Eigentümer von Seniorenresidenz verhindern behindertengerechten Umbau
02.02.2012 | 09:56 Uhr 2012-02-02T09:56:00+0100
Essen. Ausgerechnet Eigentümer einer Senioren-Residenz verhindern, dass der S-Bahnhof Stadtwald behindertengerecht ausgebaut wird. Was klingt wie aus einem Drehbuch aus Absurdistan, hat eine Vorgeschichte.
Karl-Wilhelm Drews ist seit 38 Jahren bei Bahn. Und in seinem langem Berufsleben hat Essens Bahnhofsmanager so einiges erlebt. In Berlin zum Beispiel, wo bei der Sanierung des Ost-Bahnhofs ein Kunstwerk im Wege stand, eine stählerne Reminiszenz an eine Lokomotive. Kurz vor der Not, so erinnert sich Drews schmunzelnd, habe er das Kunstwerk zerlegen und dem Künstler ausrichten lassen, er könne es abholen, was dieser dann auch getan habe.
Am S-Bahnhof Essen-Stadtwald liegen die Dinge anders. Komplizierter. So kompliziert, dass es mit einer Portion Entschlussfreude und einem funktionstüchtigen Schweißbrenner allein nicht getan ist, um die verfahrene Situation in Bewegung zu bringen.
Die Deutsche Bahn wird den S-Bahnhaltepunkt in diesem Jahr umbauen. Unter anderem wird ein Behinderten -Aufzug gebaut. Geplant waren zwei, an jedem Gleis einer. Doch einen zweiten Aufzug wird es nicht geben, weil der einzig mögliche Weg dorthin über ein privates Grundstück führt und dessen Eigentümer wollen davon nichts wissen. Das Grundstück gehört zu einer Senioren-Residenz!
Was klingt wie aus einem Drehbuch aus Absurdistan, hat eine Vorgeschichte. 1991 entstand unmittelbar am S-Bahnhof das „Arkanum“, ein Alterssitz in attraktiver Lage, heute besser bekannt unter dem Namen „Ahorn-Residenz“. Die Deutsche Bahn hatte das alte Bahnhofsgebäude samt Grundstück verkauft, nicht ohne sich das Wegerecht sichern zu lassen, weshalb der Zugang zu den Gleisen mitten durch die Residenz führt. Das sieht ungewöhnlich aus, ist für den Betreiber aber ein Pfund, mit dem er wuchert. „In unseren Prospekten werben wir damit, dass wir den Bahnhof im Haus haben“, sagt Geschäftsführer Wilhelm Krenn.
Nur fünf Quadratmeter
Wer sich im Alter zur Ruhe setzt, legt Wert auf eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und auf Standards, die es auch alten Menschen erlauben, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Nicht nur Wilhelm Krenn, auch die Bewohner der Senioren-Residenz würden es seinen Worten nach deshalb sehr begrüßen, könnte ein zweiter Aufzug gebaut werden. Der käme gleich hinter dem alten Stellwerk zum Stehen, dessen Innenleben längst vom Hauptbahnhof aus ferngesteuert wird. Einen anderen Platz, der infrage käme für einen Lift, gibt es nicht, bedauert Bahnhofsmanager Drews. Die Bahn habe das geprüft.
Der Weg zum Aufzug würde entlang der Senioren-Residenz geführt. „Es geht um fünf Quadratmeter“, schätzt Wilhelm Krenn. Doch die „Ahorn-Residenz“ ist nicht Herr im Haus, sondern nur Mieter. Der Besitz verteilt sich auf 75 Eigentümer. Nur eine Handvoll davon wohnt selbst vor Ort. Die übrigen residieren in Hamburg, am Tegernsee...
"Diejenigen, die da waren, waren dafür"
„Die haben das Haus im Prospekt gesehen, als Kapitalanlage gekauft, und gut ist“, weiß Verwalter Hans-Gerd Killing von der Alba Grundstücksverwaltung GmbH. In Rundbriefen und auf einer Eigentümerversammlung habe er über das Vorhaben der Bahn informiert. „Diejenigen, die da waren, waren dafür“, berichtet Killing. Aber da waren eben nicht alle. 50 Prozent der Eigentümer hätten schriftlich ihre Zustimmung zum Bau des Aufzuges gegeben, berichtet Bahnhofsmanager Drews. „Wir brauchen aber 100 Prozent.“ Nur einer meldete sich laut Killing, noch am Telefon mit der Frage: „Was habe ich davon?“
Die Bahn wird es nun am S-Bahnhof Stadtwald bei einem Aufzug belassen. Sie wird die maroden Dächer durch moderne Wartehäuschen ersetzen, sie wird die Beleuchtung und die Beschilderung erneuern und die beiden Bahnsteige um 20 Zentimeter erhöhen, damit auch Gehbehinderte bequem in die S-Bahnzüge einsteigen können. Wollen sie in die Innenstadt, müssen sie die S-Bahn nach Werden nehmen, wo es an beiden Gleisen Aufzüge geben wird. Dort müssen sie umsteigen und wieder zurück fahren in Richtung Hauptbahnhof. Für mehr Komfort bedürfte es Interesses und etwas guten Willens in Hamburg, am Tegernsee ...
