Drei Brüder im Krieg gefallen

„Die ganzen schrecklichen Jahre des Bombenkriegs hatten wir – meine Eltern und ich – in Essens Innenstadt ausgehalten. Direkt neben der großen Synagoge wohnten wir, in der Humboldtschule. „Wohnen“ konnte man es eigentlich nicht nennen. Wir lebten in den Trümmern der Schule.

Da mein Vater gelernter Schreiner war, verwertete er alles, was aus den Trümmern noch einigermaßen zu gebrauchen war, um unser „Heim“ bewohnbar zu halten. Zudem hausten darin mit uns zusammen die wenigen Nachbarn, die auch bisher überlebt hatten und nicht aus der Heimat weg wollten.

Das Artilleriefeuer kam stetig näher. Aber am 11. April 1945 war es auf einmal still. Da sagte mein Vater: „So, Nanne, das müssen wir ausnutzen. Wir gehen schnell Wasser holen.“ Zwischen uns eine Zinkwanne, jeder an der anderen Hand einen Eimer, liefen wir die Steeler Straße herunter in die Schützenbahn. Dort sprudelte zwischen Trümmern und Geröll Wasser aus der Erde.

Gerassel und Geklirr von Panzern

Nach kurzer Zeit hörten wir hinter uns ein Gerassel und Geklirr und Motorenlärm. Wir stellten unsere Eimer ab und schauten. Da sahen wir sie kommen! Die Amerikaner! Panzer und Lastwagen, langsam von Norden die Schützenbahn herauf, voll besetzt mit Soldaten. Wir standen stumm. Was haben wir damals empfunden? Ich sicherlich Erleichterung. Endlich keine Angst mehr. Ich war 17 Jahre jung!

Was meine Eltern gefühlt haben müssen, habe ich erst viel später nachempfinden können. Drei Söhne gefallen, die ältere Tochter mit ihren Kinder evakuiert, der Schwiegersohn schwer verwundet im Lazarett. Eine zerstörte Familie.

Für uns war der 11. April 1945 ein Ende des Grauens, aber ein schweres, mühevolles „Wiederneuanfangen“. Marianne van der Mee