Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Essen

Ein Kampf an vielen Fronten

09.05.2008 | 20:27 Uhr

Das eine Mittel gegen Krebs wird es niemals geben, aber am Medizinstandort Essen wird täglich in Labors, OP-Sälen und internationalen Netzwerken mit bösartigen Zellwucherungen gerungen

Nach neuen Chancen in der Krebstherapie wird am Universitätsklinikum Essen, einer führenden Adresse in diesem Bereich, Tag für Tag geforscht. Foto: WAZ-Archiv, Rennemeyer

AKTION MITREDEN! WAZ LESEN"Wann wird endlich ein Mittel gegen den Krebs erfunden?" Diese Frage stellte WAZ-Leserin Sabine Korth im Rahmen der Aktion "Mitreden! WAZ lesen". Keine leichte Frage.

"Es hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, aber es wird niemals ein einziges Medikament gegen Krebs geben", stellt Professor Dr. Martin Schuler, Direktor der Klinik für Innere Medizin (Tumorforschung) am Universitäts-Klinikum, fest. "Denn 'Krebs' ist ein Sammelbegriff für Hunderte von Erkrankungen, die sich allein dadurch gleichen, dass es zu bösartigen Zellwucherungen kommt."

Eine große Chance im Kampf gegen Krebserkrankungen liegt zunächst in der Vorsorge. "Regelmäßige Vorsorge und Impfungen würden Frauen einen nahezu hundertprozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bieten", erklärt Professor Rainer Kimmig, Direktor der Frauenklinik am Uni-Klinikum.

Bei der Versorgung von Krebspatienten sind die Kliniken in Essen gut aufgestellt. "Dabei kommt es nicht so sehr auf die Größe einer Klinik an, sondern auf eine leitliniengerechte Behandlung", erklärt Kimmig. "Eine Studie zeigt beispielsweise, dass 2004 drei von vier Frauen dadurch Eierstockkrebs im fortgeschrittenen Stadium überlebt haben. Dagegen überlebte nur ein Viertel der Frauen diese Krebserkrankung bei einer nicht leitliniengerechten Behandlung." Wichtig sei, dass Mediziner verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten, sich in Tumorkonferenzen austauschen und die Möglichkeit zur Teilnahme an Studien gegeben sei.

In Essen gibt es beispielsweise mit dem Westdeutschen Magen- und Darmzentrum oder dem Onkologischen Klinikverband zahlreiche Kompetenzzentren. Das Westdeutsche Tumorzentrum (WTZ) - 2006 am Uni-Klinikum gegründet - bietet einen kompletten Brückenschlag von der Forschung bis hin zur Anwendung und damit allumfassende Behandlungsmöglichkeiten. Dabei geht es nicht darum, hier alle Krebspatienten zu behandeln, sondern durch Beratung und Wissenstransfer eine qualitativ hochwertige Behandlung auch externer Patienten zu ermöglichen.

"Im vergangenen Jahr richteten wir eine Online-Konferenz in der Gynäkologie als regionales Pilotprojekt ein", erklärt Kimmig. "Inzwischen beteiligen sich bis zu 60 Teilnehmer - Kliniken und niedergelassene Ärzte - aus dem ganzen Bundesgebiet."

Der Schwerpunkt in der Onkologie - neben Herz-Kreislauferkrankungen und Transplantation - beschert dem Uni-Klinikum eine führende Rolle, sogar im überregionalen und europäischen Vergleich. "Schließlich befinden wir uns hier in einer der bevölkerungsreichsten Regionen, haben dadurch hohe Patientenzahlen und es gibt hier die komplette Vielfalt aller Fachdisziplinen", erklärt Prof. Angelika Eggert, geschäftsführende Direktorin des WTZ. "Einige seltene Tumorarten, wie beispielsweise bestimmte Augentumore, werden deutschlandweit nur hier und in Berlin behandelt. Zudem gibt's hier das größte Knochenmark-Transplantationszentrum Europas und 2009 wird das Protonenzentrum - bislang das Einzige in NRW - eröffnet." Gemeinsam mit der Ruhrlandklinik stellt das Uni-Klinikum eines der vier größten Lungenfachzentren in Deutschland. In einigen Fachgebieten besteht bereits weltweite Zusammenarbeit. "Im Kampf gegen Eierstockkrebs gibt's ein Netzwerk mit Kliniken in Amerika, Kanada, Skandinavien, Frankreich und Großbritannien", so Kimmig.

Den Medizinern im WTZ ist es auch wichtig, ihre Erfahrungen in Länder weiterzugeben, die in ihrer medizinischen Entwicklung noch nicht so weit sind. So besteht ein reger Austausch mit Kliniken in Russland, Polen und China.

Von Andrea Kleemann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1547321/create

Aktuelle Fotos und Videos
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
30. Pfingst Open Air
Bildgalerie
Festivals
Aus dem Ressort
Jäger und Landwirte retten Rehkitze in Essen vor Heuernte
Rehkitz-Rettung
Für Kitze wird die Heuernte zur Lebensgefahr, wenn die Ricke sie im Gras abgelegt hat. Die tierschutzgerechte Frühmahd, wie Jäger die Kitz-Rettung nennen, ist im Laufe der Jahre mit ständig größer werdenden Landmaschinen und schneller fahrenden Traktoren immer wichtiger geworden.
Ruhrmuseum und Kinemathek zeigen alte Krupp-Filme
Krupp
Im Rahmen der Ausstellung „200 Jahre Krupp“ haben Ruhrmuseum und Kinemathek im Ruhrgebiet sieben Kinoabende auf Zollverein und in der Lichtburg mit Filmen von und über Krupp zusammen gestellt. „In dieser Fülle hat es das bisher nicht mal im Ansatz gegeben“, sagt Museumschef Heinrich Theodor Grütter.
Foto Text