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Ein deutscher Held mit Zungenschlag

31.08.2010 | 18:54 Uhr
Ein deutscher Held mit Zungenschlag
Szene aus „Wattse schon imma von Siechfried wissen wollten“.

Essen. Eine neue und nicht ganz ernstehafte Version des urdeutschen Nibelungenliedes hatte jetzt Premiere im Theater Thesth.

Die Deutschen scheinen ein gestörtes Verhältnis zu ihren Heldensagen zu haben: Während zum Beispiel die Engländer die Geschichten um ihren König Artus in zahlreichen populären Film- und Bühnenversionen dem breitem Publikum immer wieder nahe bringen, bleibt der deutsche Siegfried bis auf wenige Ausnahmen auf die Opernhäuser beschränkt. Die Essener Autorin Mechthild Friedburg ging das Wagnis ein und verpackte das Nibelungenlied für das Theater Thesth in das heiter-ironische Stück „Wattse schon imma von Siechfried wissen wollten (oda auch nich)“ mit Ruhrpott-Zungenschlag.

Siechfried (Giardano Guarino) ist ein toller Hecht. Das findet vor allem er selbst. Für den smarten Königssohn kann es seiner Ansicht nach nur einen angemessenen Lebensweg geben: Ein paar Heldentaten begehen und dann „Germaniens Next Topmodel“ ehelichen. Bald schon begegnet er Faffnir (Michael Gerritzen) – der Schatzhüter wirkt jedoch eher wie ein tuntiges Grubenmännchen denn wie ein furchterregender Drache. So oder so nimmt Siechfried die Herausforderung an und besiegt Faffnir – beim Hütchenspiel. Dass es sich beim Schatz lediglich um Grubengold handelt, stört ihn nicht, denn schließlich macht ihn das Blut des durch einen Unfall unglücklich verschiedenen Faffnir unsterblich.

Die Schnapsdrosseln Lore und Leila (Walburga Lindow und Nicole Burggraf) zwitschern ihm etwas von der unwiderstehlichen Kriemhild. Um an diese heranzukommen, freundet sich Siechfried mit König Gunther (Alexander Grebner) an. Dieser will mit Hilfe des Helden bei der schönen Brunhild (Anna-Maria Eickmann) landen. Nur Hagen (Frank Förster), Gunthers Diener, scheint Siggis Charme nicht zu erliegen.

Mechthild Friedberg gelingt eine Persiflage des Nibelungen-Stoffs, die inhaltlich erstaunlich nah an der Vorlage ist. Ihre Inszenierung kommt leichtfüßig-sympathisch und zuweilen spritzig daher, ohne allzu platte Gefilde zu erreichen. Aus ihrem spielfreudigen Ensemble sticht besonders Giardano Guarino als selbstverliebter Titelheld hervor.

Auch wenn das mit allerlei Songs gespickte Stück einen Tick zu lang geraten ist: Mit dieser mutigen Eigenproduktion ist dem Amateurensemble ein kleiner Coup gelungen.

Karten: Tel.: 0201/ 922 99 29

Gordon K. Strahl

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