Dosenlimo aus Dänemark - wie Händler beim Pfand tricksen

Kun naturlige Aromaer – nur natürliches Aroma – ist auf dieser in Essen gekauften Dose zu lesen.
Kun naturlige Aromaer – nur natürliches Aroma – ist auf dieser in Essen gekauften Dose zu lesen.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
In Deutschland werden jährlich mehr als 100 Millionen Getränke-Dosen ohne Pfandkennzeichnung verkauft. Nun soll dem illegalen Treiben ein Ende gemacht werden.

Ruhrgebiet.. "Kun naturlige Aromaer" – Das ist dänisch für „Nur natürliches Aroma“ und steht auf den Fanta-Dosen in einem Essener Supermarkt am Hauptbahnhof. Einen Euro verlangt der Mann an der Kasse je Getränk. Ob da Pfand drauf ist? Er schüttelt den Kopf. Und woher bezieht er sie? „Ab und zu kommt ein weißer Lieferwagen vorbei und bietet uns die an“, sagt er. Alles ohne Papiere.

Die grünen Fanta-Exotic-Dosen aus dem Supermarkt gibt es in Deutschland offiziell nicht zu kaufen. Es sind Importe aus Carlsberg, Dänemark – und originale Coca-Cola-Produkte. Das steht auf den Dosen. Die Kennzeichnung der Deutschen Pfandsystem GmbH fehlt, eine Rückgabe gegen 25 Cent ist nicht möglich.

Nicht nur Fanta Exotic gibt es in Essen ohne Pfand. Auch Coca Cola und Mezzo Mix. In der alten gedrungenen Dosenform. Und nicht nur in dem Supermarkt am Bahnhof. Auch an der Altendorfer Straße an Kiosken und Imbissen, wie eine Stichprobe zeigt. Wo kommen die Getränkedosen her, mit denen Händler eine Ordnungswidrigkeit begehen, weil sie gegen die Pfandpflicht verstoßen?

24 Fanta Exotic aus Dänemark für nur 8,50 Euro - illegal

Die Recherchen führen nach Essen-Vogelheim. Das Tor zum Hof eines hier ansässigen Getränkegroßhändlers steht offen. Zwei weiße Lieferwagen vom Typ Sprinter parken vor der Lagerhalle des Händlers. Gerade schiebt ein Mann mehrere Paletten mit dänischen Cola- und Fanta-Dosen aus der Halle zum Lieferwagen. Im vorderen Bereich der Lagerhalle ist nichts Auffälliges zu sehen. Hier stehen die Paletten mit den deutschen Dosen – in der neuen schmalen Form mit Pfandkennzeichnung. Auf Nachfrage verschwindet der Händler hinter den Regalen und kommt mit einer 24er-Palette Fanta-Exotic-Dosen wieder. Er verkauft sie dem Autor dieses Textes für 8,50 Euro – unbepfandet. Zum Vergleich: Für eine 24er-Palette Fanta-Orange verlangt die Metro inklusive Pfand rund 18 Euro.

Handel Zwar gibt es auch in Dänemark Dosenpfand, aber die Dänen können im Grenzhandel auf deutschem Boden Dosenlimo unbepfandet einkaufen, wenn sie einen Pass vorlegen und eine Export-Erklärung unterschreiben. Jürgen Heinisch, Geschäftsführer der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, vermutet, dass große Mengen illegal abgezweigt und weiter transportiert werden. Diese Praxis dürfte aber bald erschwert werden. Dänemark und Schleswig-Holstein haben sich im Mai auf ein Abkommen geeinigt, dass dem unbepfandeten Einkauf im Grenzhandel ein Ende setzen soll.

Zu Besuch im niederländischen Venlo. Genauer: in dem bei deutschen Touristen beliebten Supermarkt „Die 2 Brüder“. Die unbepfandeten Dosen mit der Aufschrift „Carlsberg Danmark“ überqueren offenbar nicht nur die deutsche Grenze. Denn hier stehen sie palettenweise im Laden. Allerdings völlig legal, denn in den Niederlanden wird kein Pfand auf Dosenlimo erhoben. „Für uns sind die dänischen Dosen im Einkauf sechzehn Cent preiswerter als die niederländischen“, erklärt Henk Muijsenberg, einer der Geschäftsführer der „2 Brüder". Woher er die Dosen bezieht, verrät er nicht.

Auch Verbraucher werden betrogen

Ein paar Meter weiter beim Venloer Getränkegroßhandel von Hay und Leontine Bauer das selbe Bild. Bis an die Decke stapeln sich die Paletten mit dänischen Getränkedosen. Hay Bauer sagt, dass seine Kunden Dosen-Limonade in großen Mengen kaufen, um sie nach Deutschland zu exportieren.

Das ist nach EU-Recht auch erlaubt. Verboten ist es nur, die Dosen in Deutschland ohne Pfandkennzeichnung zu verkaufen. So richtig stört das aber kaum jemanden. Dem Staat gehen pro verkaufter Dose fünf Cent Mehrwertsteuer durch die Lappen. Alle anderen Beteiligten scheinen zu profitieren. Die Großhändler, die wesentlich preiswerter einkaufen und damit höhere Gewinnspannen erzielen. Genau wie die Imbiss-Besitzer, die nicht nur preiswerter einkaufen, sondern sich auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Außerdem ersparen sich die Händler ein aufwendiges Rücknahme-System. Der Kunde zahlt statt 1,25 nur einen Euro. Und braucht die Dose nicht zurückzugeben.

Für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist das ein Unding. Verstöße gegen die Pfandpflicht seien ein bundesweites Phänomen. „Und die Behörden nehmen das wissentlich in Kauf“, wirft DUH-Experte Thomas Fischer den Kommunen vor. Die Umwelt leide darunter, wenn die Dosen auf der Straße landen. Aber auch Verbraucher würden teilweise betrogen, wenn Händler Pfand kassieren, obwohl die Dose nicht gekennzeichnet ist.