Die Suche nach der richtigen Wohnung

Ob in Zeitungen oder im Internet – die Suche nach einer geeigneten Wohnung kann manchmal sehr lange dauern. Gerade, wenn man eine genaue Vorstellung von Lage, Preis und Ausstattung der Wohnung hat. Und selbst wenn man ein passendes Objekt gefunden hat, dann heißt es nicht, dass man es auch bekommt. Anja Riemann und Felix Albertsmeier haben diese Erfahrung bereits gemacht und genug vom Durchforsten der Zeitungen und der Telefoniererei. Deshalb haben die beiden die Chance ergriffen und sich auf der 13. Essener Wohnungsbörse auf dem Willy-Brandt-Platz umgesehen. Bei zehn Wohnungsunternehmen und zwei Geldinstituten sollte doch etwas dabei sein, denken die jungen Essener.

„Das Angebot klingt toll, schau mal“, sagt Anja Riemann zu ihrem Freund und deutet mit dem Finger auf eine Wohnung im Essener Süden. Rund 70 Quadratmeter verteilt auf drei Zimmer sollen es sein. „Wir wissen, dass Rüttenscheid sehr begehrt ist. Dennoch geben wir nicht auf“, sagt die 22-Jährige, die mit ihrem Freund in die erste gemeinsame Wohnung ziehen möchte. „Bis August sollte es klappen“, sagt Felix Albertsmeier optimistisch.

Wie die beiden jungen Essener suchen auch Rolf und Gudrun Martin nach einer neuen Wohnung, doch der Anspruch ist ein völlig anderer. „Wir möchten uns verkleinern. Wesentlich wichtiger ist aber, dass das Bad eine Dusche hat. Ich bin nicht mehr so fit auf den Beinen“, bedauert Gudrun Martin, die mit ihrem Mann extra aus Gelsenkirchen gekommen ist. Da die Suchenden nicht mehr die jüngsten seien, müssten sie sich mit Blick in die Zukunft nach einer anderen Bleibe umsehen. „Jetzt kann ich selbst noch ein bisschen renovieren“, sagt Rolf Martin und ergänzt: „ Es bringt ja nichts umzuziehen, wenn nichts mehr geht.“ Das Rentnerpaar hofft, in den kommenden zwei Jahren eine geeignete Wohnung zu finden.

Mit diesem Wunsch stehen Rolf und Gudrun Martin nicht alleine da. „Wir und auch die Gesellschaften werden überwiegend nach altersgerechtem Wohnen gefragt“, weiß Organisatorin Ellen Rohrberg vom Einwohneramt Fachabteilung Wohnungsangelegenheiten der Stadt Essen. Der demografische Wandel sei deutlich spürbar. Die Zahlen sprechen für sich: In Essen leben rund 125.000 Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, das sind fast 22 Prozent. Die Tendenz steigt, denn die 45- bis 64-Jährigen machen knapp 167.000 Einwohner aus.

Auch die anwesenden Gesellschaften wie Immeo Wohnen, Vivawest, Gewo, Allbau, Gagfah Group, Aachener, Deutsche Annington, LEG, Essen-Nord Wohnungsgenossenschaft, Wohnbau sowie Genobank und Sparkasse haben sich darauf eingestellt und einige Angebote parat. „Alle älteren Menschen, die sich bei uns erkundigen, sind sehr vorausschauend und haben eine genaue Vorstellung, was sie haben möchten“, sagt Kim Friedrich Ring, Vertriebsmanager bei Immeo Wohnen Service GmbH. Doch diese Wünsche umzusetzen sei nicht immer einfach. „Sehr viele Bauten sind aus den 50er Jahren und können teilweise nicht so einfach altersgerecht umgebaut werden“, weiß Ring.

Und dennoch versucht Rudolf Gruber, Abteilungsleiter Wohnungsmarktbeobachtung der Stadt Essen, die Gesellschaften, die für rund 80.000 Wohnungen zuständig sind, für ein altersgerechtes, also ein barrierearmes beziehungsweise -freies Wohnen, zu sensibilisieren. Auch die Privateigentümer müssten laut Rudolf Gruber in den nächsten Jahren beraten werden.

So weit wollen Anja Riemann und Felix Albertsmeier noch nicht denken und freuen sich jetzt erst einmal auf ihre erste gemeinsame Wohnung. Erfolgreich waren sie auf der Wohnungsbörse – einen Besichtigungstermin haben sie bereits.