Die Spitzel sind unter uns

Vor ein paar Monaten habe ich eine neue Nachbarin bekommen. Brünett, schlank, ziemlich jung. Klingt erstmal sympathisch, doch das Namensschild ließ mich innerlich aufschrecken: Der Vermieter hat uns seine einzige Tochter geschickt. Streng gucken kann sie schon mal. Vermutlich muss die junge Dame für ihre erste eigene Bude nichts bezahlen, nur hier und da wird ihr Vater sie um einen kleinen Gefallen bitten. „Wie machen sich denn die Mieter?“, könnte beispielsweise eine Frage lauten. Und tatsächlich: Vor ein paar Tagen gehe ich nichts Böses ahnend aus dem Haus, da fängt mich mein Vermieter ab und berichtet mir, dass seine Tochter ihm gesagt habe, dass ich seit zwei Wochen nicht mehr das Treppenhaus gewischt hätte. „Ihre Tochter übrigens auch nicht“, habe ich geistesgegenwärtig geantwortet. Danach war Ruhe im Karton. Jetzt überlege ich seit Tagen, wie man den Blicken des jungen Blockwarts entgehen kann. Drei Optionen sind mir eingefallen: 1.) Ich schlafe einfach unter meinem Schreibtisch bei der NRZ 2.) ich trage im Treppenhaus immer Sonnenbrille und Perücke oder 3.) ich ziehe in eine andere Stadt – genau das mache ich jetzt übrigens auch, bereits in 16 Tagen geht es nach Ost-Berlin. Problem ist nur: Dort gibt es traditionell sehr viele Spitzel...