Dilettieren und taktieren beim Alkoholverbot

Beliebter Treff auf dem Willy-Brandt-Platz: der Fahrstuhl der Evag.
Beliebter Treff auf dem Willy-Brandt-Platz: der Fahrstuhl der Evag.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
CDU und SPD lehnen ein Alkoholverbot auf und um den Willy-Brandt-Platz ab. Durch die Tatenlosigkeit verkommt die City weiter. Ein Kommentar.

Essen.. Die Posse um das Alkoholverbot am Willy-Brandt-Platz – so langsam wird sie richtig ärgerlich. Da akklamiert Ordnungsdezernent Christian Kromberg, die Stadt wolle einmal mutig sein und es trotz juristischer Bedenken mit diesem scharfen Schwert versuchen. Da beauftragt der Oberbürgermeister im Verwaltungsvorstand seinen Ordnungsmann, eine Rechtsverordnung zu erarbeiten. Und nun lassen SPD und CDU die Verwaltung im Regen stehen und es bleibt am wichtigsten Eingang zur Innenstadt erst mal alles beim alten. Man kann verstehen, dass der Einzelhandelsverband am Verstand der Akteure zu zweifeln beginnt.

Erstaunlich auch, dass einige immer noch so tun, als gäbe es gar kein großes Problem, da würden doch nur ein paar Leute ihr Bierchen trinken. Eine groteske Verharmlosung. Die Strecke zwischen Gildehofcenter über Willy-Brandt-Platz bis zur Hauptpost – städtebaulich eigentlich das attraktivste Ende der Innenstadt – ist faktisch zur Ekel-Meile verkommen, in der besonders an wärmeren Tagen der Urin-Geruch unerträglich ist und der Müll nur so herumfliegt. Wer kann, vermeidet diese Passage. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die schon vorhandenen Leerstände zunehmen. Dem neuen Hotelbetreiber im Handelshof – wenn es denn irgendwann einen gibt – schon jetzt alles, alles Gute.

Erstmal die OB-Wahl abwarten

Statt aber das Problem an der Wurzel zu packen – das Alkoholverbot könnte da eine Möglichkeit sein – dilettieren und taktieren alle munter vor sich hin. Der Oberbürgermeister simuliert Lösungskompetenz, tut aber in seiner sattsam bekannten Art nichts, um Skeptiker zu überzeugen und Mehrheiten zu organisieren. Die SPD mag den armen Menschen am liebsten gar nicht auf die Füße treten, und ganz nebenbei kann man auch dem OB mal wieder zeigen, wie wenig man von Parteifreund Paß hält. Und die CDU? Wenn SPD und Paß so schön auseinander sind, mag Fraktionschef und OB-Kandidat Thomas Kufen nicht beiseite stehen und schlägt sich ebenfalls in die Büsche. Motto: Was Paß schadet, nützt mir. Und wenn ich der SPD-Fraktion die Stange halte, ist sie mir irgendwann einen Gegengefallen schuldig. Dass die CDU mit solchen Winkelzügen ihre Glaubwürdigkeit verliert, scheint Kufen nicht weiter zu interessieren.

Und die Probleme am Haupteingang der Innenstadt? Lösen wir dann nach der OB-Wahl. Klar doch...