Ein „Feuerwehrmann“ für die Essener Immobilien-Tochter GVE

GVE-Chef Andreas Hillebrand steht nach wie vor in der Kritik.
GVE-Chef Andreas Hillebrand steht nach wie vor in der Kritik.
Foto: WAZ FotoPool
Allbau-Chef Miklikowski soll die finanziell angeschlagene Immobilien-Tochter der Stadt Essen auf Kurs bringen. Geschäftsführer Andreas Hillebrand steht wegen des undurchsichtigen Finanzgebaren in der Kritik. Die Grüne fragen: Was wusste der OB?

Essen.. Das fragwürdige Finanzgebaren der Grundstücksverwaltung Essen (GVE) bleibt für den in der Kritik stehenden Geschäftsführer, Andreas Hillebrand, nicht ohne Folgen. Zu „personalrechtlichen Konsequenzen“, über die CDU-Fraktionschef Thomas Kufen, noch tags zuvor laut nachgedacht hatte, mochte sich der Aufsichtsrat am Mittwochabend jedoch nicht durchringen. Hillebrand soll vielmehr kaufmännischer Sachverstand zur Seite gestellt werden, und zwar in Person von Dirk Miklikowski, Geschäftsführer der städtischen Holding EVV und Chef des Allbau. Miklikowski genießt bei der Stadtspitze einen guten Ruf, kennt sich aus mit Zahlen und wird mehr und mehr zum Feuerwehrmann, der löschen soll, wenn es brennt wie bei den Entsorgungsbetrieben Essen und nun auch bei der GVE.

De facto handelt es sich um eine Entmachtung Hillebrands, dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft. Künftig dürfte er nicht einmal mehr eine Überweisung unterschreiben, hieß es im Anschluss an die fünfstündige Sitzung des Aufsichtsrates.

Danach darf als sicher gelten, dass sich der GVE-Chef jener Rückstellungen bedient hat, die für die Instandhaltung des Museum Folkwang vorgesehen waren, um damit finanzielle Löcher zu stopfen, die der Bau des Stadion Essen hinterlassen hat. Summa summarum geht es um 5,6 Millionen Euro. Ob Hillebrand das Geld einsetzen durfte, soll nun das Rechtsamt klären. Ein Verstoß gegen die vertragliche Vereinbarung zwischen der Stadt und der Krupp-Stiftung war es allemal. Die Krupp-Stiftung war bereits vor der Aufsichtsratsitzung von der Stadt informiert worden, sie will offiziell aber nichts zu den Vorgängen sagen. Allerdings darf man sicher sein, dass man auf dem Hügel über eine auf Dauer angelegte Zweckentfremdung der Instandhaltungsrücklage nicht amüsiert wäre. Die Stadt steht - auch von dieser Seite - unter misstrauischer Beobachtung. Diese werde ihren vertraglichen Verpflichtungen selbstverständlich vollumfänglich nachkommen, erklärte OB Reinhard Paß per Pressemitteilung am Abend

Wofür die GVE welche Summen im Detail aufgewandt hat, konnten auch die Wirtschaftsprüfer nicht beantworten. Zur eigenen Überraschung erfuhren die Mitglieder des Aufsichtsrates, dass die GVE über ein einziges Konto bei der Sparkasse Essen verfügt, über das sämtliche Projekte abgewickelt werden. Auch die treuhänderisch zu verwendenden Folkwang-Gelder waren auf dieses Konto eingezahlt worden.

Ausgestanden ist die Geschichte für Hillebrand nicht. „Alle im Raum stehenden Vorwürfe müssten lückenlos aufgearbeitet werden. Wenn Fehler passiert sind, müssen diese konsequent abgestellt werden“, forderte SPD-Fraktionschef Rainer Marschan. Auch deshalb bleibt Hillebrand im Amt. Aus einer möglichen persönlichen Haftung wollte ihn der Aufsichtsrat nicht entlassen.

Die Grünen warnen indes davor, den GVE-Chef „zum Bauernopfer zu machen“. Geklärt werden müsse, ob OB Paß und Stadtkämmerer Lars-Martin Klieve Kenntnis von der Zweckentfremdung hatten. Immerhin habe ein Referent des OB zu Zeiten des Stadionbaus als Chefjurist bei der GVE gearbeitet; die Geschäftsvorgänge bei der Stadttochter dürften ihm nicht fremd gewesen sein, mutmaßen die Grünen. Der mutmaßliche Skandal zieht bereits Kreise.