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Karneval

Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen

14.02.2012 | 12:02 Uhr
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
Foto: Jenny Busche

Essen.   Alkohol, Tabak und Karneval – nicht bei allen Narren kommt dieser Dreiklang an. Anders als in Duisburg sind in Essen Alkohol und Tabak für Karnevalisten und deren Gäste auf den Wagen nicht verboten. Während die einen das begrüßen, finden andere Karnevalisten wie Sigrid Notthoff, dass es auch "ohne" geht.

Thomas Erlacher arbeitet ehrenamtlich als Pfleger. Brauchtumspfleger um genau zu sein. Im Hauptausschuss Duisburger Karneval plant er den Rosenmontagszug mit 30 Wagen und 2000 Karnevalisten, einer, der seit 20 Jahren ohne Tabak, Bier und Pinnekes auskommt. „Bei uns gilt ein strenges Alkohol- und Rauchverbot auf den Wagen – für Karnevalisten und deren Gäste“, sagt der Zugführer. Beschwert habe sich deshalb noch niemand. „Rauchen und Trinken sind Risikofaktoren. Wir wollen nicht, dass jemand be- od­er angetrunken vom Wagen fällt, sich oder andere verletzt“, so Erlacher.

Außerdem sei der Verzicht ein Zeichen. Als Narr, vor allem in Uniform, habe man Vorbildfunktion. Wer sich nicht daran hält, wird beim ersten Verstoß ermahnt und beim zweiten aus dem Zug geworfen. Anders als in Duisburg sind in Essen Alkohol und Tabak für Karnevalisten und deren Gäste auf den Wagen nicht verboten. Doch das sehen nicht alle gerne.

„Es geht auch ohne“

„Der Duisburger Zug zeigt, dass es ohne geht“, sagt Sigrid Notthoff, Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft Völl-Freud aus Werden. Erst kürzlich wurde sie mit dem Verdienstorden in Gold mit Brillanten ausgezeichnet, die höchste Ehrung, die der Bund Deutscher Karneval zu vergeben hat. Ihr Verein legt viel Wert auf Jugendar­beit, hat ein Tanzmariechen, Tanz- und Fanfarenkorps. „Man muss im Zug nicht rauchen und trinken und keine kleinen Feiglinge vom Wagen herunterwerfen“, so Notthoff. Ein Verbot nach Duisburger Beispiel würde sie in Essen begrüßen. „Wir wären die ersten, die beim Festkomitee Essener Karneval eine Selbstverpflichtung unterzeichnen würden, um mitfahren zu dürfen“, so Notthoff. Anders als früher schickt Völl-Freud Rosenmontag zum ersten Mal einen Gesellschaftswagen an den Start. Notthoff: „Auf unserem Wagen sind Tabak und Alkohol nicht erlaubt, denn wir sind als Karnevalisten Vorbilder für die Jugend und das leben wir.“

„Alleine wenn ich das schon höre, kriege ich eine Gänsehaut“, so Peter Sander, Vorsitzender des Festkomitees Essener Karneval (FEK). Er lehnt ein Verbot wie in Duisburg kategorisch ab. Sander: „Ich wüsste nicht, warum wir beim Zug nicht trinken und rauchen sollten, da könnt’ ich fuchsteufelswild werden.“ Er verwehrt sich dagegen, dass der Karneval und Alkoholkonsum in ei­ne Verbindung gebracht werden. Sander: „Und beim Oktoberfest ist Saufen Tradition, da stört’s keinen. Und beim Fußball trinken in den Stadien jedes Wochenende Tausende.“ Auch FEK-Jugendbeauftragte Sandra Bähr hält ein Verbot beim Zug für abwegig: „Es wurde bereits von einigen Gesellschaften angesprochen, fand jedoch keine Mehrheit.“

Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen

„Vorbildfunktion hin oder her – viele Eltern, die mit ihren Kindern zum Zug kommen, bringen Alkohol mit und trinken ihn“, sagt Fidelitas-Vorsitzende Ingrid Thiedemann. Sie achte auf dem Frauenwagen dennoch darauf, dass wenn etwa Sekt getrunken würde, dies mit dem Rücken zu den Menschen auf der Straße geschehe. Warum es künftig – anders als 2011 – kein Bierfässchen auf dem Wagen der Senatoren geben sollte, versteht sie nicht. Obgleich bei den vergangenen Rosenmontagen nie mehr als drei Jugendliche in der Sammelstelle für Betrunkene in Obhut kamen, „es sind jedes Jahr rund zehn, die wir mit Hochprozentigem antreffen“, sagt Harald Wichmann vom Ordnungsamt. Er ist nur mit neun Kollegen bei den Zügen unterwegs.

