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DRK-Krankenschwester berichtet von ständigem Druck und fehlender Fürsorge im Uniklinikum

21.10.2012 | 08:00 Uhr
DRK-Krankenschwester berichtet von ständigem Druck und fehlender Fürsorge im Uniklinikum
Das Haus der DRK-Schwesternschaft am Hohlweg 8.Foto: Jan Dinter

Essen.   Eine DRK-Krankenschwester erzählt aus ihrem Arbeitsalltag im Uniklinikum: ein Job unter großem und ständig wachsendem Druck, mit mangelnder Fürsorge, mit Überlastungsanzeigen als Regel. Dominika Sagan protokollierte eine stete Gratwanderung zwischen Wut und Verzweiflung.

Eine DRK-Krankenschwester erzählt aus ihrem Arbeitsalltag im Uniklinikum. „Ich erfuhr aus der Zeitung und aus dem Fernsehen, dass die DRK Schwesternschaft ihren pensionierten Schwestern die Mietverträge gekündigt hat. Das hat mich sehr erschüttert. Ich frage mich, wo bleibt die Menschlichkeit? Dass meine Mitschwestern im Alter von bis zu 92 Jahren auf diese Art ihr Zuhause verlieren, ist der Grund für mich, an meinem Beispiel zu beschreiben, wie sich die Situation auch im Berufsleben verändert hat. Das berichtet eine DRK-Schwerster, die anonym bleiben möchte.

Schließlich bin ich vor mehr als 30 Jahren in eine DRK Schwesternschaft eingetreten, in der ich eine ganz enge Frauengemeinschaft erlebte. Unsere Oberin sorgte sich mütterlich, es gab immer ein offenes Ohr. Heute kümmert man sich selbst nicht mehr um die Ältesten. Wer den Mund aufmacht, fühlt sich mitunter wie ein Nestbeschmutzer.

Arbeiten am Limit

Ich arbeite als Krankenschwester unter großem Druck, der im Laufe der Jahre zugenommen hat. Wir arbeiten ständig am Limit, oft mit zu wenigen Schwestern. Mittagspausen sind selten möglich, Überstunden werden stillschweigend vorausgesetzt. Wir machen sie, weil es um die Patienten geht und weil jede von uns helfen will. Ich erlebe dadurch eine Gratwanderung zwischen Wut und Verzweiflung.

An die Pflegedienstleitung, den ärztlichen Direktor, den Sicherheitsbeauftragten und meine Oberin habe ich immer wieder Überlastungsanzeigen geschrieben. Weil ich oft so viel Verantwortung übertragen bekommen habe, dass ich eigentlich hätte an zwei Orten gleichzeitig sein müssen. Ich habe bislang keine Hilfe erhalten. Stattdessen spüre ich immer Druck, wenn in Gesprächen der Ausschluss aus der Schwesternschaft angesprochen wird, der den Arbeitsplatzverlust bedeuten würde.

Kein Betriebsrat

Wir DRK-Schwestern haben keinen Betriebsrat, an den wir uns wenden können. Wir haben keine Arbeitsverträge, sondern unsere Mitgliedschaft und einen Beirat. Auch der war für meine Situation keine Hilfe, und ich weiß, dass es nicht nur mir so geht. Es gibt keine entlastenden Gespräche. Ich fühle mich frustriert und vor den Kopf gestoßen.

Dazu kommt die Gesundheitsreform , die uns das Genick gebrochen hat. Dokumentationen fressen viel Zeit auf. Im Klinikum bin ich nach einem so genannten Fürsorgegespräch versetzt worden. Als Grund hörte ich von der Schwesternschaft: Fürsorge eben. Ich habe eher das Gefühl, dass wir isoliert werden, wenn wir Kritik äußern. Dazu kommt, dass meine Versetzung weniger Gehalt bedeutet, was für mich und meine Familie wirtschaftlich nicht zu verkraften ist.

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Kommentare
21.10.2012
19:50
Diese Frauen und die in den kirchlichen Einrichtungen
von vantast | #5

sind selten in Gewerkschaften organisiert, so daß sie von den Arbeitgebern ganz leicht ausgebeutet werden können. Leider setzten sie darauf, daß alle...
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2012-10-21 08:00
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