Die Wirtschaft in Essen "befindet sich weiter im Aufwind"
16.08.2011 | 17:50 Uhr 2011-08-16T17:50:28+0200
Essen.Deutsche Konjunktur kühlt ab, Unternehmen der Region in bester Laune, wie die Oschatz-Gruppe. Sie blickt positiv in die Zukunft – mag sich die Konjunktur auch abkühlen.
Ja, wie steht es nun um die Wirtschaft? Wer in diesen Tagen die Nachrichten dazu liest, der durchlebt ein Wechselbad der Gefühle – nicht nur wegen der internationalen Schuldenkrise und Börsenturbulenzen . Wie haben wir etwa die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamts einzuordnen? Die Wiesbadener haben im zweiten Quartal einen Aufschwung mit einem Plus von 0,1 Prozentchen errechnet, womit die deutsche Konjunktur nahezu zum Erliegen gekommen ist.
Am Montag hieß es noch: Die mittelständischen Unternehmen in Deutschland, sie wollen wegen der guten Auftragslage 300.000 neue Jobs in den kommenden Monaten schaffen. Kurz darauf gab das Institut der deutschen Wirtschaft bekannt, die heimische Wirtschaft sei „gut aufgestellt“ und blicke „weiterhin positiv in die Zukunft“.
Und am Dienstag hieß es aus der Rolandstraße: Auch der Essener Unternehmensverband (EUV ) sieht keinen Grund, konjunkturellen Trübsal zu blasen. Im Gegenteil: „Die Wirtschaft in Essen und dem Ruhrgebiet befindet sich weiter im Aufwind“, sagt Henner Puppel, EUV-Vorstandsvorsitzender.
Eine Wirtschaft, zwei Stimmungswelten?
Auftragssteigerungen von bis zu 300 Prozent
Im Prinzip ist alles gar nicht so widersprüchlich, wie es auf den ersten Blick erscheint, sagt Ulrich Kanders, EUV-Hauptgeschäftsführer. Während das Statistische Bundesamt das Bruttoinlandsprodukt , also den Gesamtwert aller produzierten Waren und Dienstleistungen, ins Kalkül zieht, befragt das EUV die Unternehmen nach Auftragslage und Umsatz.
Und hier sei eben festzuhalten: Eine deutliche und branchenübergreifende Mehrheit von 80 Prozent der befragten Firmen habe im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2010 bessere oder zumindest gleich bleibend gute Ergebnisse eingefahren. Insgesamt zeichne sich „das erfreuliche Bild einer erstarkenden Wirtschaft ab“, frohlockt Puppel.
Der Unternehmensverband bekam von etwa 200 Ruhrgebietsfirmen zwischen Duisburg bis Dortmund mit insgesamt rund 60.000 Beschäftigten Antworten auf seine Stimmungsfragen – gut ein Viertel davon hat seine Adresse in Essen. Die Oschatz-Gruppe zum Beispiel. Der Anlagenbauer sitzt mit seiner Zentrale am Westendhof im Westviertel, betreibt seine Produktionsbasen aber im Osten, genauer: in der Türkei und in China.
Oschatz erwartet nach eigenen Angaben für das Jahr 2011 eine Auftragssteigerung um rund 300 Prozent! Im Laufe dieses Jahres sind bereits Neuaufträge im zweistelligen Millionbereich eingegangen.
Dienstleistungsstandort Essen
Aufgrund dieser hohen Auslastung werde Oschatz „im Laufe der nächsten Wochen den Belegschaftsstand in Deutschland um rund zehn Prozent erhöhen“, kündigt der geschäftsführende Gesellschafter des Familienunternehmens, Hans-Jürgen Schrag, gegenüber der NRZ an. Wie viele davon in Essen entstehen sollen, mochte er aber noch nicht verraten.
Oschatz ist keine Ausnahme, sagt Ulrich Kanders und hebt die „erfreulich Ertragssituation“ der hiesigen Unternehmen hervor. 40 Prozent der Befragten vermelden „gute Erträge“, 45 Prozent bezeichnen ihre Ertragslage als „befriedigend“. Der Arbeitsmarkt in Essen profitiere als Dienstleistungsstandort jedoch weniger stark von der brummenden Industrie, wie etwa das Bergische Land.
Dafür habe die Wirtschaftskrise im Jahr 2008, als die Industrieproduktion teilweise um 40 Prozent einbrach, Essen als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ weniger hart getroffen.
Bremsklotz Fachkräftemangel
Trotz aller Euphorie gibt Kanders zu Bedenken, dass jede Volkswirtschaft ihre Grenzen des Wachstums hat. Die Dynamik des Aufschwungs werde etwas nachlassen, auch wenn die Indikatoren weiter nach oben zeigen – nur eben nicht mehr so steil.
Ein Bremsklotz am Bein der Unternehmen in der Region bleibe der akute und selbst gemachte Fachkräftemangel. Derzeit sind 18 Prozent der Firmen auf ihrer Suche nach Fachkräften ohne Erfolg geblieben, ein fast doppelt so hoher Anteil wie noch im Herbst 2010 (zehn Prozent). Ein Grund, warum laut Kanders, die Essener Unternehmer mittlerweile „deutlich über Bedarf“ ausbilden und vereinzelt Betreuungsangebote für Angestellte mit Kindern errichten.
10:13
Good News aus dem Mittelstand, toll.
Erschreckend zu lesen, dass der Mittelstand jetzt auch schon im Osten produziert.
Also eine handvoll Verwaltung in Deutschland und die Arbeiter im Ausland. GUT FÜR DEUTSCHLAND ! Demnach ist das Unternehmen nicht rentabel, wenn es ausschliesslich in Deutschland produzieren würde.
Dem Fachkräftemangel tut so ein Bericht auch nicht gut. Wer will denn Ingenieur werden, wenn er damit rechnen muss, dass die Produktion in den Osten geht, oder die Firma pleite ist....?