Der Rü-Rosenmontagszug 2011

Das Jugend- und Ordnungsamt sowie der Deutsche Kinderschutzbund rufen alle Erwachsene, insbesondere Betreiber von Gaststätten, Kiosken und Verkaufsstellen auf, am Rosenmontag die Jugendschutzbestimmungen einzuhalten. Demnach ist ne­ben der Abgabe von Alkohol ebenso verboten, den Verzehr zu gestatten oder zu fördern. „Von den Behörden – Jugendamt, Ordnungsamt und Polizei – werden bei Beanstandungen entsprechende Maßnahmen eingeleitet“, heißt es in einem gemeinsamen Aufruf. Wer dagegen verstößt, müsse mit ne­ben ei­ner Anzeige ebenfalls mit einer Geldbuße in Höhe von bis zu 500 Euro rechnen. „Wenn man sich auf einem Wagen präsentiert, sollte Alkohol ein No-Go sein“, fordert Thomas Weyand vom Deutschen Kinderschutzbund. Ein generelles Alkoholverbot am Rosenmontag lehnt er ab, so wie Sigrid Notthoff.

„Karneval lebt von der Tradition, deshalb haben die Karnevalisten eine Vorbildfunkti­on“, betont OB Reinhard Paß, der als Ehrensenator der Fidelitas Kray im vergangenen Jahr auf dem Wagen mitfuhr – und am Bier nippte. Damit sei nun Schluss, denn Paß verspricht: „Ich werde keinen Alkohol beim Rosenmontagszug trinken.“ Viel mehr sei es wünschenswert, wenn die Karnevalisten ihrer Verantwortung gerecht werden und verantwortungsvoll mit dem Thema Alkohol umgingen.

Pascal Hesse

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Kommentare
16.02.2012
05:02
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von Pater_Brown | #15

also ich kann beide seiten verstehen, man geht mit kindern auf ein volksfest und was sieht man? überall laufen besoffene rum, ich gehe seid jahren nicht mehr auf den kanevalszug in moers weil an jeder ecke besoffene blagen von 14 jahre mit ner pulle roten wodka rumrennen und meinen ihnen gehöre die welt... ein paar biere finde ich in ordnung von mir aus noch ein paar kurze dabei aber es muss alles irgendwo auch im rahmen bleiben, karnevalszüge, kirmesfeste und dergleichen verkommen zu saufgelagen von jugentlichen die am ende auch noch sehr oft schlägereien im rausch anzetteln... man hat ein tolles fest wo viele kleine kinder rumlaufen und ich glaub nicht das man sich freut wenn man dann an jeder 2 ecke einen vollgekotzten halbtoten verkleideten rumliegen sieht, das hat mit gutbürgertum nicht mehr zu tun, das ist einfach nur noch ******* und das ist nunmal kein einzelfall...

ist nun leider etwas am thema vorbei aber ich habe auch schon oft erlebt wie leute sich kaum noch auf den wagen halten konnten weil die sich derart die kirse zugekippt haben das es wahrlich nimmer schön anzusehen ist und das is ne sache die nicht sein muss....
alkohol und tabak ok aber immer die kirche im dorf lassen dann hat keiner was dagegen finde ich

15.02.2012
16:14
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von T.Staats | #14

Das ist ja mal wieder typisch:
Karneval hat gleich was mit Alkohol und Tabak zu tun.
Wie Herr Sander schon sagt: Oktoberfest oder Fussball mag sich keiner ohne sein Bierchen vorstellen, aber den Karnevalisten, die wirklich noch Tradition und Brauchtum pflegen, die dürfen das nicht mehr.
Dann kommt auch noch das neunmal-Kluge Kommentar dazu: VORBILDFUNKTION.
Klar, die Vorbildfunktion sollten natürlich immer andere übernehmen, denn als Elternteil aufzuhören mit dem Rauchen wäre ja nicht sehr vorbildlich *IRONIE!!!* ... und doch tun es die wenigsten.
Das ist typisch für das Gutbürgertum: Andere sollen machen, was man selbst nicht will. Wieso sollten Karnevalisten Rosenmontag nicht auch mit Alkohol und Tabak genießen dürfen, wenn es sämtliche Besucher am Rand doch auch dürfen?!
Oder soll ihnen das in Zukunft auch verboten werden?! Wo kommen wir denn da hin?!

