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Die Supernasen

03.01.2010 | 17:58 Uhr

Mit den insgesamt 18 Essener Polizeidiensthunden sollte man sich nicht anlegen. Ihre wahre Klasse zeigen sie aber beim Aufspüren.

Wenn Thorsten Brüschke ein Einbrecher auf der Flucht wäre, dann hätte er schlechte Karten. Ganz schlechte. Denn Rasmus hat ihn schon gestellt: Springt an ihm hoch, verbellt ihn. Und würde nicht aufhören, wenn Polizeihauptkommissar Dieter Fischer nicht das Kommando dazu gibt.

„Pack!“ muss Fischer, Leiter der Diensthundeführerstaffel, übrigens nicht zweimal sagen. Rasmus schnappt sich Brüschkes Arm - und wenn das nicht nur eine Übung und Polizeioberkommissar Brüschke nicht den dicken Anzug trüge - ein echter Ganove würde jedenfalls spätestens jetzt aufgeben. Rasmus hingegen sieht so aus, als machte ihm das großen Spaß. „Das geht bei den Hunden alles nur über die Spiel- und Beute-Motivation“, wird Fischer später erklären.

Rasmus, der Belgische Schäferhund (auch: Malinois) ist einer von 18 Polizeidiensthunden der Diensthundeführerstaffel am Polizeipräsidium  Essen/Mülheim. Jeder Hund arbeitet im Wechseldienst oder bei Sondereinsätzen mit einem zweibeinigen Kollegen - oder einer Kollegin: Unter den 18 Diensthundeführern, die zur Staffel gehören, sind fünf Beamtinnen. Eine davon ist Nadine Hermecke. Ihr Malinois Henry ist fünf Jahre alt, und was Rasmus kann, schafft er auch: Alle Polizeihunde sind ausgebildete Schutzhunde.

Zusätzlich kann Henrys feine Nase auch Drogen aller Art erschnüffeln - sogar kleinste Portiönchen. Auch hier wird der Hund über seinen Spieltrieb motiviert. Die Polizeioberkommissarin zeigt Henry sein liebstes Spielzeug und tut so, als ob sie es an dem (vorher präparierten) Auto versteckt, das durchsucht werden soll. Henry - gespannt wie ein Flitzebogen - sucht auf Kommando das ganze Auto ab. Als er sich hinlegt, zeigt er Nadine Hermecke damit an: Der Stoff ist unter dem Kotflügel. Zur Belohnung kriegt Henry sein Spielzeug zu beißen.

Es gibt Hunde, die zeigen wie Henry ihrem Führer passiv an, wo das Gesuchte steckt, oder sie werden aktiv: kratzen und beißen, um ihren Erfolg zu präsentieren. Das ist eine Frage der Ausbildung und des individuellen Hundecharakters. Der sechs Jahre alte „Ulli“ von POK Sven Busch ist einer von der passiven Sorte, und das hat gute Gründe: Denn Ulli ist ein Sprengstoffspürhund, einer von nur 44 landesweit. Sprengstoffhunde waren zuletzt vor allem beim Wahlkampf eingesetzt.

Die geschulte Hunde-Nase ist eben viel aufmerksamer, als der beste Bodyguard. Ulli erschnüffelt aber nicht nur Sprengstoffe aller Art, sondern findet auch Waffen und Munition. Und wer das schon erstaunlich findet, kann wohl kaum fassen, was ein so genannter Man Trailer (etwa: „Menschenverfolger“) zu leisten imstande ist: Diese Supernasen können Menschengerüche voneinander unterscheiden und sich bei der Suche auf die „Geruchsspur“ eines einzigen gesuchten oder vermissten Menschen konzentrieren, auch noch nach mehreren Tagen und über eine längere Strecke, berichtet Sven Busch. „Es gibt Fälle, bei der ein Hund noch eine drei Wochen alte Spur verfolgen konnte.“

Ein Man Trailer, dessen Ausbildung über zwei Jahre dauert, war auch jüngst bei der spektakulären Suche nach den beiden Aachener Ausbrechern beteiligt. Sechs Man Trailer-Teams sind derzeit in NRW in der Ausbildung. Sie sind hervorragend zum Finden von vermissten lebenden und vielleicht hilflosen Personen geeignet und haben schon manches Leben gerettet. Und: Bei Fußballspielen oder wo sonst Randale droht, kann allein die Gegenwart eines Hundes schon die Aggressionslust dämpfen, erleben die Polizeihundeführer häufig.

Nicht nur von der Landespolizeischule kommt Hilfe, wenn die eigenen Kräfte nicht ausreichen sollten, auch die Rettungshundestaffeln von DRK oder Arbeiter-Samariter-Dienst (ASB) unterstützen auch polizeiliche Einsätze. „Die machen gute Arbeit“, lobt Fischer. Zur Erinnerung: „Christo“, ein Hund der ASB-Hundestaffel Hattingen, hat im September in Velbert die neunjährige Kassandra im Gullyschacht aufgespürt.

Wer bei der Polizei Diensthundeführer ist, der nimmt die Arbeit quasi mit nach Hause: So einen Hund kann man ja nicht wie eine Uniform wegschließen. Aber das will auch keiner: „Alle, die hier sind, haben ja Spaß am Hund“, betont der Chef Dieter Fischer. Künftige Polizeihunde kommen meist schon als Hundekinder in die Familien der Beamten. So sind Eddy und Rasmus und die anderen in ihre Freizeit ganz normale Familienhunde. Mit einem Unterschied: Einbrecher sollten sich warm anziehen: Sie werden in der Regel nicht schwanzwedelnd begrüßt.

Bettina Kutzner

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Kommentare
03.01.2010
18:27
Die Supernasen
von Kyrosch | #1

Wie aufregend!

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