nicht nur jugendliche Widerspenstigkeit, die man den Künstlern von „Freiraum“ vielleicht noch als branchenübliche Eigensinnigkeit auslegen könnte. Sondern hinter der Ablehnung verbirgt sich offenbar viel verletzte Eitelkeit – denn so frei sind viele der „Freiraum“-Künstler gar nicht. Sondern organisiert im Kunstverein „Port“, der seit 2004 existiert und sein offizielles Domizil in der Bürgerbegegnungsstätte „Storp 9 “ im Südostviertel hat.

„Das Konzept war schon fertig, als wir hinzukamen“, sagt Joscha Hendricksen, der Sprecher der Initiative „Freiraum“. Er ist gleichzeitig Vorstandsmitglied bei „Port“. Man habe zwar Ateliers gefordert, aber: „Wir wollten einen Raum, in dem ,Port’ als Mieter auftritt.“

Dabei betrachten sich weder „Port“ noch „Kunsthaus“ gegenseitig als Konkurrenz: „Kunsthaus“ setzt Schwerpunkte in bildender Kunst; „Port“ ist vor allem im öffentlichen Raum aktiv.

Martin Spletter

Facebook
 
Kommentare
12.01.2012
19:30
Wir fühlen uns nicht ausgeschlossen (eine Richtigstellung im Namen von Freiraum2010 & dem Port e.V. von Nils Andersch)
von JoschaHendricksen | #5

Wir fühlen uns aus der RTL-Immobilie (bitte nicht zu verwechseln mit dem DGB-Haus) weder ausgeschlossen, noch spielt “verletzte Eitelkeit” eine Rolle bei unserer Entscheidung, diese Räume als Freiraum nicht zu beziehen. Im Vordergrund standen zunächst mal Finanzierungsprobleme, da auch bei einer Quadratmetermiete von nur 2,50€ bei etwa 1000qm, im Monat 2500€ plus Nebenkosten und Investitionskosten aufgebracht werden müssen. Ohne die Möglichkeit der Durchführung regelmäßiger Abend- und Musikveranstaltungen (die seitens der Vermieterin, aufgrund des Schutzes der im Gebäude wohnenden Mieter, ausdrücklich nicht erwünscht sind) und entsprechenden Einnahmen aus Spenden, Eintrittsgeldern oder Getränkeverkauf, fällt es uns sehr schwer diese Immobilie zu einem für uns bezahlbaren Raum zu machen.

Die beispielsweise 25 bildenden Künstler, die jeweils 100€ im Monat für die Nutzung von reinen Atelier- bzw. Studioräumen aufbringen können und wollen, finden sich leider nicht in unseren Reihen. Unser künstlerisches Spektrum erstreckt sich von Musik über Theater- und Performance bis hin zur bildenden Kunst. Unser Interesse besteht in erster Linie darin, unsere Stadt mit dieser künstlerischen Bandbreite zu beleben und nicht darin, einzelne Künstler in Räumen unterzubringen.

Aus diesen rationalen Abwägungen (die uns auch einige Zeit gekostet haben, weil wir uns ernsthaft und bis ins Detail mit diesem Angebot beschäftigt haben) heraus, mussten wir leider in unserem Plenum zu dem Schluss gelangen, dass diese spezielle Immobilie für uns als Gruppe weder bezahlbar noch geeignet ist. Das heißt jedoch nicht, dass wir dem Projekt feindlich gegenüberstehen, oder einzelne Künstler auch aus unserem Umfeld davon abhalten möchten, das Angebot für sich individuell zu prüfen und auch wahrzunehmen. Wir freuen uns über jeden Künstler, der in Essen einen geeigneten Arbeitsraum findet, ob in der Nordstadt oder sonstwo, und sind als Netzwerk offen für Zusammenarbeit.

Davon unberührt bleibt unsere Einstellung, dass die künstlerische und kulturelle Vielfalt und Attraktivität der Stadt Essen eher mit Projekten im soziokulturellen Bereich und in Zusammenarbeit mit den Akteuren an der Basis gefördert werden kann, als mit kreativwirtschaftlichen Konzepten in Zusammenarbeit mit der Immobilienwirtschaft. Für Diskussionen und Konzeptentwicklungen in dieser Hinsicht sind wir jederzeit gerne bereit, da wir hier einen Kernpunkt unserer Arbeit sehen.

Zuletzt noch eine Klarstellung zum Verein Port e.V.: Die Mehrzahl der Aktiven der Freiraum-Gruppe sind nicht im Port e.V. organisiert. Der gemeinnützige Verein für Kunstförderung sieht es aber als eine Hauptaufgabe an, junge Kunst auch abseits der akademischen und vermarktbaren Sphären zu fördern und bietet sich deshalb mit seinen Strukturen unter anderem für Projekte wie den Freiraum an. Beispielsweise als juristische Person in (Miet-)Verträgen, bei der Akquise und Abrechnung von Fördermitteln oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Mit zunehmender vertrauensvoller Zusammenarbeit, kommt es dabei selbstverständlich auch zu zunehmenden personellen Überschneidungen der zusammenwirkenden Strukturen.

Nils Andersch im Namen des Freiraum2010 und des Port e.V.