Info: Modernisierung
Der Umbau des S-Bahnhofs Stadtwald an der S-Bahnlinie S 6 ist Teil der so genannten Modernisierungsoffensive II der Deutschen Bahn und des Landes. Die Kosten in Höhe von 2,6 Millionen Euro werden öffentlich gefördert. Die Arbeiten sollen im Sommer beginnen und werden nach Angaben der Bahn voraussichtlich bis 2013 dauern. Ebenfalls modernisiert werden die S-Bahnhöfe Hügel, Kettwig und Werden.
08:53
Diese Neinsager sind die puren Egoisten. Denen gönne ich den Rollstuhl und keinen Behindertengerechten Aufzug. Nur Geld kriegen. Das ist das einzige was diese Leute interessiert. Zum Glück können sie am Ende davon nichts mitnehmen.
Freunde werden diese Menschen nicht haben.
15:33
Sicher sind die Rechte der Eigentümer zu respektieren doch werden einige von ihnen eines Tages auch auf den ÖPNV angewiesen sein. Dann wird das Geschrei wieder groß sein das die Bahn nicht Behindertengerecht geplant und gebaut habe. Einerseits wird gerade von Senioren massiv gefordert das Barrierefrei gebaut werden soll und andererseits wird hier ein behindertengerechter Umbau verhindert. Wir leben wirklich in einer verdrehten Welt.
14:57
Man sollte schon die Rechte der Eigentümer respektieren. Vielleicht haben sie ja auch gute Gründe, nach denen bisher niemand gefragt hat.
Z.B. könnte mit dem Umbau eine Erhöhung der Grundsteuer einhergehen. Das hat eine Stadt durchgedrückt, nachdem eine Eigentümergemeinschaft gutgläubig ein Gebäude auf eigene Kosten behindertengerecht umgebaut hat. Der Fiskus schlug zum Dank mit dem Argument zu, der Wert der Immobilie habe sich ja erhöht... Das ist Deutschland...
Wenn sich der Wert einer Immobilie erhöht, kann man aber sicherlich daraus einen Vorteil, eine höhere Miete herausschlagen.
Wenn ich den Vorteil dann noch geschenkt bekomme, ist es noch vorteilhafter.
13:39
Enteignen klingt wie Musik in meinen Ohren.
13:04
Die Eigentümer der Wohnungen wollen mit gut betuchten Senioren Gewinne machen. Was kümmern einem da die Mitmenschen oder gar Behinderte? Und die Behörden sind da machtlos? Hieß es nicht mal: Eigentum verpflichtet?
12:31
Liebe WAZ.
Es nervt, dass sie nicht in der Lage sind Artikel richtig zu recherchieren oder Überschriften der Wahrheit entsprechend auszuwählen.
Die Überschrift "Seniorenresidenz verhindert behindertengerechten Umbau" belegen sie in Ihrem Artikel selbst als erlogen.
Zitat: "Doch die „Ahorn-Residenz“ ist nicht Herr im Haus, sondern nur Mieter". Also ist es nicht die Residenz, sondern die Eigentümer. Das ist ein großer Unterschied. Sollte Ihnen das nicht bewusst sein, sollten Sie, lieber Herr Marcus Schymiczek, das schreiben besser seien lassen.
Wie immer wird keiner der Verantwortlichen dazu Stellung nehmen. gab ja eine tolle Überschrift auf BLÖD Zeitung Niveau.
12:04
Enteignen... Im Sinne des Allgemeinwohls...
12:03
Tja, dumm gelaufen für die Bahn. Das Wegerecht allein bringt da nix. Und da es sich hier um reines Streiten zweier Privater handelt, findet keine Güterabwägung statt bzw. wird es kein öffentliches Interesse im juristischen Sinne geben.
11:52
Bananenrepublik .. wie sieht es denn hier mit Güterabwägung und übergeordnetem Interesse aus?