Ein Flughafen für eine „Klima-Expo“
07.10.2010 | 13:21 Uhr 2010-10-07T13:21:00+0200
Essen.Die Landesregierung will die Weltausstellung ins Ruhrgebiet holen, in Essen und Mülheim wird bereits über das passende Areal diskutiert. Dem NRW-Umweltministerium geht die Diskussion bereits zu weit.
Blicken wir doch mal optimistisch in die Zukunft: Das Kulturhauptstadt-Jahr ist nicht ganz abgelaufen, da erhält Essen den Zuschlag als „Innovation City“. Frohnhausen, Altendorf, West- und Nordviertel werden für geschätzte vier Milliarden Euro zu Vorzeigevierteln umgestaltet, in denen beispielhaft Klima geschont und Energie gespart wird. Sollte Essen tatsächlich den Zuschlag erhalten, würde das ganze Bündel an Projekten bis 2020 laufen. Geschmeidig könnte sich der Kreis dann schließen mit einem Mega-Projekt – einer Weltausstellung zum Thema Klima, einer Expo, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Spinnerei? Abwarten. Die Diskussion über eine mögliche „Klima-Expo“ hat jedenfalls bereits begonnen. Ein Gelände wird in Essen und Mülheim auch schon benannt: der Flughafen beiderseits der Stadtgrenze.
Ausgelöst hat diese erste Expo-Euphorie der rot-grüne Koalitionsvertrag, in dem SPD und Grüne das Ziel einer „Expo Fortschrittsmotor Klimaschutz“ in NRW festgeschrieben haben. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bekräftigte in ihrer Regierungserklärung, die Bundesregierung zu bitten, „unsere Bewerbung um eine internationale Weltausstellung zu unterstützen“. Vor Ort soll das der ehemalige Eon-Personalchef Christoph Dänzer-Vanotti übernehmen, als künftiger Chef des Regionalverbandes Ruhr (RVR): Das Ruhrgebiet als Austragungsstätte im Jahr 2020 lautet sein Ziel.
Expo „ohne Wenn und Aber“
Kaum war dies verkündet, eröffnete Essens CDU-Fraktionschef Thomas Kufen den Unterstützer-Kreis für die Expo „ohne Wenn und Aber“. Bauausstellung Emscherpark, Kulturhauptstadt und Klima Expo, das wäre ein „exzellenter Dreiklang“, die Zukunftsfähigkeit der Region würde unterstrichen, Essen zum „Zentrum der führenden europäischen Energieregion“. Ein mögliches Areal wäre tatsächlich der Flughafen, betont Thomas Kufen.
Der ungeliebte Flughafen – auf dieses Stichwort reagierten Tage später nicht nur die Essener Grünen, sondern auch die gesamte Anti-Flughafen-Koalition in Mülheim (CDU, Grüne, MBI), die sich die Klima-Expo wohl auch deshalb umgehend auf ihre Fahnen geschrieben haben.
„So riesig groß muss sie gar nicht werden“
Eine Bewerbung gemeinsam mit Essen, ein Leuchtturm-Projekt, das gleichzeitig das vorzeitige Aus für den Flughafen bedeuten würde, „dagegen kann man nicht sein“, sagt beispielsweise Waldemar Nowak, Sprecher des Mülheimer Netzwerks gegen Fluglärm. Und auch die Essener Grünen sehen in einer Klima-Expo eine „sinnvolle alternative Nutzung“ für das Areal, so die Fraktionsvorsitzende Hiltrud Schmutzler-Jäger.
Groß genug wäre der Flughafen: 140 Hektar, da würde eine Weltausstellung schon Platz finden, die Expo in Hannover beispielsweise benötigte gerade einmal 20 Hektar mehr, „und so richtig riesig groß muss sie gar nicht werden“, meint etwa Essens SPD-Parteichef und Landtagsabgeordneter Dieter Hilser, der die Festlegung auf den Flughafen allerdings „in einer so frühen Phase für die falsche Herangehensweise“ hält: „Ich glaube, es ist noch nicht mal hilfreich, jetzt schon eine Stadt in Stellung zu bringen.“
Abfindung zahlen
Das sieht man beiderseits der Landebahn in den Stadtverwaltungen anders. In Mülheim zeigt sich Umweltdezernentin Helga Sander ebenso begeistert wie ihre Essener Kollegin Simone Raskob: „Wir haben das Thema im Verwaltungsvorstand noch nicht besprochen, aber ich würde es für einen guten Abschluss von Innovation City halten. Es würde passen.“ Und auch der Flughafen wäre bestens geeignet.
