Die Rückkehr der Emscher-Bewohner

Lange war die Emscher in der Bevölkerung als „Kloake“ verpönt. Sie galt noch in den Neunzigerjahren als der dreckigste Fluss Europas. Doch diesen Ruf ist die Emscher längst losgeworden. In diesem Jahr diente sie sogar als Aushängeschild bei der Bewerbung um den Titel „Grüne Hauptstadt“.

Der Umbau der Emscher wird oft als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnet. Die für das Projekt verantwortliche Emschergenossenschaft spricht von einer „Aufgabe mit ungewöhnlichen Dimensionen – sowohl technisch als auch finanziell“. Damit das Mammut-Projekt am Ende erfolgreich sein wird, werden 4,5 Milliarden Euro investiert. Rund 500 Millionen Euro der Kosten entfallen auf Arbeiten im Essener Stadtgebiet.

Durch die Investitionen konnte bereits der Borbecker Mühlenbach naturnah umgestaltet werden. Der Oberlauf südlich der Autobahn 40 ist mittlerweile komplett vom Abwasser befreit. Nördlich der A 40 wurde 2013 der Abwasserkanal in Frohnhausen und Altendorf gebaut, damit auch dort das Wasser wieder naturnah plätschert. Es geht also voran: Das gesamte Großprojekt wird voraussichtlich bis 2020 abgeschlossen sein. Große Akzeptanz hat es bereits im Vorfeld erfahren.

Gewässerentwicklungspreis 2013

Das wird nicht nur am Titel „Grüne Hauptstadt“ deutlich. Bereits vor zwei Jahren gab es für das Projekt eine wertvolle Auszeichnung: Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall hat den Umbau der Emscher mit dem „Gewässerentwicklungspreis 2013“ ausgezeichnet. Die Jury nannte damals die ökologische Verbesserung des Flusses einen „Meilenstein der Gewässerrenaturierung im dicht besiedelten Raum“.

Vom Emscher-Umbau profitiert auch die heimische Tierwelt: In den naturnahen Nebengewässern der Emscher kommen mittlerweile über 100 Tierarten vor. Darunter befinden sich auch fünf Köcherfliegenarten, die in Nordrhein-Westfalen als gefährdet eingestuft sind. Außerdem ist nach über 100-jähriger Abwesenheit die Emschergroppe wieder aufgetaucht. Die Rückkehr der seltenen Fischart hat bei Biologen zu Begeisterung geführt.

Die hatten zuletzt noch einen weiteren Grund zur Freude: Die sprießende Pflanzenwelt entlang der Emscherufer sorgte dafür, dass der Grünspecht im Ballungsraum Rhein-Ruhr von der Roten Liste für bedrohte Arten verschwinden konnte. Inzwischen taucht der Vogel sogar wieder in Essener Gärten auf.

Lebensqualität gestiegen

Die Emschergenossenschaft begrüßt, dass die Menschen der Region „den Freizeitwert der neuen Oasen vor ihrer Haustür“ entdecken. Für die Bewohner der „Grünen Hauptstadt 2017“ soll durch den Umbau die Lebensqualität weiter steigen. Dann weist das Wort „Kloake“ nur noch auf die dreckige Vergangenheit der Emscher hin.