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Die Stadt Essen will drei Förderschulen abwickeln - Grund sei die Inklusion

26.10.2012 | 08:00 Uhr
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Die Stadt Essen will drei Förderschulen abwickeln - Grund sei die Inklusion
Soll keine neuen Schüler mehr aufnehmen und jahrgangsweise auslaufen: die Bernetalschule an der Altenbergstrasse im Nordviertel Essens.Foto: Oliver Müller / WAZ Foto Pool

Essen.   Die Verwaltung der Stadt Essen plant, drei der 16 städtischen Förderschulen aufzulösen. Es geht um die Bernetalschule im Nordviertel, die Friedrich-Fröbel-Schule in Kray und die Ruhrtalschule in Fischlaken. Der Grund: Inklusion führe zu einem verstärkten Rückgang der Schülerzahlen. Die Betroffenen vermissen jedoch ein Gesamtkonzept.

Die Verwaltung in Essen plant, drei der 16 städtischen Förderschulen aufzulösen. Hintergrund ist vor allem die Orientierung hin zu einem Schulsystem, in dem Kinder mit und ohne speziellen Förderbedarf flächendeckend gemeinsam lernen sollen – Stichwort Inklusion . Nordrhein-Westfalen gilt als besonders entschieden unterwegs auf diesem Kurs.

Die veränderten Rahmenbedingungen führten schon jetzt dazu, dass Eltern sich für ihre Kinder zunehmend einen Besuch der Regelschule wünschten, sagt Essens zuständiger Dezernent Peter Renzel (CDU). Verbunden mit den ohnehin sinkenden Schülerzahlen sorge das für ein auffallend schnelles Schrumpfen der Förderschulen . „Der Rückgang der Schüler ist dort überproportional groß.“ Die Stadt müsse reagieren.

Unmittelbar betroffen von den nun geplanten „schulorganisatorischen Maßnahmen“, wie es im Verwaltungsdeutsch heißt, sind die Bernetalschule im Nordviertel , die Friedrich-Fröbel-Schule in Kray und die Ruhrtalschule in Fischlaken (alle mit dem Förderschwerpunkt Lernen, emotionale und soziale Entwicklung). Sofern der Stadtrat den Vorschlägen zustimmt, würden die beiden letzteren zum Ende des Schuljahrs aufgelöst und als Dependancen anderer Schulen weitergeführt. Die Friedrich-Fröbel-Schule wäre dann ein Ableger der Schule am Hellweg in Freisenbruch, die Ruhrtalschule gehörte künftig zur Theodor-Fliedner-Schule in Frohnhausen. Die Bernetalschule soll auslaufen, sie nähme keine neuen Schüler mehr auf.

„Für Eltern und Kinder ergibt sich nächstes Jahr faktisch keine Änderung“, so Peter Renzel, der die Pläne Mitte der Woche den Leitern der Förderschulen vorstellte. Die Kollegien hätten mit noch tieferen Einschnitten gerechnet, so Renzel, schließlich lägen weitere Schulen unter der Mindestschülerzahl und liefen nur mit Ausnahmegenehmigung. 144 Kinder braucht es für den Betrieb einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen, so hat es die Bezirksregierung verfügt. Zehn der Essener Förderschulen haben diesen Schwerpunkt, bei sieben davon rangiert die Schülerzahl unter der Marke von 144.

„Wir waren sehr überrascht“

An den drei betroffenen Schulen hält sich das Verständnis für den Vorschlag der Verwaltung dennoch in engen Grenzen. „Wir waren sehr überrascht“, heißt es unisono. Schließlich habe man in den vergangenen Jahren intensiv an Konzepten für den Übergang zu einer inklusiven Bildungslandschaft mitgearbeitet. Dieses Ziel trage man ausdrücklich mit. Drei Schulen einfach abzuschneiden, sei ein Schnellschuss. „Ich vermisse ein Gesamtkonzept, das alle Schulen umfasst“, sagt Gerhard Seth, Leiter der Friedrich-Fröbel-Schule.

Ulrike Oberreuter von der Bernetalschule bemängelt, die Verwaltung habe zu sehr auf Schülerzahlen und Gebäudekosten und zu wenig auf Inhalte geschaut. „Die Pädagogik, die uns auszeichnet, kann durch eine Auflösung nicht eins zu eins auf eine Regelschule übertragen werden“, so die Schulleiterin. Daran ändere auch nichts, dass die Verwaltung nun betont, der Weg zum inklusiven System sei eine langfristige Entwicklung, in die man alle Beteiligten einbinden wolle. „Wir haben Angst, dass unsere Schülerschaft hintenüber fällt.“

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Kommentare
28.10.2012
09:16
Die Stadt Essen will drei Förderschulen abwickeln - Grund sei die Inklusion
von Kraftrobotnik | #3