Und die 36 Mio. gefährdeten, gibt es auch ohne Karneval, nie88 ;-)

14.02.2012
19:59
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von Ritter100 | #13

Donnerwetter. Warum verbietet man nicht auch die laute Musik..???
Karnevalswagen nur noch mit E-Motor und statt Bonbons werden demnächst
Dinkelkekse geworfen...
Unfassbar da arbeiten die Karnevalsvereine das ganze Jahr an Ihren Wagen,
machen Veranstaltungen für Senioren und Kinder... und als dank versuchen
wir mal wieder ein Verbot durchzusetzen....
Ich danke Peter Sander für seine Aussage....

14.02.2012
19:13
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von Mueth | #12

Ich bin ein Aktiver Karnevalist aus Oberhausen.
In Oberhausen gibt es seid dem letzten Jahr auch ein Alkoholverbot auf den Wagen.
Es ist am ende aber so gewesen das auf vielen Wagen kein Bier getrunken wurde, wie in den Vorjahren, es wurde einfach zu Mixgetränken gegriffen. Wer kann den sagen ob in der Cola nur Cola drin ist. In meinen Augen ist es absolut Schwachsinnig gewesen das wir kein Bier auf den Wagen haben durften. Ich habe in den Jahren zuvor auf einem Zug 4-5 0,33l Flaschen Bier getrunken. In 4-5 Stunden. Man sollte lieber die bekloppten kontrollieren die Wurfmat. oder andere zurück werfen und nicht die Leute die mit Sicherheit auch Gesund vom Wagen runter wollen.
Ein Rauchverbot gibt es in Ob nicht. Dieses würde ich aber sogar noch verstehen wenn man es auf den Brandschutz bezieht.
Frohe Tage und Helau

14.02.2012
19:08
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von jabba | #11

Super Idee! Unbedingt umsetzen. Mach ich schon seit Jahren und funktioniert prima. Ich setz mich mit Kippe und Pilsken zuhause hin - ohne Karneval. Tolle Sache das! Keine Bekloppten, die sich in bescheuerter Kostümierung zu hirnverbrannter Musik schnaps- und gefühlsduselig gegenseitig ins Koma schunkeln, bevor sie den gesammelten Frohsinn adrett auf das Trottoir erbrechen. Ich sach Euch, es gaht auch ohne Karneval. ;-)

2 Antworten
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von jabba | #11-1

Geht muss es natürlich heissen. Geht! Was auch sonst? Gaht macht ja keinen Sinn.

Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von lubby | #11-2

Klassebeitrag von jabba. Aber diese feine Ironie verstehen die regulierungswütigen "***********"wahrscheinlich nicht!

14.02.2012
18:15
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von daphnina | #10

Mut haben die Narren, die solche Forderung stellen.
Alkoholverbot auf Karnevalswagen.
Ich hoffe, nur keiner tut es.
Darum ist die Diskussion
Aschermittwochreif,
zu heulen!

14.02.2012
16:43
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von tagesschau | #9

Verbote - wir brauchen einfach mehr Verbote.
Und schon wird die Welt besser...

Beispiel Robbespierre: Ohne Terror gibt es keine Tugend. Mehr Terror bedeutet mehr Tugend. immer mehr Tugend.

Das Ende ist bekannt!

14.02.2012
16:15
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von nie88 | #8

Wo soll die "Fröhlichkeit" bleiben wenn die Volksdroge verboten ist?
Wir haben doch nur ca 36 mio sucht gefährdete durch Alkohol....

14.02.2012
16:11
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von Gievelsbiaerger | #7

Wie wäre es mit "Ohne Karneval" !

14.02.2012
15:25
Diskussion um Alkoholverbot auf Karnevalswagen in Essen
von Pyrexx | #6

Schon sehr armseelig, wenn es nicht ohne Alkohol geht...

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