Drum prüfe, wer sich viele Jahre bindet

Paulinus Meiser (links) interessiert sich für eine duale Ausbildung beim Lebensmittel-Discounter Lidl. Auszubildende Sarah Preisigke erklärt auf der Messe die verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten und berichtet über ihre Erfahrungen. Die 19-Jährige hat mittlerweile alle Stationen des Unternehmens durchlaufen.
Paulinus Meiser (links) interessiert sich für eine duale Ausbildung beim Lebensmittel-Discounter Lidl. Auszubildende Sarah Preisigke erklärt auf der Messe die verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten und berichtet über ihre Erfahrungen. Die 19-Jährige hat mittlerweile alle Stationen des Unternehmens durchlaufen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Karrieremesse „stuzubi“ will den gesamten Bereich zwischen Schulabschluss und dem nächsten Lebensabschnitt abbilden. Einige Interessenten hatten gleich die fertige Bewerbungsmappe dabei.

Essen..  Wenn Polizeihauptkommissar Karl Weißner auf die Ausbildung bei seiner Behörde angesprochen wird, beginnt er immer erst mit negativen Dingen. Das Landesbeamtengesetz sei so eine Sache, erklärt der leitende Personalwerber aus Gelsenkirchen. „Natürlich ist das trocken“, sagt Weißner. Dann wendet er sich an Alina Underberg, eine 19-jährige Interessentin: „Und wenn sie morgens mal keine Lust auf Unterricht haben oder den Dozenten doof finden, dann müssen sie trotzdem zum Dienst antreten. Ist halt so.“

Alina Underberg ist eine von rund 3000 Jugendlichen, die sich auf der Karriemesse „stuzubi“ über Ausbildungsberufe und Studienmöglichkeiten beraten lassen. Ziel der Veranstalter ist es, den gesamten Bereich zwischen Schulabschluss und dem nächsten Lebensabschnitt abzubilden, erklärt Thomas Völkl, Verkaufsleiter von „stuzubi“. Insgesamt 53 Aussteller haben einen Stand auf dem Gelände der Messe Essen gemietet. Das Angebot ist vielfältig. Unter den Anbietern sind sogar einige Hochschulen aus den Niederlanden. Gleich daneben präsentieren sich Unternehmen: Während links zwei Bankangestellte Infomaterial sortieren, streifen sich eine Etage tiefer zwei Supermarktangestellte ihre Firmenkleidung über.

Schokolade und Kugelschreiber

„Abiturienten machen sich gegen Ende ihrer Schulzeit automatisch Gedanken über ein Studium“, sagt Völkl. „Wir wollen ihnen aber auch Angebote aus anderen Bereichen aufzeigen. Dazu gehören zum Beispiel Lehrberufe, Sprachreisen, Freiwilligendienste und Au-Pair-Programme.“ Seiner Ansicht nach sind die meisten Messebesucher noch „völlig orientierungslos“. Die Unternehmen wissen das und haben durchgehend junge Talente aus den eigenen Reihen für Werbezwecke abkommandiert. „Gleichaltrige haben eine gemeinsame Sprache“, wird später jemand sagen.

Schon um kurz nach 11 Uhr ist das Congress Center West sehr gut gefüllt. Über die Gängen wandern bemühte Eltern und neugierige Schüler, jeder bepackt mit einem dicken Stapel an Broschüren, Schokolade und Gratis-Kugelschreibern. Alina Underberg steht noch immer am Stand der Polizei NRW. Vor wenigen Sekunden hat sie erfahren, dass von den rund 8000 Bewerbern jährlich nur etwa 1500 genommen werden können.

„Das schreckt mich nicht ab“, sagt die junge Frau aus Oberhausen selbstbewusst. „Ich habe auch keine Angst vor irgendwelchen Kriminellen, schließlich mache ich Karate.“ Der Polizeiberuf ist bei Jugendlichen sehr gefragt. Karl Weißner und seine Kollegen könnten unentwegt Gespräche führen, so groß ist der Andrang an ihrem Stand. Ob es ein Vorteil ist, wenn man sich auf einer Messe bereits über die Ausbildung bei der Polizei informiert hat? „Ich erwarte das sogar“, betont Weißner. Das war deutlich.

Bewerber aus dem hohen Norden

Ähnlich denkt auch Nina Willeke, Ausbildungsleiterin bei Lidl im mittleren Ruhrgebiet. Etwa 30 Prozent der Interessenten an ihrem Stand haben die Gelegenheit genutzt und eine Bewerbungsmappe abgegeben „Da waren schon einige Talente dabei“, sagt sie zufrieden. Ein paar Meter weiter berichtet Sarah Preisigke über ihre Erfahrungen beim Lebensmittel-Discounter. Die angehende Kauffrau im Einzelhandel hat bereits alle Stationen im Unternehmen durchlaufen - dazu gehört auch der praktische Einsatz in einer Filiale. Ihr Gesprächspartner Paulinus Meiser weiß noch nicht so genau, was er beruflich machen will. In der Zeitung hatte er die Anzeige von „stuzubi“ gesehen, inzwischen hat er bereits zahlreiche Unternehmensstände besucht. „Ich interessiere mich vor allem für ein duales Studium und würde gerne etwas machen, wo ich meine Fremdsprachenkenntnisse einbringen kann“, so der 19-Jährige.

Sehr gefragt sind auch die Angebote der Stadt Essen. Jilian Grevendick ist derzeit Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten. Momentan wird sie im Personalwesen eingesetzt, deshalb weiß sie genau, woher die Bewerber kommen. „Es gibt Interessenten aus Kiel, Hamburg und anderen Städten, die weit entfernt sind.“ Für die Ausbildung bei der Stadt spreche nicht nur die sichere Übernahme in den öffentlichen Dienst, erklärt Nico Haufe, der den Studiengang Kommunaler Verwaltungsdienst absolviert. „Wir können später in allen nicht-technischen Bereichen eingesetzt werden. Das ist abwechslungsreich und alles andere als trocken.“