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Die Resistenz-Forscher Millionen-Investment

13.12.2007 | 19:12 Uhr

Das mikrobiologische Institut der Uni-Klinik hat neue Räume im Robert-Koch-Haus erhalten.Herzstück ist ein Hochsicherheitslabor, in dem krank machende Bakterien analysiert werden

Abgesehen von Killer-Viren wie Ebola können sie alles analysieren. Abgeschotteter Luftkreislauf, von der Raumluft abgeschottete Werkbänke, eigene Abwasser-Entsorgung und Sicherheitsschleusen, die nur einem exklusiven Kreis Zutritt ermöglichen: Vor einer Woche hat das mikrobiologische Institut der Uniklinik das neue Robert-Koch-Haus an der Virchowstraße bezogen. Herzstück ist das einzige Hochsicherheitslabor für die Arbeit mit tödlichen Erregern im Ruhrgebiet.

Der Laie denkt an Pest oder Pocken, in Wirklichkeit gilt anderen bösen Viren und Baktieren die Aufmerksamkeit, sagt Institutsleiter Prof. Dr. Jan Buer. "In unserem Alltag sind wir mit Tuberkulose-Erregern sowie den für abwehrschwache Patienten gefährlichen Staphylokokken und Pseudomonas konfrontiert."

60 medizinisch-technische Angestellte sowie 15 Ärzte, Biologen und Chemiker sind dafür aus dem alten Robert-Koch-Haus in die neuen Räume umgezogen. Wie das bei einem Ortswechsel so ist: Vielerorts fehlen noch Stühle, warten Kartons darauf, ausgepackt zu werden und im Bücherregal vom Institutsleiter klaffen Lücken. Es herrsche Aufbruchstimmung, sagt Buer. In den kommenden Monaten winkt ein Ausbau des Personals für die Forschung. Dabei werden bereits jetzt im 24-Stunden-Betrieb Erreger von Klinik-Patienten bestimmt, dafür Körperflüssigkeiten, Stuhl- und Blutproben ausgewertet.

"Wenn nachts ein Kleinkind mit Verdacht auf Hirnhautentzüdung eingeliefert wird, können wir anhand von Hirnflüssigkeit schnell bestimmen, welcher Erreger die Infektion verursacht und mit welchem Antibiotikum er zu behandeln ist", erklärt Buer.

Überhaupt die Sache mit den Antibiotika, sie macht einen bedeutenden Teil der Laborarbeit aus. Schnell festzustellen, gegen welche Antibiotika Erreger unempfindlich sind, ist im Kampf um Leben und Tod häufig entscheidend. "Patienten und Klinik nutzt das gleichermaßen", sagt Buer. Den Kranken, weil sie dank der verbesserten Diagnostik schnell gesund werden, der Klinik weil sie durch verkürzte Liegezeiten Geld spart.

Weil sich hinter jeder Probe theoretisch ein resistentes, hochansteckendes Bakterium verbergen könnte, wird unter höchster Sicherheitsstufe gearbeitet. "Wir vermehren die Erreger zur Untersuchung auf Resistenzen ja so stark, das es auch für uns gefährlich werden könnte", sagt Buer.

Dass seinem Institut künftig die Arbeit ausgehen wird, daran glaubt der im Juni als Nachfolger von Rainer Ansorg berufene Professor nicht. "In Osteuropa und Russland ist die Tuberkulose auf dem Vormarsch und kann per Flugzeug zu uns kommen. Wenn sich im dicht besiedelten Ruhrgebiet ein Ausbruch ereignet, brauchen wir ein Labor, was damit umgehen kann."

Noch ein weiterer Faktor lasse Infektionskrankheiten aufleben. "Wir haben es wieder häufig mit Gonorrhoe und Syphilis zu tun." Wenn durch die Geschlechtskrankheiten der Seitensprung eines Ehepartners ans Tageslicht komme, spielten sich mitunter Familiendramen ab, erzählt Buer. Dafür kennt freilich auch kein Labor eine Behandlung.1,5 Millionen Euro haben die Analysegeräte gekostet, mit denen sich schneller als bisher Resistenzen gegen Antibiotika nachweisen lassen.

Von Christian Duyf

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