Die Zeche Carl: ein Ort für alternative Kultur in Essen

Foto: Sebastian Konopka / FUNKE Foto Services
Ob Rockkonzerte oder Kindertheater: Auf dem Gelände der Zeche Carl in Essen-Altenessen ist kulturell alles erlaubt, Hauptsache es ist kreativ.

Essen-Altenessen.. Die 1970er Jahre waren die Zeit von Studentenprotesten, Friedensdemonstrationen und Bürgerbewegungen. Auch die Kultur befand sich im Umbruch: runter vom elitären Ross der Hochkultur, hin zu Angeboten, die für alle erlebbar sind, die vor der Haustür standfinden und für die auch kleinere Geldbeutel keine Hürde darstellen. Dies war die Atmosphäre, die 1978 das Casinogebäude der längst stillgelegten Altenessener Zeche Carl zu einem der wichtigsten Anlaufpunkte der Stadt für alternative Kultur machte. Ob Kindertheater oder Seniorentanz, ob Konzerte von bekannten wie unbekannteren Metal-, Jazz-, Rock-, Pop- und Blueskünstlern – regional wie international – oder Kabarett und Kleinkunst: Die Vielfältigkeit des Programms, zu dem auch kreative wie sportliche Workshops gehören, ist bis heute bestehen geblieben. Daran konnte auch die Insolvenz nichts ändern, die die Zeche Carl 2008 ins Trudeln geraten ließ: Denn das Haus war zu wichtig für die Stadt geworden, um es sterben zu lassen.

Willkommen im Glamourdome

Dank der Gründung einer gemeinnützigen GmbH kann die Zeche Carl seit 2009 ihre Erfolgsgeschichte fortschreiben. Kult sind auch die regelmäßigen 80er und 90er Partys sowie die Glamourdome-Party für Schwule und Lesben.

Zu dem Gebäudeensemble gehören das Pförtnerhaus, in dem der Verein „Förderturm – Ideen für Essener Kinder“ seit 2008 bis zu 40 Kinder aus den umliegenden Grundschulen betreut, und der Malakowturm, einer der ältesten erhaltenden in der Region, und auch das Maschinenhaus, das mit Kunst der anspruchsvollen Art bespielt wird.

Alles ist dort erlaubt – Hauptsache es ist kreativ: Wer experimentelles Theater sehen, außergewöhnliche Kunstausstellungen entdecken und ausdrucksstarke Performances erleben will, sollte das Programm des Backsteingebäudes auf dem Gelände der Zeche Carl im Auge behalten. Regelmäßig nutzen freie Ensembles aus ganz Deutschland die weiträumige Halle mit ihrer exzellenten Akustik, die 1900 als Unterbringungsort für eine Dampfmaschine errichtet wurde, welche den Förderkorb bewegte. Nach der Stilllegung 1970 war es sieben Jahre später dieselbe Initiative, die auch die Zeche Carl als kulturelles Zentrum erhalten hatte, die das Maschinenhaus vor dem Abriss rettete.

1985, in dem Jahr, in dem das Maschinenhaus zusammen mit dem Gesamtensemble der Zeche Carl unter Denkmalschutz gestellt worden ist, wurde ein Trägerverein gegründet, der die Eigenständigkeit des Maschinenhauses unterstrich und aus ihm ein offenes Großatelier, in dem sich Künstler und Besucher begegnen, machen wollte. Doch zwei Jahre später war damit vorerst Schluss: Als Teil eines umfangreichen Essener Stadterneuerungsprojekts begann eine grundlegende Sanierung des Gebäudes, die sich bis 1996 hinzog.

Spielort der Ruhrtriennale

Seitdem wuchs es zu dem innovativen Kunstort heran, der es heute ist. Seit 2006 gehört es zu den festen Spielorten der Ruhrtriennale. Darüber hinaus bietet die Reihe „Totale“ jungen Vertretern der zeitgenössischen bildenden Kunst Gelegenheit, ihre Arbeiten zu präsentieren. Auch das Folkwang Physical Theatre Festival ging hier Zweimal über die Bühne.

Zeche Carl und Maschinenhaus ergänzen sich prima mit ihren kulturellen Angeboten.

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