Ein Haus Gottes im eigenen Zuhause

Altfrid Breiderhoff hat in der kleinen Kapelle in seinem Haus Platz genommen. Seine Oma und sein Opa schauen ihm über die Schultern.Fotos:Jörg Schimmel
Altfrid Breiderhoff hat in der kleinen Kapelle in seinem Haus Platz genommen. Seine Oma und sein Opa schauen ihm über die Schultern.Fotos:Jörg Schimmel
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Was wir bereits wissen
Altfrid Breiderhoff beherbergt eine kleine Kapelle in seiner Wohnung und somiteine Besonderheit: Es ist die einzige im gesamten Bistum Essen.

Essen.. An den Osterntagen zieht es Gläubige (und auch weniger Gläubige) wieder verstärkt in die Kirchen. Der Tod Jesu, die Auferstehung, ein besonders spannender Stoff in der auch darüber hinaus mit vielen lesenswerten Geschichten glänzenden Bibel. Auch Altfrid Breiderhoff, bekennender Katholik, geht Ostern gerne in die Kirche. Dabei könnte der 58-jährige Borbecker den sakralen Raum aufsuchen, ohne die eigenen vier Wände an der Fürstenbergstraße verlassen zu müssen. Altfrid Breiderhoff hat ein Haus Gottes im Haus: Die einzige private Kapelle im Bistum Essen.

Seit über 100 Jahren steht das Haus der Familie vis-a-vis zum Schlosspark. Und fast ebenso lang können die Bewohner zu kleinen Gottesdiensten oder zur persönlichen inneren Einkehr ihre kleine Kapelle besuchen. Der Raum ist im Obergeschoss, von der Treppe führt ein langer Gang zu einer eher unauffälligen Tür. Wer diese öffnet, tritt in ein 20 Quadratmeter großes und angenehm ehrwürdiges Refugium ein. Eine Miniatur-Kirche im Maßstab 1:35. Der erste Blick fällt auf das mit roten Kreuzen verzierte Fenster mit Bleiverglasung an der gegenüberliegenden Wand. Davor steht die hölzerne Madonna auf der Fensterbank, links daneben wartet eine kleine Orgel auf musikalische Finger. Rechts entdecken die Augen einen kleinen Altar mit aufgeschlagener Bibel. Links warten zwölf Stühle mit rot glänzenden Ledersitzen. Dahinter, an der getäfelten Holzwand, schauen die Großeltern von Altfrid Breiderhoff von großen Gemälden kritisch auf den Besucher herab.

„Mein Opa, Franz Pothmann, hat die Kapelle in unserem Haus 1920 eingerichtet“, erklärt der heutige Besitzer Altfrid Breiderhoff. Sein Großvater war Bauunternehmer in Borbeck, arbeitete viel für die Kirche, ließ unter anderem den Kirchenturm von St. Maria Immaculata errichten. Pothmann war zudem ein sehr gläubiger Katholik. So kam ihm die Kapellen-Idee. Und das damals zuständige Erzbistum Köln erteilte die Genehmigung. Die Einsegnung der Räumlichkeiten übernahm ein Bischof.

In den Familien Pothmann und dann Breiderhoff wird die Kapelle seitdem, und damit inzwischen fast 100 Jahre, für christliche Feierlichkeiten genutzt. Und regelmäßig kommt deshalb auch die große Kirche in der kleinen Kapelle vorbei. Norbert Linden, Pfarrer an St.Dionysius Borbeck, hat mehrere Inhouse-Feiern begleitet: „Ein schöner kleiner Gottesdienstort, eine echte Hauskapelle“, schwärmt der Geistliche.

Die Eltern von Altfrid Breiderhoff wurden hier getraut und haben auch silberne und goldene Hochzeit in der Kapelle gefeiert. Auch Geburt und Tod waren zu Gast. Verstorbene enge Verwandte wurden hier einst aufgebahrt, zahlreiche Kinder der Familien wurden hier getauft, darunter zuletzt Enkel und Neffen des heutigen Kapellen-Patrons Altfrid Breiderhoff. Wenn dessen Familie Ende des Jahres an der Fürstenbergstraße zusammenkommt, gibt es Silvester, kurz vor Mitternacht, eine kleine gemeinsame Andacht. „Unser besonderer Familientreff“, erklärt Altfrid Breiderhoff mit heimeliger Stimme.

Dem 58-Jährigen, der in dem Haus aufgewachsen ist, wurde das Patronat einst von seinem Vater übertragen, der es wiederum von Opa und Bauherr Franz Pothmann übernommen hatte. „Diese Tradition wird weitergegeben“, sagt Altfrid Breiderhoff.