Danke für diesen Artikel. Aus ihm geht gut hervor, worum es wirklich geht, wenn gesagt wird:
"Hintergrund ist vor allem die Orientierung hin zu einem Schulsystem, in dem Kinder mit und ohne speziellen Förderbedarf flächendeckend gemeinsam lernen sollen – Stichwort Inklusion."
Hört sich toll an, aber es geht hierbei kaum um Qualität, sondern um Quantität und Politik: "„Der Rückgang der Schüler ist dort überproportional groß.“ Die Stadt müsse reagieren." Eben, genau darum geht es. Über Jahre hinweg wurden sowohl Haupt-, als auch Sonder- bzw. Förderschüler von der Landesregierung als Resteschulen bezeichnet. Entsprechend fühlten sich sowohl Lehrkräfte, als auch Schüler als solche. Herr Seth sagt es klar, deutlich und völlig korrekt: ES GIBT KEIN GESAMTKONZEPT! Lieber macht man wieder ein paar Schulversuche. Man stelle sich einmal vor, so etwas würde in der Medizin gemacht werden. Wir versuchen und schauen dann mal. Die Sterberate würde steil nach oben schnellen...

1 Antwort
Die Stadt Essen will drei Förderschulen abwickeln - Grund sei die Inklusion
von uchfre | #3-1

Es gibt tatsächlich kein Konzept, womit ich meine, daß bisher eine Einigung auf verbindliche Standards fehlt. Es gibt keine verbindlichen Richtlinien zur Klassengröße, man versucht lediglich " die Klassen klein zu halten". Die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln im Hinblick auf Anschaffungskosten ist nicht wirklilch geklärt, es gibt nicht nur den Rollstuhl, der da mitbedacht werden muß und den das körperbehinderte Kind schon selbst mitbringt. Desweiteren ist oft unklar, wer für Kinder ( außer Mitschülern) außerhalb des Unterrichts verbindlich für Hilfestellungen zuständig ist, z.B. evtl. Begleitung zur Toilette bei einem körperbehinderten Kind - unklar also, ob eine "fürsorgerische Handlungskomponente im Schulalltag" auch abgedeckt ist ( insbesondere bei körperlichen Beeinträchtigungen). Die Binnendifferenzierung im Unterricht ist schwierig umzusetzen, wenn die sonderpädagogische Unterstützung nur ca. den "halben Schulvormittag" zur Verfügung steht, abgesehen von fehlenden Raümen, etc.

27.10.2012
17:31
Die Stadt Essen will drei Förderschulen abwickeln - Grund sei die Inklusion
von lyx7 | #2

Jede Schule, die geschlossen werden kann, bedeutet für die Stadt Essen bares Geld in der Haushaltskasse, da Unterhalts- und Personalkosten eingespart werden können. Was aus den betroffenen Kindern wird, ist den Verantwortlichen ziemlich egal. (Natürlich sagt man so etwas nicht laut.)

1 Antwort
Die Stadt Essen will drei Förderschulen abwickeln - Grund sei die Inklusion
von uchfre | #2-1

ja vor allem die Ruhrtalschule bedeutet bares Geld sobald sie geschlossen sein sollte, sie steht schließlich nur ca. 700 m von "Haus-Scheppen" ( Motorrad-Treff am Baldeneysee) entfernt, das zudem auch große Grundstück ließe sich mit Sicherheit sehr gewinnbringend verkaufen. Viele Städte/ Komnmunen sind pleite und es obliegt diesen zu entscheiden, -welche Förderschulen geschlossen werden sollen - und in welchem zeitlichen Ablauf dies umgesetzt werden sollte. Dies ist leider ein Makel der Gesetzgebung auf dem Weg zur Inklusion, eben diese Entscheidung Städten zu überlassen, die hoch verschuldet sind. Hier ist ganz klar eine Interessenskollision zwischen finanziellen Interessen der Städte und einer begründeten Schulschließung , die im Interesse der Kinder läge, zu sehen. Begründet wird dann alles mit der Inklusion...

26.10.2012
09:53
Stadt will drei Förderschulen abwickeln
von Dr.Akula | #1

Bedeutet, arme Eltern mit normal oder überdurchschnittlich begabten Kindern werden in Klassen mit lernbehinderten geworfen damit die sich den Rest ihres Schullebens langweilen und nur noch dummes Zeug machen. Ein System welches von vornherein dazu da ist alle Menschen gleich dumm zu halten und nicht fortzubilden. Gleichmachergesellschaft

1 Antwort
Die Stadt Essen will drei Förderschulen abwickeln - Grund sei die Inklusion
von eisenkopf | #1-1

Gleichmachergesellschaft darf man nicht sagen, es heißt: Abitur für alle.

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