09.01.2012
08:49
Ein Künstler-Haus in Essen reicht nicht aus
von foxtrott | #4


Vielleicht wäre eine Lösung für alle die, dass einige gut verdienende Künstler, oder als Schirmherr auch ein kultureller Verein, innerhalb der neuen Gebäude Räume für genau diese sich noch findenden Künstler mieten und kostenlos anbieten würden.Auf diese Idee müsste man eigentlich auch schon gekommen sein...Schade wäre, wenn durch kleinliche Streitereien, egal, von wem initiiert, Künstler auf der Strecke blieben.

09.01.2012
02:21
Blockierter Kommentar.
von JoschaHendricksen | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.01.2012
02:19
Einige Ergänzungen
von JoschaHendricksen | #2

Sehr geehrte Öffentlichkeit!

Im Namen der Gruppe Freiraum2010 möchte ich hier ein paar Dinge richtig stellen, die in der Presse nicht richtig dargestellt wurden.

Wir haben uns mit "Freiraum2010" für Platz für Kreative eingesetzt und so scheint es vielen verwunderlich, warum wir uns am Projekt "Atelierhaus Schützenbahn" nicht beteiligen wollen.

Bereits in der ersten Stellungnahme zu diesem Thema in der NRZ haben wir erklärt, dass wir uns freuen, dass das Projekt „Atelierhaus Schützenbahn“ zu Stande gekommen ist, doch nun erschwert es uns unserer ehrenamtliches Engagement für Freiräume doch sehr und das aus folgenden Gründen:

Das Projekt „Atelierhaus Schützenbahn“ läuft unter gänzlich anderen Prämissen, als unser Projekt in der Lukaskirche (obgleich wir, wie es für eine vertrauenswürdige Projektentwicklung gehört, für jeden Raum ein spezifisches „Freiraum-Konzept“ entwickelt hätten).

Ich bitte jedeN, der/die sich dafür genauer interessiert, das öffentlich zugängliche Konzept für das „Atelierhaus Schützenbahn“ selbst zu lesen:

http://ris.essen.de/document/MgyPhzIfuFYn8Rn6Me.LfxEfw8aq8Xi0MgyPe.EawAWn8Sq9Qm4PcwCfuAUrBOn6Re1MewEbuCav9Pq4Pn.Pe-IXw8aqBOn6Qm4PcwCfwCSm8Uk4OnyGcwCfsCSn7Qm9MgyPhuHcsCSn7Qm9Nf-McxCasBSq6Pj6QiyGe.EauHSmGJ/Anlage_Raum_fuer_Kunst.pdf

Unser stadtkultureller Impuls zielt darauf hin einen lebendigen und sozialen Ort für Kunst zu schaffen, in dem wir unsere Erfahrungen und unser soziales Engagement einbringen können und in dem auch und insbesondere nicht professionell arbeitende KünstlerInnen und Kunstinteressierten einen Ort finden, den sie gerne besuchen: Einen Begegnungsort der Künste (im Sinne eines erweiterten Kunstbegriffs), der für junge und alte, aktive Leute einen Anlaufpunkt für die Beschäftigung mit Kunst bilden kann und der die zerstreute, oft unkommerziell arbeitende Off-Szene anlockt - sowie es in der Lukaskirche geschehen ist.

Wir haben in den Gesprächen mit der Stadt den Fehler begangen, nicht in aller Deutlichkeit zu artikulieren, welche Bedingungen das Projekt braucht, damit wir als Gruppe daran mitwirken können.

Wir haben als Gruppe für „Graswurzel-Kunst mit Selbstrespekt“ als hier lebende und arbeitende Menschen angefangen und sehen jetzt mal weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Freiraum

1 Antwort
Noch mehr Ergänzungen
von JoschaHendricksen | #2-1

Noch weitere Konkretisierungen, Richtigstellungen und Ergänzungen hat mein Kollege Nils Andersch hier unternommen:

http://www.ruhrbarone.de/essen-freiraum-initiative-fuehlt-sich-nicht-ausgeschlossen/

09.01.2012
02:06
Blockierter Kommentar.
von JoschaHendricksen | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
Ein Künstler-Haus in Essen reicht nicht aus
von martinff | #1-1

Bei allem Verständnis für ein Kunstverständnis das Kommerzialisierung ausschließt, finde ich das Angebot der Stadt Essen (soweit es sich mir als Außenstehender erschließt). wirklich fair und gut. 2,50 pro qm sind doch quasi geschenkt, sollte man 15qm beziehen kosten die 37,50 € !! im Monat. Da kann man fast von einem symbolischen Mietpreis sprechen und die Finanzierung sollte bei gutem Willen möglich sein, da reicht vielleicht schon eine Kaffeekasse.
Also ich finde die Idee gut und fände es klasse, wenn sich dieser Ansatz etablieren würde: für die Künstler, für die Stadt und für das Nordviertel.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6221422/create

Aktuelle Fotos und Videos
Raucher als Kunstwerke
Bildgalerie
Ausstellung
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
Aus dem Ressort
Kein Respekt vor Alfred
Vandalismus
Unbekannte Täter besudelten erneut die Krupp-Statue vor der Marktkirche in der Innenstadt mit farbigen Lettern. Damit bewiesen sie eher zweifelhaften Humor.
In sicherer Entfernung
Landespolitik
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Hempelmann wird als NRW-Minister gehandelt.