Na bitte: Für den Aero-Club, der auf dem Flughafen noch bis 2034 einen gültigen Vertrag hat, und für das Luftfahrtunternehmen WDL, das bis 2025 Nutzungsrechte besitzt, würde sich aus den Zuschuss-Töpfen für eine Klima-Expo schon eine Abfindung finden lassen, ist eine der Hoffnungen, zumal andere Lösungen, wie es sich die Mülheimer gerade einmal wieder von einem Gutachter haben vorrechnen lassen, locker Millionenbeträge kosten dürften. Egal, ob man nun die bestehende Landebahn verkürzt, oder sie gar an den Rand des Flughafens verlegt, um Platz für andere Nutzung zu schaffen – es käme teuer.
„Und alles Weitere später, später, später“
Aber wer spricht bei einer Expo schon von Geld. Rund 3,5 Milliarden Mark kostete die Expo 2000 in Hannover. Die Investitionen sollen sich gelohnt haben: Dem Defizit von 2,4 Milliarden standen angeblich Steuereinnahmen von 2,7 Milliarden gegenüber. Etwas verschätzt hatte man sich bei den Besucherzahlen: Statt der erwarteten 40 Millionen kamen in den fünf Monaten „nur“ 18 Millionen Menschen.
Zahlen, Daten, Fakten – nein, das geht dem NRW-Umweltministerium alles viel zu weit. Wann man denn die Bewerbung im Pariser Expo-Büro abgeben möchte? „Wir wissen, dass wir aller Welt zeigen wollen, wo NRW beispielsweise beim Klimaschutz steht“, sagt ein Sprecher, „doch wann, wo, wie groß, welche inhaltlichen Themen genau, mit welchen Partnern, auf welchem Gelände, das ist für uns noch alles zu früh.“ Sicher, man sei begeistert im Ministerium, das alle auf die Idee anspringen, doch die „Gruppe 41“ im Ministerium, die sich um die Klima-Expo kümmert, „steht noch ganz am Anfang. Es ist erst einmal nur eine Idee. Und alles Weitere, später, später, später“.
09:58
A52 Ausfahrt Kettwig:
Hier gehts zur Weltausstellung!
Und wenn es mal verstopft, kann man ja über die Zeppelinstrasse nach Mülheim oder den Schuirweg nach Werden zuwegen - haha.
Jede Halde im Essener Norden ist besser geeignet.
Hier geht es doch nur darum, den Sportflugplatz zu entfernen, der ein paar Anliegern auf den Keks geht.
21:03
Finde ich super und das mit dem Verkehr ... nun die A52 ist ja direkt nebenan
17:44
Super Vorschlag! Bitte so umsetzen! Der Flugplatz, ohne Zukunft, würde so zu einem zukunftsweisenden Ort für Essen und Mülheim!
16:28
In dieser Angelegenheit ist nur noch zu wünschen, dass sich auch die träge SPD aus ihrer Hängematte begiebt. Gerade dieser Partei in Essen - mehr noch in Mülheim - würde es gut zu Gesicht stehen, nicht immer an alten Zöpfen zu hängen, wie z.B. dem Kohlebergbau und jetzt dem Flughafen. Wenn ihr die Begeisterung für eine Klima-Expo nicht teilen könnt, steht wenigstens nicht im Weg.
15:48
Eine sehr gute Idee. Ich denke, Essen und Mülheim wären gute Gastgeber. Ruhrbania, Messe Essen und die RÜ sind nicht weit entfernt.
14:49
Ich hörs jetzt schon: So viel Autoverkehr durch die Besucher, die Bauarbeiten, gaaaaaanz fürchterlich....
14:39
Gute Idee; die führende Metropol-Region Deutschlands sollte jetzt richtig durchstarten!
14:33
Man soll immer für alles offen sein und bleiben.
Aber bitte lasst uns doch erst einmal 2011 Kassenschluss machen und Billanz zur Kulturhauptstadt zihen!
Wenn wir dann noch Geld haben unsere Schulken zu renovieren, keine weiteren Sportanlagen schließen müssen, ...
dann sollten wir das Projekt in Erwägung ziehen!