Domorgel trifft Trompete

Die Kombination von Trompete und Orgel ist gemeinhin schon Inbegriff des Feierlichen. Insofern wundert es nicht, wenn die diesjährige Reihe „Dimension Domorgel“ jetzt mit eben dieser Kopplung eröffnete. Doch was der junge Dom­organist Sebastian Küchler-Blessing hier programmatisch wagt, grenzt an eine leise Revolution im Musikleben der Münsterkirche. Die große Publikumsresonanz scheint ihm Recht zu geben.

Gut, da fanden sich traditionelle Stücke wie die bekannte d-Moll-Toccata und Fuge von Bach, dank einbezogenem Auxiliaire-Werk im betörenden Raumklang ausgebreitet, oder ein Albinoni-Konzert, dem der international renommierte Trompeter Reinhold Friedrich zu barocker Pracht und schlanker Strahlkraft verhalf.

Aber Elgars „Pomp and Circum-stance“ Marsch Nr.1, die heimliche britische Nationalhymne im spätromantischen Orchestersound, auf der Orgel in der Hohen Domkirche war ein kurios-kühnes Schmankerl mit Gänsehauteffekt. Dazwischen auch leise meditative Momente wie „Paths“ von Toru Takemitsu, die Friedrich als einsamer melodischer Wanderer farbdifferenziert durchmaß. Bevor beide mit Gershwins „Rhapsody in blue“ zum Jubel der Zuhörer ein wahres Kabinettstück hinlegten: eine klarinettenhaft bewegliche Trompete, eine Blues jazzende Orgel – hinreißend!