Dieser Misserfolg hat viele Väter

Der Stadionneubau an der Hafenstraße bietet längst genügend Stoff für eine Seifenoper. Da erfährt die staunende Öffentlichkeit, dass die städtische GVE Millionen an eine Unternehmensberatung gezahlt hat. Ein Vertrag aber, der Aufklärung darüber liefern könnte, was für diesen stolzen Preis eingekauft wurde, ist nicht mehr aufzufinden. Dafür taucht ein Aktenvermerk des ehemaligen Stadtdirektors Christian Hülsmann auf, der nur einen Schluss nahe legt: GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand durfte sich der Rückendeckung maßgeblicher Entscheidungsträger in Verwaltung und Politik sicher sein.

Hillebrand ist damit nicht aus dem Schneider. Warum der geschasste GVE-Chef seinem Aufsichtsrat eine offensichtlich geschönte Kostenrechnung vorlegte, bleibt schleierhaft. Und wie konnte Hillebrand damit durchkommen? Das sind nicht die einzigen offenen Frage in dieser unerfreulichen Fortsetzungsgeschichte.

CDU-Mann Hülsmann, der plötzlich als sinistrer Strippenzieher des überteuerten Neubaus dasteht, attestiert weiten Teilen von Politik und Verwaltung Gedächtnisverlust. Als Stadtdirektor mag er die treibende Kraft beim Stadionprojekt gewesen sei. Dass er ohne politischen Rückhalt handelte, spricht gegen jede Vernunft und gegen jede Erfahrung. Seine Darstellung, wonach die Weichen 2008 auf einer „Elefantenrunde“ gestellt wurden, zu der Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger maßgebliche Vertreter der Ratsfraktionen gebeten hatte, klingt plausibel. Es entspräche einer bis heute durchaus gängigen Praxis informeller Entscheidungsfindung. Transparent ist das nicht.

„Jeder von Euch wollte dieses Stadion unbedingt“, schrieb Hülsmann dieser Tage an führende Vertreter von CDU, SPD, FDP und Grünen. Zur Erinnerung: Auch OB Reinhard Paß hielt im Wahlkampf 2009 den Daumen hoch für das Projekt. Ein Foto in der Stadionzeitschrift „Kurze Fuffzehn“ zeigt das frisch gewählte Stadtoberhaupt in trauter Eintracht mit dem damaligen Stadtdirektor.

Der Erfolg hat viele Väter. Nun aber, wo die Öffentlichkeit fragt, warum das „Projekt Fußball“ so viel mehr Geld gekostet hat, schwindet das Erinnerungsvermögen. Dabei ist so manche Zahl, die plötzlich Fragen aufwirft, gar keine Überraschung. Ja, die Rettung von Rot-Weiss Essen war der Stadt Millionen wert. Der Rat hatte es so beschlossen. Mit der Insolvenz des Vereins waren die Millionen futsch. Doch niemand möchte daran erinnert werden.

So bleibt der Eindruck haften, da wurde hinter verschlossenen Türen ein Projekt aufs Gleis gesetzt, das GVE-Chef Hillebrand entglitt – auch weil man ihn machen ließ. Der finanzielle Schaden mag messbar sein. Der Imageschaden ist es nicht.