Die Willkommenskultur gilt nicht für Antisemiten

.
.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Vorgänge vom 18. Juli auf dem Willy-Brandt-Platz sind ein Einschnitt. Sie haben für jeden sichtbar gezeigt, wie sehr die migrantischen Milieus auch in Essen von judenfeindlicher Barbarei durchdrungen sind.

Die Reaktionszeit war sehr lang, doch mag sein, dass der Zivilisationsbruch vom 18. Juli erst nach und nach ins Bewusstsein sickerte. Und inzwischen sind Teile der Stadtgesellschaft immerhin aufgewacht. Der katholische Stadtdechant Jürgen Cleve will die antisemitische Eskalation am Sonntag zum Thema einer Predigt machen, die evangelische Stadtsuperintendentin hat sich bei der jüdischen Kultusgemeinde zu einem Besuch angesagt, die meisten Parteien haben sich in kritischer Form geäußert, auch der OB. Selbst manche Essener Linke scheinen begriffen zu haben, was ihre Parteijugend angerichtet hat. Die Linke bot das bizarre Schauspiel, dass namhafte Vertreter der Bundes- und Landespartei sowohl bei der Anti- als auch bei der Pro-Israel-Demo vertreten waren. Da gibt es wohl einiges zu klären.

Edna Brocke, die langjährige Leiterin der Alten Synagoge, hat an dieser Stelle vor einigen Tagen die entscheidende Frage gestellt: Warum wird der politisch, ethnisch oder religiös motivierte Antisemitismus der migrantischen Milieus eigentlich so auffallend milder bedacht als der von „deutschen“ Neonazis? Ganz offensichtlich haben viele Menschen das mehr oder weniger unterschwellige Gefühl, von Zuwanderern mit muslimischen Hintergrund den bundesrepublikanischen Konsens - nie wieder Antisemitismus! - nicht verlangen zu können.

Die Vermutung liegt nah, dass auch die Polizei unbewusst von dieser Hemmung gelähmt war, als sie am 18. Juli nicht einmal versuchte, übelste rassistische Pamphlete aus dem Essener Straßenbild zu entfernen. „Auch der Islam gehört zu Deutschland“ akklamierte einmal ein früherer Bundespräsident. Festzuhalten bleibt: Der judenfeindliche Islam gehört jedenfalls nicht zu Deutschland und wird nie dazugehören. Er ist in Essen und anderswo leider weiter verbreitet, als Christian Wulff und andere naiv Wohlmeinende auch in unserer Stadt zu registrieren bereit sind. Seit dem vorvergangenen Freitag gibt es darüber keinen Zweifel mehr.

Eloquente, teils erfreulich gut integrierte Vertreter aus der Essener libanesischen Community raten, wir sollten dennoch die Arme ausbreiten und die „Willkommenskultur“ auch denen angedeihen lassen, die elementare Werte der westlichen Zivilisation mit Füßen treten. Sorry, aber ohne mich. Einwanderer sind willkommen, aber nicht, wenn sie das Nahost-Problem nutzen, um auf unseren Straßen offenen, gewaltbereiten Rassismus auszuleben. Dagegen hilft nur der starke Staat.