Die Schattenseiten der Hitze

37 Grad –Donnerstagnachmittag. Unter der tropischen Hitze leiden auch die 68.000 Straßenbäume in Essen. Grün und Gruga appellierte jetzt an die Bürger, die Bäume vor ihrer Haustür zu bewässern.  50 Liter wasser benötigt ein größerer Baum pro Tag.
37 Grad –Donnerstagnachmittag. Unter der tropischen Hitze leiden auch die 68.000 Straßenbäume in Essen. Grün und Gruga appellierte jetzt an die Bürger, die Bäume vor ihrer Haustür zu bewässern. 50 Liter wasser benötigt ein größerer Baum pro Tag.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Wegen der Hitze steigt im Essener Stadtwald die Brandgefahr. Und die Straßenbäume haben nicht genug Wasser.

Essen.. Essen schwitzt – über 37 Grad zeigt das Thermometer am Nachmittag an. Der 2. Juli ist der bisher heißeste Tag in diesem Jahr. Am Samstag nähert sich die Hitzekurve möglicherweise gar der 40-Grad-Marke. Der Juli fängt ja gut an. Frische Luft? Von wegen.

Die atembelastenden Ozon-Werte erreichten an der Station Essen-Schuir die 180-Mikrogramm-Schwelle. Sobald die überschritten ist, rät das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz (Lanuv) allen Bürgern, die empfindlich reagieren, Anstrengungen im Freien vermeiden. Wer kann, sollte in der Mittagszeit Schatten und einen möglichst kühlen Ort aufsuchen.

Essens Bäume müssen dagegen angewurzelt ausharren – mag kommen, was will. Für den Stadtwald besteht hohe Waldbrandgefahr, gerade wurde die vierthöchste Warnstufe ausgerufen. Und die 68.000 Straßenbäume brauchen dringend Wasser – vor allem die, die in der aufgeheizten Innenstadt stehen.

Privatfirmen wässern Bäume

Grün und Gruga (GGE) kann das schon aufgrund der hohen Zahl der Bäume nicht bewältigen. „Das schaffen wir nicht“, berichtet Sprecher Eckhard Spengler. Deshalb appelliert er an alle Essener Bürger, den Baum vor ihrer Haustür zu bewässern, um ihn vor dem Austrocknen zu bewahren. „Jeder Eimer hilft den Bäumen“, betont Spengler. Bei diesen tropischen Temperaturen empfiehlt er 50 Liter Wasser (fünf Eimer) für jeden Straßenbaum. Das Gießen sei ganz einfach, weil ein Erdring um jeden Stamm verhindert, dass das Wasser über den Bordstein fließt.

Für die rund 370 nach dem Orkan Ela neu gepflanzten Bäume übernehmen Privatfirmen die Bewässerung. „Das haben wir vereinbart, weil wir wollten, dass die Anwuchspflege garantiert wird“, so Spengler.

GGE hat schon so genug zu tun. Derzeit sind sechs Teams mit Wasserwagen im Essener Stadtgebiet unterwegs, auf denen 3000- oder 4000-Liter-Tanks installiert sind. Die Mitarbeiter müssen vor allem Kübelpflanzen und Blumenbeete – etwa am Krayer Rathaus und an der Kettwiger Promenade – bewässern. 20 Liter pro Quadratmeter sind nötig. Da bleibt für die städtischen Rasenanlagen keine Zeit mehr. Das satte Grün vertrocknet. Aber das halten die Stauden aus.

Die seit langem anhaltende Trockenheit beunruhigt den Leiter des Regionalforstamtes Ruhrgebiet, Reinhart Hassel. „Die Waldbrandgefahr steigt von Tag zu Tag“, warnt er und befürchtet für das Wochenende gar Alarmstufe Rot.

Kein Feuer im Wald

Für großflächige Kontrollen im 1650 Hektar großen Essener Forst fehlt das Personal. Hassel appelliert deshalb an alle Waldbesucher, Raucher und Grill-Freunde anzusprechen „und sie auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen.“ Und wer ein Feuer im Forst beobachtet, sollte sofort den Notruf 112 wählen.

Eine „zusätzliche Gefahr“ droht laut Hassel in den Laubwäldern, in denen vor über einem Jahr der Orkan Ela so arg gewütet hatte. In Essen ist das vor allem im Schellenberger Wald der Fall, wo das Unwetter zigtausende Bäume umgeknickt oder entwurzelt hat. Das Totholz ist inzwischen „abgetrocknet“, so Hassel. Und kann damit einen Brand noch weiter anfachen.

Wer der Hitze etwas entgehen will und trotzdem auf seinen Outdoor-Spaß nicht verzichten möchte, hat im Stadtwald dabei noch relativ gute Karten. Insgesamt aber ist die Luftqualität eher belastend. Bei hohen Ozonwerten können Kopfschmerzen und Mattigkeit sowie Schleimhautreizungen und Atemwegsbeschwerden eintreten. Laut Lanuv reagieren 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung besonders empfindlich auf Ozon. „Wir erwarten, dass die Ozonwerte in Essen aufgrund der starken Sonneneinstrahlung die 180-Mikrogramm-Marke überschreiten“, sagt Eberhard Jacobs, Sprecher beim Landesumweltamt (Lanuv). „Die steigen von Stunde zu Stunde – besonders am Nachmittag.“

Autoabgase wirken sich negativ auf das Stadtklima aus

Jacobs rät, wenn möglich, den Freizeitsport in die frühen Morgenstunden zu verlegen, weil sich die Ozonkonzentration über Nacht wieder abgebaut hat.

Ein Mittel gegen den Sommersmog ist auch das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel, weil sich die Autoabgase negativ auf das Stadtklima auswirken. Das empfiehlt in diesen Tagen auch die Stadt. Aber nicht nur wegen hoher Ozonwerte, „sondern auch wegen der Teilsperrung der Autobahn A 40“, so Rathaus-Sprecher Stefan Schulze.

Wer möchte schon bei brütender Hitze im Stau stecken...