Drohungen gegen Turkistik-Professorin der Uni Duisburg-Essen

Einigen traditionellen Türken passt nicht, dass die Turkistik-Leiterin der Uni Duisburg-Essen das Fach öffnen will.
Einigen traditionellen Türken passt nicht, dass die Turkistik-Leiterin der Uni Duisburg-Essen das Fach öffnen will.
Foto: Sebastian Konopka
Was wir bereits wissen
Im Internet gibt es Drohungen gegen die Leiterin des Instituts für Turkistik der Uni Essen-Duisburg. Türkische Rechte aus Seminarraum verwiesen.

Essen.. Dass Uni-Seminare aus politischen Gründen gesprengt werden, war in Zeiten der starken Politisierung nach „1968“ üblich und kommt bei kontroversen Stoffen manchmal immer noch vor. Diese Erfahrung drohte jüngst der Leiterin des Instituts für Turkistik der Uni Essen-Duisburg, Prof. Kader Konuk. Bei einem Literatur-Seminar, das auch den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich zum Thema hatte, bekam die Wissenschaftlerin Besuch von zwei türkischen Nationalisten. Diese waren nach dem sicheren Eindruck von Kader Konuk nicht zum Zuhören oder Lernen, sondern zum Provozieren und Stören da, weil der Mord an den Armeniern vor 100 Jahren in der türkischen Rechten als tabu gilt.

„Ich hatte mir vom Rektor der Universität das Hausrecht bestätigen lassen und hätte dies auch angewandt“, sagt Kader Konuk. Notfalls auch mit Polizei. Doch die beiden hätten es nach einigen Stör-Aktionen dann doch vorgezogen, nach Aufforderung den Raum zu verlassen. Studierende seien sie ohnehin nicht gewesen.

Beleidigungen und Gewaltdrohungen bei Facebook

Wie ernst die Uni die Möglichkeit eines Zwischenfalls nahm, zeigte auch die Anwesenheit des Dekans der Geisteswissenschaften, Volker Steinkamp. Er stellte vor Beginn des Seminars in einem Redebeitrag klar: Die Universität ist und bleibt ein Raum der offenen Debatte.

Konuk und die Uni waren gewarnt: Im Netzwerk Facebook tobt seit geraumer Zeit ein Kampf um die Ausrichtung der Essener Turkistik, ausgetragen teilweise mit wüsten Beleidigungen und sogar Gewaltdrohungen in Richtung der Institutschefin. Einigen traditionellen Türken passt nicht, dass Konuk das Fach öffnen will und die Vorstellung ablehnt, bei der Türkei handele es sich um eine ethnisch, kulturell und religiös einheitliche Nation. Konuk sagt aber auch: „Ich bin an Deeskalation interessiert.“ Das bedeute nicht, dass die Neuorientierung der Turkistik in Frage stehe. „Daran werde ich weiterarbeiten.“ (F.S.)