Diese Essener WG ist frei von Barrieren
08.01.2013 | 14:00 Uhr 2013-01-08T14:00:00+0100
Essen. Sieben junge Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps ziehen in eine Wohngemeinschaft. Für einige bedeutet das den Auszug aus dem Elternhaus. Das „Integrationsmodell Essen“ macht's möglich.
Kira Leinfels ist aufgeregt und voller Vorfreude. Seit einigen Wochen grübelt die 24-Jährige vorm Schlafengehen, wie ihr Leben künftig aussehen mag. „Was erwartet mich bloß? Ob wir im Haus wohl alle gut miteinander zurecht kommen? Hoffentlich mache ich nicht gleich zu Beginn irgendetwas falsch“, denkt die junge Essenerin von der Margarethenhöhe über das Zusammenleben in der künftigen Wohngemeinschaft (WG) nach.
Vier Jahre lang weiß sie bereits, dass sie in das frühere evangelische Pfarrhaus an der Wiesenbergstraße 47 in Holsterhausen ziehen wird, wenn es komplett umgebaut ist. Und sie weiß auch: „Wohl kaum einer bereitet sich so lange auf den Auszug von zu Hause vor, wie ich und meine Mitbewohner.“ Doch die WG, die Kira Leinfels nun endlich beziehen konnte und in der sie nunmehr ihre erste Nacht abseits ihrer Familie verbracht hat, ist eine ganz besondere – eine, die ganz auf ihre individuellen Bedürfnisse und die ihrer sechs Mitbewohner ausgerichtet ist. Denn sie ist eine WG für junge Leute mit geistigen und / oder körperlichen Handicaps , getragen vom „Integrationsmodell Essen“.
Mehr Platz als bei Muttern
Zusammen mit ihrer Familie packt Kira Leinfels ihre Kartons aus. Alles hat seinen Platz, so wie in ihrem alten Zimmer. „Nur, dass ich hier viel mehr Platz habe. Das ist merkwürdig für mich. Ich muss mich erst einleben.“ Sehr wichtig ist, dass sie, ohne einen der 20 für sie und ihre Mitbewohner zuständigen Mitarbeiter rufen zu müssen, an ihre Sachen ran kommt. Denn Leinfels sitzt im Rollstuhl, was in der WG aber üblich ist.
„Zwei sind auf den Rollstuhl angewiesen, drei können kurze Strecke ohne laufen, zwei brauchen keinen“, sagt Jan Brummelman von der Hausleitung. „24 Stunden täglich ist jemand da – für den Fall, dass sie unsere Unterstützung benötigen“, betont Brummelman. So helfen er und seine Kollegen, den Haushalt zu bewältigen, bei Behördengängen, der Körperpflege, beim Einkaufen und der medizinischen Betreuung. Bevor das Haus fertig war, musste sehr viel umgebaut werden. „Es galt, hohe Brandschutzauflagen zu erfüllen. Außerdem muss alles den Ansprüchen der Rollstuhlfahrern und Blinden entsprechen“, erinnert sich Pflegefachkraft Susanne Trauten, die auch zur Hausleitung gehört, gut an die Umbauphase.
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